Java ist wieder die Nummer 1 – Android sei Dank?

Judith Lungstraß

Der allmonatliche Tiobe Index bringt Java-Entwicklern eine frohe Botschaft: Nachdem C die Sprache Java im Laufe des Vorjahres von Platz Eins des Rankings verdrängt hatte, hat sie sich nun den Thron zurück erobert und belegt wieder denselben Rang wie noch 2012 und all die Jahre zuvor. Verantwortlich hierfür macht Tiobe die starke Verbreitung der auf Java basierenden Android Smartphones.

Platz Programmiersprache Anteil
1 Java 18,387%
2 C 17,080%
3 Objective-C 9,803%
4 C++ 8,758%
5 C# 6,680%
6 PHP 5,074%
7 Python 4,949%
8 (Visual) Basic 4,648%
9 Perl 2,252%
10 Ruby 1,752%

„Boosted by the success of Android phones, Java has gained most market share of all languages last half a year (+2.03%).“, liest man auf der Tiobe-Seite. Wie genau der selbsternannte Ranking-Service allerdings zu dieser Aussage kommt, bleibt unklar. Mindestens in zweierlei Hinsicht kann man diese Botschaft hinterfragen.

Zuerst wäre da das Argument Android. Zweifelsohne sind Android Smartphones weit verbreitet und tragen dazu bei, dass Java weiterhin relevant bleibt. Doch ob dieser Fakt tatsächlich den „Wiederaufstieg Javas Anfang 2013“ begünstigt hat, ist weder belegt noch kausal rückführbar. Bestenfalls versucht Tiobe hier, eine Analogie von Objective-C auf Java zu schließen.

Doch bei genauerer Betrachtung ist dieser Vergleich in vielerlei Hinsicht schief. Immerhin handelt es sich bei Objective-C um eine von Apple entwickelte Sprache, die fast ausschließlich in deren Betriebssystemen Mac OS X und iOS Einsatz findet. Die steigende Anzahl der Apple-Geräte auf den Consumer-Markt mit einer wachsenden Popularität der Sprache Objective-C in Verbindung zu bringen, ist also sowohl logisch als auch unausweichlich. Java hingegen ist deutlich mehr als nur Android, ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Sprache und Android-Betriebssystem kann nicht erschlossen werden.

Und dann wäre da noch der Tiobe Index an sich, dessen Vorgehensweise sich schon von jeher heftiger Kritik zu stellen hat. Tiobe misst die vermeintliche Popularität einer Programmiersprache basierend darauf, wie viele passende Ergebnisse mit dem Namen der Sprache im Titel eine Auswahl an Suchmaschinen ausspuckt. Ob diese gefundenen Webseiten jedoch tatsächlich gelesen werden und wenn ja, von wie vielen Entwicklern, wird nicht in Betracht gezogen.

Böse Zungen behauten gar, dass eher der Medienrummel um die Sicherheitslöcher in Java dazu geführt haben, dass auf Java mehr Suchanfragen niedergeprasselt sind als früher…

Wie dem auch sei. Mittlerweile gibt es einige Alternativ-Rankings, welche die Ergebnisse des Tiobe Index anzweifeln und mit vermeintlich besserer Vorgehensweise andere Listen erstellen. Da wäre beispielsweise der PYPL Popularity of Programming Language Index von Pierre Carbonnelle, der anstelle der puren Anzahl an Webseiten anhand der Google Trends untersucht, wie häufig Tutorials zu den jeweiligen Sprachen gesucht werden. Das soll besser ausdrücken, wie populär die jeweiligen Programmiersprachen tatsächlich sind.

Auch wenn wir freudige Botschaften zum Erfolg der Programmiersprache Java natürlich gerne hören, sollten wir diese mitsamt den Annahmen, die zu ihnen geführt haben, dennoch stets hinterfragen. Und wenn wir damit fertig sind, dürfen wir uns darüber freuen, dass Java nicht nur im Tiobe Index, sondern auch im PYPL Index den ersten Platz belegt.

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Judith Lungstraß
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