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Kommentar

Der Wermutstropfen: Oracle denkt daran, den Begriff „Java EE“ auslaufen zu lassen

Mark Struberg
Java EE

© Shutterstock / Jeffrey B. Banke

Die Ankündigung Oracles, Java EE zu öffnen und an eine noch zu spezifizierende Open-Source-Foundation zu übertragen, hat eingeschlagen wie eine Bombe. Doch war die entsprechende Mitteilung recht vage gehalten und ließ viel Raum für Spekulationen. Mark Struberg war einer der wenigen Vertreter der Open-Source-Community, die vorab von Oracle in einer Telefonkonferenz informiert wurden. Was Oracle genau vorhat, und wie die Pläne zu bewerten sind, kommentiert Struberg in diesem Beitrag.

Mark Struberg

Kommentar: Wie sind Oracles Pläne für Java EE zu bewerten?

Ich war einer der etwa 10 OSS-Leute, die vor der Veröffentlichung mit Oracle in einer kleinen separaten Telephonkonferenz waren. David Blevins (Tomitribe), Ivar Grimstad (MVC spec chair), Arjan Tijms (Security und JSF geek) und Martijn Verburg (jClarity/LondonJUG) waren unter anderm auch dabei.

Oracle hat anscheinend die Zeichen der Zeit erkannt.

Prinzipiell sehe ich das sehr positiv. Oracle hat anscheinend die Zeichen der Zeit erkannt. Nachdem sich mit den Java EE Guardians und MicroProfile gleich zwei unterschiedliche Initiativen als Gegenbewegung gebildet haben, war ja eine gewisse Reaktion angebracht.

Während der ursprüngliche Oracle Blogpost noch recht allgemein gehalten war („JavaEE wird Open Source“) konnten wir einiges in dem Confcall präzisieren. Vorab gilt natürlich: fix ist nix! Es sind noch einige rechtliche Fragen zu klären, aber es gibt eine sehr klare Vorstellung von Oracle und offensichtlich auch internes Backing vom Management.

Hier sind die Eckpunkte:

  • Die Reference Implementation (Glassfish) und deren Kernkomponenten sollen an eine OSS Foundation übergeben werden. Oracle hat dabei noch keinerlei weitere Selektion vorgenommen. Die offensichtlichsten Kandidaten sind vermutlich die Eclipse Foundation und die Apache Software Foundation. Und natürlich könnte es auch noch ganz anders kommen, entschieden ist wie gesagt noch gar nichts.
  • Das TCK (bzw eher  die TCKs) sollen ebenfalls an dieselbe OSS Foundation übergeben werden.
  • Die Spezifikationen selbst werden weiterhin im Copyright von Oracle verbleiben und auch weiter per JCP weiterentwickelt werden. Allerdings will sich Oracle viel weniger einmischen und der Community fundamental mehr Mitsprache ermöglichen. Beispielsweise indem Oracle für viel weniger JSRs den Spec Lead übernehmen will und mehr Plätze für andere JSR-Mitglieder ermöglicht.

In Summe ist dies als sehr positiv zu werten! Insbesondere das Öffnen der TCKs hat vor allem für Open-Source-Projekte sehr große Vorteile.

Und nun der Wermutstropfen: Oracle denkt daran, den Begriff „Java EE“ auslaufen zu lassen. Der Grund dafür ist, dass Oracle das Trademark an ‚Java‘ natürlich nicht aufgeben will, und aus diesem Grund haben ihre Anwälte empfohlen, auch den Begriff „Java EE“ nicht freizugeben. Das hat zur Folge, dass ein ‚offenes Java Enterprise‘ irgendeinen anderen Namen bräuchte.

Das ist eine ganz schön bittere Pille. Zwar hat das keine technische Bedeutung, aber beim Management ist Java EE weithin bekannt.

Wir hatten dagegen einige Einwände. Zum Beispiel, dass man ja sowieso javax.* im Package-Namen aller Specs hat. Oracle hat dies auf ihre TODO-Liste aufgenommen und versucht, eine Lösung zu finden.

In Summe überwiegen aber die positiven Aspekte bei weitem. Und falls Oracle es ernst meint, möchte ich mich hiermit schon vorab bei ihnen für diesen Schritt bedanken!

Stimmen Sie ab in unserem Quickvote zum Thema:

Java EE wäre am besten aufgehoben bei...

  • der Apache Foundation (43%, 276 Votes)
  • einer neu zu gründenden Java EE Foundation (26%, 168 Votes)
  • der Eclipse Foundation (18%, 119 Votes)
  • Wie bisher bei Oracle und dem JCP (10%, 62 Votes)
  • der Linux Foundation (3%, 18 Votes)
  • bei einer anderen Foundation (1%, 4 Votes)

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Mark Struberg
Mark Struberg
Mark Struberg ist Softwarearchitekt mit über zwanzig Jahren Programmiererfahrung. Er arbeitet seit 1996 mit Java und ist aktiv in Open-Source-Projekte im Bereich Java und Linux involviert. Mark ist Apache Software Foundation Member und PMC bei Apache OpenWebBeans, MyFaces, DeltaSpike und vielen anderen Apache-Projekten. Als Java Expert Group Member arbeitet er aktiv an der CDI und anderen EE-Spezifikationen mit. Er arbeitet unter anderem für die Research Group for Industrial Software (INSO) der TU Wien.
Kommentare
  1. Folkert2017-08-25 15:46:34

    ME/SE/EE räumt Oracle auf? ME ist heute Embedded, EE ist morgen Enterprise? Woher soll die Apache Foundation die Resource nehmen. Und die Linux Foundation interessiert sich vermutlich für Gratis Hardware aber wohl nicht für die Plattform EE. Eine andere Foundation? Wer sollte oder kann die Aufgabe übernehmen? Siemens, IBM oder Microsoft. Wie wäre BlackRock? Geld haben die genug und sind im interessanten Geschäftssegment unterwegs. ETFs und ETCs sind doch die Renner heute.

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