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Interview mit David Heffelfinger

„Java EE muss als Standard neuen Technologien konservativ gegenüberstehen“

Gabriela Motroc

David Heffelfinger

Java EE 8 ist da! Einer der Gründe, warum dieses Release etwas Besonderes ist, hat mit dessen Zukunft zu tun – von nun an wird Java EE nämlich unter der Leitung der Eclipse Foundation stehen, das Top-Level-Projekt EE4J wurde für diesen Zweck bereits gestartet. Wir haben uns mit David Heffelfinger, Experte und Consultant in den Bereichen Java, Java EE und J2EE, über seine Lieblingsfeatures der neuen Enterprise-Edition von Java und die aktuellen Vorkommnisse unterhalten.

JAXenter: Java EE 8 wurde kürzlich veröffentlicht. Was ist dein Lieblingsfeature?

David Heffelfinger: Es gibt so viele neue Features, da ist es schwer ein einzelnes herauszupicken. Ich mag das neue Security API. Sicherheit war in früheren Versionen eine Sache, die nicht so portabel war, wie ich es mir gewünscht hätte. Das neue Security API wird dieses Problem lösen. JSON-B, das nahtlos JSON Strings aus Java-Objekten (und umgekehrt) erzeugt, ist ebenfalls eine willkommene Ergänzung. In früheren Versionen von Java EE mussten wir das entweder manuell programmieren oder auf Bibliotheken von Drittanbietern zurückgreifen.

JAXenter: Gibt es Features, die du gerne in Java EE 8 gesehen hättest, die aber nicht integriert wurden?

David Heffelfinger: Die ursprünglichen Pläne für Java EE 8 sahen eine neue Version des Java Message Service (JMS) vor. Die aktuelle Version wurde bereits im Jahr 2013 veröffentlicht und nutzt daher nicht die Vorteile neuerer Java-Spracheigenschaften (wie z. B. Lambda-Ausdrücke oder das Stream API). Darüber hinaus lässt es sich nicht sonderlich gut mit Contexts and Dependency Injection (CDI) integrieren. Ich habe in der JMS-Expertengruppe mitgewirkt und weiß daher, dass dort einige sehr interessante neue Ideen für den JMS vorgeschlagen wurden. Aufgrund gegensätzlicher Prioritäten und zeitlicher Beschränkungen wurde der Plan, eine aktualisierte Fassung des JMS in Java EE 8 zu integrieren, ad acta gelegt.

Lesen Sie auch: Java EE 8: Hält es, was die lange Wartezeit versprochen hat?

JAXenter: Die Java-EE-Technologien befinden sich derzeit mitten im Umzug zur Eclipse Foundation. Was sind die Vorteile von Open Source Java EE? War die Entscheidung von Oracle, Java EE an eine Open Source Foundation zu übertragen, eine gute Entscheidung?

Das JSM-Update wurde aus Java EE 8 entfernt.

David Heffelfinger: Der Vorteil der Überführung von Java EE zu einer Open Source Foundation besteht darin, dass kein einzelnes Unternehmen zu viel Kontrolle über die Spezifikation haben wird. Damit wird Java EE automatisch offener für Organisationen und Einzelpersonen, die etwas beitragen möchten. Oracles Entscheidung, Java EE an die Eclipse Foundation zu übergeben, wurde von der Java EE Community beinahe durchweg positiv betrachtet.

JAXenter: Inwiefern wird die Community von dem Wechsel profitieren?

David Heffelfinger: Die Community wird in der Lage sein, zukünftige Java-EE-Versionen praxisorientierter zu gestalten. Das Risiko, dass einzelne Java EE Stewards das Interesse verlieren und Aktualisierungen verhindern, wird ebenfalls stark verringert.

JAXenter: Wir hatten eine kleine Umfrage unter unseren Lesenden durchgeführt und festgestellt, dass sie Java EE unter der Leitung der Apache Software Foundation sehen wollten. Ist die Eclipse Foundation eine bessere Wahl?

David Heffelfinger: Ich denke, dass Eclipse etwas besser für Java EE geeignet ist, da sie bereits die MicroProfile-Initiative hosten, die wiederum eine Reihe an Java-EE-Anbietern und Java-Anwendergruppen umschließt. Allerdings wäre ich auch nicht verärgert gewesen, wenn Java EE stattdessen an Apache gegeben worden wäre.

JAXenter: Da die Oracle-geführten Java-EE-Technologien relizensiert werden, wird es kein Java EE mehr geben. Stattdessen soll das Ganze einen anderen Namen bekommen. Welchen Namen würdest du bevorzugen?

Die Java EE Guardians haben bereits nach Ideen gefragt, wie der neue Name lauten sollte und „Java Open Extensions“ (JOE) scheint eine beliebte Wahl zu sein.

David Heffelfinger: Ich habe keine klare Meinung darüber, wie der neue Name lauten soll. Die Benennung von Projekten stellt eine nicht unbedingt offensichtliche Herausforderung dar, beispielsweise darf der Name nirgends auf der Welt geschützt sein. Jeder eingängige, ungeschützte Name wäre mir recht. Die Java EE Guardians haben bereits nach Ideen gefragt, wie der neue Name lauten sollte und „Java Open Extensions“ (JOE) scheint eine beliebte Wahl zu sein.

JAXenter: Sollen Java EE und Eclipse MicroProfile zusammengeführt werden?

David Heffelfinger: Java EE muss als Standard den neu hinzugefügten Technologien konservativ gegenüberstehen. Das Hinzufügen der sog. „latest and greatest“ birgt das Risiko, dass diese Technologien kurz nach ihrer Einführung in den Standard an Popularität verlieren. Wenn dies geschieht, wird es sehr schwer, sie wieder aus dem Standard zu entfernen, ohne mit der Rückwärtskompatibilität zu brechen.

Ich denke MicroProfile und Java EE können gut nebeneinander existieren. MicroProfile kann neue Technologien dem eigenen Stack aggressiver hinzufügen, und sämtliche Technologien, die lange genug wichtig bleiben, können in zukünftige Versionen des Java-EE-Standards integriert werden.

Vielen Dank für dieses Interview!

David Heffelfinger is an independent consultant focusing on Java, Java EE and J2EE. He is the author of several books on Java and related technologies, such as “Java EE 7 Development with NetBeans 8”, “Java EE 7 with GlassFish 4 Application Server” and others. He was named as one of 39 Java leaders and experts to follow on Twitter by TechBeacon. David has extensive experience with the PrimeFaces JSF component library and is a frequent speaker at Java conferences such as JavaOne. He has over 20 years of software architecture, design and development. Java has been David’s primary programming language since 1996. He worked on many large-scale Enterprise Java projects for several government and commercial clients including the US Department of Homeland Security, Department of Housing and Urban Devalopment (HUD), Freddie Mac, Fannie Mae, and the US Department of Defense. Find him on Twitter: @ensode
Geschrieben von
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
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