Interview mit Lars Röwekamp

„Java EE 8 wird eher Evolution als Revolution“

Claudia Fröhling
© S&S Media

Im Bereich Enterprise Java gehört Java EE neben Spring zu den am meisten verwendeten Technologien. Paradigmen wie Ease of Developement, Inversion of Control oder Convention over Code/Configuration sind längst in der Praxis angekommen. Auf der JAX 2014 in Mainz steht daher vor allem der Praxisbezug im Mittelpunkt des Interesses.

Während der reguläre Java EE Day am Dienstag der Konferenz sich vor allem Themen wie Migration von Altsysteme widmet und leichtgewichtige Architekturvarianten vorstellt, weden im Java EE Hackers Day am Freitag existierende Java-EE-Großprojekte vorgestellt und beschrieben, wie sich reale Herausforderungen mit dem Enterprise-Standard lösen lassen. Wir sprachen mit dem Moderator der Special Days, Lars Röwekamp.

JAXenter: Das Release von Java EE 7 jährt sich jetzt. Wie sind deine Erfahrungen bisher im Java EE Day: welche Rolle spielt das Release für die Anwender?

Lars Röwekamp: Wenn es um Java EE im Allgemeinen geht, dann kann man ganz klar feststellen, dass der Java Enterprise Standard sich mittlerweile in der Praxis voll und ganz etabliert hat. Es stellt sich nicht mehr die Frage nach dem „ob“ sondern nur noch nach dem „wie“ bzw. „wie richtig“.

Wenn es allerdings um die Rolle von Java EE 7 im Speziellen geht, dann muss man leider feststellen, dass die Verbreitung nach wie vor weit unter den Möglichkeiten liegt. Warum? Dies hängt zum einen sicherlich mit den bisher fehlenden Servern – auf Production-Niveau – zusammen. Bis vor wenigen Tagen war hier nur der GlassFish Server Version 4 in der Open Source Edition zu nennen, für den es aber seit seinem Erscheinen kein offizielles Bug-Fix- oder Maintenance-Release gegeben hat. Mittlerweile (Mitte Februar) hat sich auch der WildFly 8.0.0 Server von Red Hat dazu gesellt. Aber auch hier deutet die Versionsnummer an, dass man nicht unbedingt seine Mission-Critical-Anwendung darauf laufen lassen sollte.

Ein weiterer Grund für die bisher eher bescheidene Verbreitung von Java EE 7 liegt meiner Ansicht nach darin begründet, dass viele Anwender mit der Version 6 eigentlich recht zufrieden sind bzw. gerade in für Java EE 6 geplanten Projekten stecken und daher keinen echten Bedarf für einen Um-/Aufstieg sehen.

Natürlich bringt die neue Plattform mit dem deutlich verbesserten „HTML5 & Co“ Support (JSF 2.2 HTML5 Features, WebSockets, JSON,  JAX-RS 2.0, …), den zusätzlichen Enterprise-Features (Batch API, Concurrency Utilities, Simplified JMS, …) und einer erneuten Produktivitätssteigerung für die Entwickler (u.a. weitere Annotationen, verbesserte Integration der verschiedenen Technologien) viele Vorteile gegenüber der bisherigen Version 6 mit sich. Vielen ist der Mehrwert aber nicht wirklich bewusst bzw. nicht ausreichend groß, um den Schritt hin zur aktuellen Version zu wagen. Aber das wird sich nach unseren beiden Special Days auf der JAX sicherlich ändern.

 

Lars RöwekampLars Röwekamp ist Geschäftsführer der open knowledge GmbH und berät seit mehr als zehn Jahren Kunden in internationalen Projekten rund um das Thema Enterprise Computing. Twitter: @MobileLarson


JAXenter: Was ist eigentlich deine persönliche Prognose für Java EE 8?

