Java EE auf der W-JAX: Aus der Praxis für die Praxis

Claudia Fröhling

JAXenter im Gespräch mit den Moderatoren des Java EE Days auf der W-JAX 2011 in München. Neben dem normalen Tag am Dienstag wird es dieses Jahr zusätzlich einen Java EE Ninja Day am Freitag geben.

JM: Die Beschreibung des Java EE Days bringt es gleich auf den Punkt: Java EE ist in der Realität angekommen. Und damit auch der Tag selbst. Wie hat sich das Programm bzw. die Ausrichtung des Programms seit der JAX verändert?

Lars & Peter: Aufgrund unserer Projekt- und Kundenerfahrung der letzten Monate, sind wir bei der Planung des Java EE Day Programms bewusst davon ausgegangen, dass es im Vergleich zur JAX deutlich mehr Teilnehmer geben wird, die bereits mit den Grundprinzipien von Java EE 5 und 6 vertraut sind. Wir haben den Fokus daher ein wenig in Richtung „Real Life“ verschoben und den einleitenden Teil entsprechen gekürzt. Das Programm ist aber nach wie vor so aufgebaut, dass auch Java EE Einsteiger weiterhin stark von der Teilnahme profitieren können.

JM: Einige Talks fokussieren Java EE 6, die aktuell verfügbare Version. Wie weit ist eurer Meinung nach Java EE 6 in den Unternehmen angekommen bzw. warum müssen sich Unternehmen jetzt mit Java EE 6 beschäftigen?

Lars & Peter: Bei der Beantwortung dieser Frage muss man stark zwischen dem reinen Technologie-Stack und den aktuell zur Verfügung stehenden Servern unterscheiden. Der klassische Java EE Stack mit JSF 2, EJB 3.x und JPA 2 ist schon seit längerem in vielen Unternehmen etabliert. Bisher mangelte es aber an „Out-of-the-Box“ Laufzeitumgebungen, also Java EE 6 Servern. Hier hat sich in den letzten Monaten enorm viel getan. Angefangen von etlichen – meist Apache Tomcat basierten – Java EE Web Profile Servern bis hin zu ersten Full Stack Versionen etablierter Hersteller, wie Oracle, IBM und JBoss, haben wir nun endlich die Wahlfreiheit, die bisher leider gefehlt hat.

JM: Adam Bien wird in einem Talk über Java EE 7 sprechen. Warum wird diese Version eine (mit seinen Worten) Evolution und gar Revolution?

Lars & Peter: Die von Adam angesprochene (R)Evolution findet meiner Ansicht nach aktuell eher in den Köpfen der Java Enterprise Community, als in der Spezifikation selbst statt. Klar ist, dass sich auch der Standard in Richtung Cloud, NoSQL DBs usw. öffnen werden muss. Bisher scheint es aber so zu sein, dass keiner so richtig weiß, wie genau sich diese Entwicklung der Community optimal in der Spezifikation wieder spiegeln kann. Die rein technische Unterstützung der schönen, neuen und vor allem offenen Welt stellt dabei weniger das Problem dar. Vielmehr sieht sich das Spezifikationsgremium plötzlich mit Fragen konfrontiert, die bisher keine und nur wenig Relevanz hatten. Wie zum Beispiel bildet man Mandantenfähigkeit unter Berücksichtigung von Service Level Agreements in einer Spezifikation ab. Adam wird uns in seinem Talk zeigen, dass Java EE 7 bereits einen gewichtigen Grundstein für Cloud und Co. legt. Er wird aber auch aufzeigen, was wir in dieser Version noch nicht erwarten dürfen. Richtig interessant – in Bezug auf die Cloud und NoSQL – wird es aber nach unserer Ansicht nach frühestens in Java EE 8 oder 9. Ob wir mit dieser Meinung alleine dastehen wird sicherlich die mittlerweile schon „berüchtigte“ Paneldiskussion am Abend zeigen.

JM: Lars, zusätzlich zum Java EE Day moderierst du am Freitag auch den Java EE Ninja Day. Kannst du uns kurz erzählen, welche Ausrichtung dieser Tag haben wird und wer sich dort angesprochen fühlen sollte?

Lars: Der oben angesprochene Technologie-Stack von Java EE 5 existiert mittlerweile seit fünf Jahren und auch Java EE 6 ist mit seinen mehr als zwei Jahren kein Neuling mehr am Markt. Mit dem Java EE Ninja Day wollen wir daher gezielt Entwickler ansprechen, die sich bereits relativ früh auf das Abenteuer Java EE bzw. die darin enthaltenen Technologien eingelassen haben und über entsprechende Erfahrung verfügen. An dem Tag geht es daher weniger um die verschiedenen APIs und deren Zusammenspiel als vielmehr darum, wie man diese optimal nutzt und trotz einiger Lücken und Ungereimtheiten der Spezifikation im realen Projektgeschäft überleben kann. Weiterhin werden wir die existierenden Ablaufumgebungen unter die Lupe nehmen und Richtungen für den Betrieb aufzeigen. Oder auf den Punkt gebracht: „Aus der Praxis für die Praxis“.

Lars Röwekamp, Gründer des IT-Beratungs- und Entwicklungsunternehmens open knowledge GmbH, beschäftigt sich im Rahmen seiner Tätigkeit als „CIO New Technolgies“ mit der eingehenden Analyse und Bewertung neuer Software- und Technologietrends. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt derzeit auf den Bereichen Enterprise und Mobile Computing, wobei neben Design- und Architekturfragen insbesondere die Real-Life-Aspekte im Fokus seiner Betrachtung stehen. Lars Röwekamp, Autor mehrerer Fachartikel und -bücher, beschäftigt sich seit der Geburtsstunde von Java mit dieser Programmiersprache, wobei er einen Großteil seiner praktischen Erfahrungen im Rahmen großer, internationaler Projekte sammeln konnte.

Peter Roßbach ist freiberuflicher Systemarchitekt und Coach zahlreicher Java-EE-Anwendungen. Sein besonderes Interesse liegt in der Entwicklung von komplexen Informationssystemen, einschließlich der Gestaltung und Realisierung von testgetriebenen Softwareprozessen. Seit 1997 wirkt Peter Roßbach im Bereich „Java Server und Servlets“ und veröffentlichte das gleichnamige Buch und zahlreiche Fachartikel. Mit dem Buch „Tomcat 4x“ und als Autor der TomC@-Kolumne möchte er Sie für das Apache-Tomcat-Projekt begeistern. Er ist aktiver Entwickler des Tomcats und Mitglied der Apache Software Foundation (tomcat.apache.org).

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Claudia Fröhling
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