Röwekamp: Ich denke, dass uns auch mit Java EE 8 keine Revolution sondern eher eine Evolution erwartet. Themen wie JSON-Binding oder standardisiertes Caching im Enterprise-Umfeld scheinen dabei gesetzt. Ebenfalls sicher ist wohl ein weiteres Alignment zwischen CDI und EJB in der Form, dass, ähnlich wie bereits bei @Transactional geschehen, weitere EJB-Features als eigenständige Erweiterungen aus der Spezifikation herausgezogen und so dem gesamten Java EE Stack – also auch CDI – zur Verfügung gestellt werden.

Offen ist für mich nach wie vor der gesamte Bereich „Cloud & Friends“, in den u.a. auch Themen wie Modularisierung und Mandantenfähigkeit mit hineinspielen. Hier wurde bereits in Java EE 7 ein Rückzieher gemacht. Meine Hoffnung ist, dass es nicht zu unüberlegten Schnellschüssen kommt, die dann – es handelt sich nun einmal um einen Standard – nur schwer wieder rückgängig zu machen sind.

Interessant wird sicherlich auch, inwieweit weiter neue Themen aus dem Non-Java Ökosystem mit in den Spezifikationen berücksichtigt werden. NoSQL-Support in JPA ist da nur einer von mehreren Kandidaten. Eine noch konsequentere Ausrichtung von JSF bzgl. „modern Web“ a.k.a. HTML 5 und JavaScript ein weiterer.

JAXenter: Der Java EE Day der JAX konzentriert sich auf praxisbezogene Java-EE-Themen, sei es der Bau einer End-to-End-Anwendung, Architekturdesign oder REST. Was ist dir in diesem Special Day wichtig und wer sollte sich angesprochen fühlen?

Röwekamp: Gerade im Java-EE-Umfeld geht es weniger darum, die einzelnen APIs im Detail auswendig zu lernen, als vielmehr deren Zusammenspiel inkl. möglicher Nebeneffekte zu verstehen. Das Java-EE-Framework nimmt dem Entwickler dank „Inversion of Control “, „Convention over Code/Configuration“ und „Implicit Patterns“ zwar viele Aufgaben ab, erlöst ihn aber – zum Glück – nicht von der Pflicht, eine saubere und für den gegebenen Kontext sinnvolle Architektur zu entwerfen. Wir zeigen im Rahmen des Java EE Days, wie dies geht und welche Stolperfallen auf einen dabei warten. Angesprochen ist somit jeder, der von unserer umfangreichen Praxiserfahrungen partizipieren und so unnötige Probleme vermeiden möchte.

 JAXenter: Einen anderen Weg gehen wir mit dem zweiten von dir moderierten Special Day: Java EE Hackers Day. Hier geht es vor allem um das Überwinden der Komplexität, oder?

Röwekamp: Der Java EE Hackers Day ist eine Art logische Fortführung des Java EE Days und läuft unter dem Motto „aus der Praxis für die Praxis“. Denn auch erfahrene Java-EE-Entwickler wie wir laufen immer wieder in neue, kritische Probleme, die sich als direkte Konsequenz aus der Komplexität der Spielwiese „Enterprise Computing“ ergeben. Unser Ziel ist es daher, auch hier den Teilnehmern wertvolle Tipps aus der Praxis an die Hand zu geben und aufzuzeigen, wie die vielen Java-EE-APIs – insbesondere auch die in Version 7 hinzugekommenen – optimal genutzt werden können.

Natürlich haben auch die Teilnehmer bei Bedarf die Möglichkeit aus ihren Projekten zu berichten und dort aufgetretene Probleme zur Diskussion zu stellen – je komplizierter desto besser!

Geschrieben von
Claudia Fröhling
Claudia Fröhling
Claudia Fröhling hat in verschiedenen Redaktionen als TV- und Onlineredakteurin gearbeitet, bevor sie 2008 zur Software & Support Media GmbH kam und sich bis 2014 um alle Projekte des Verlages im Ressort Java kümmerte. Claudia hat einen Abschluss in Politikwissenschaften und Multimedia Producing. Ihr Google+ Profil findest du hier.
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