Java 8 wird verschoben, JavaFX wird Open Source

Hartmut Schlosser

Oracles langfristige Java-Strategie stand im Zentrum der zweiten Keynote der aktuell stattfindenden JavaOne in San Francisco. Und nach der eher trägen Keynote am ersten Konferenztag gab es dieses Mal tatsächlich Substantielles zu vermelden: Java 8 wird verschoben, JavaFX wird komplett Open Source, Project Avatar soll HTML5 und Java näher zusammenbringen.

Java 8, Twitter, JavaFX 3.0

Nach einer 30 minütigen Präsentation von JavaOne-Sponsor Juniper übernahm Hasan Rizvi, Oracles Senior Vice President of Oracle Fusion Middleware and Java Products, die Bühne und kündigte gleich die Verfügbarkeit der Developer Preview für die Mac-OS-X-Version des JDK 7 an.

Richtig interessant wurde es dann bei Oracles Java-Plattform-Spezialist Adam Messinger, der nach einigen altbekannten Slides, die die ungebrochene Marktführerschaft von Java belegen sollten, von einem zweijährigen Abstand zwischen Java 7 und Java 8 sprach. Mit dem ursprünglich angekündigten Releasetermin Ende 2012 wird es also wohl nichts werden, Java 8 darf für Mitte 2013 erwartet werden.

Die Zeit will man nutzen, um das Modularitätssystem für JDK 8 (aka Project Jigsaw) sauber umzusetzen und Closures (aka Project Lambda) in Java einzuführen. Zur Sprache kam außerdem das sogenannte Project Nashorn, in dessen Rahmen eine JavaScript-Implementierung der JVM erarbeitet werden soll, die von den dynamischen Sprachfeatures von Java 7 Gebrauch macht (JSR 292). Langfristig soll Nashorn Open Source zur Verfügung stehen.

Eine weitere Ankündigung folgte auf dem Fuß: Twitter wird sowohl dem JCP als auch dem OpenJDK-Projekt beitreten. Rob Benson, Director of Runtime Systems bei Twitter, legte zunächst die Beweggründe für die Micro-Blogger dar, in großem Maßstab auf die Java-Plattform zu setzen. Geschätzt werde Javas Multisprachfähigkeit, die auch bei der Twitter-Technologie selbst zum Einsatz kommt (Twitter verwendet Java, Scala und Clojure), sowie die lebendige Entwickler-Community, an der man sich nun im Rahmen von JCP und OpenJDK aktiver beteiligen möchte.

Weiter ging´s mit JavaFX, Oracles „strategische Client Solution für Java“. Oracle scheint in Sachen JavaFX tatsächlich Ernst zu machen: Nach der gestrigen Freigabe von JavaFX 2.0 kündigte Messinger an, die verschiedenen JavaFX-Komponenten nach und nach Open Source verfügbar zu machen. Langfristig soll das komplette JavaFX-Framework quelloffen zur Verfügung stehen und in das OpenJDK-Projekt eingebunden werden. JavaFX soll dann im Rahmen von Java SE weiter standardisiert werden. Bis zum Release von Java 8 soll JavaFX 3.0 fertig gestellt werden.

Java SE und ME sollen dahingehend zusammengebracht werden, dass jedes ME API als Untermenge von Java SE fungiert. SE und ME sollen zudem ein konsistentes Tooling erhalten. Java ME soll dann eine „Smartphone Experience“ auch auf Feature Phones ermöglichen. Während man sich als Zuhörer an dieser Stelle fragte, wie Oracle mit Java ME das Fehlen einer eigenen Smartphone-Technologie kompensieren möchte, wurde das Thema „Android“ in der Keynote geflissentlich verschwiegen.

HTML5 integration for Java

Nach einer Runde über JavaEE, das als neuer PaaS Standard für Enterprise-Szenarien etabliert werden soll, ging Messinger auf einen weiteren neuen Star im Oracle-Projekthimmel ein: Avatar. Avatar soll eine Lösung für dynamische Rich-Client-Anwendungen darstellen, die in HTML5 und Java geschrieben sind und auf mobilen Endgeräten laufen sollen. Avatar-Anwendungen sollen auch auf iOS-Devices funktionieren, da die JVM in vom App Store heruntergeladene Anwendungen eingebettet werden kann. Die Avatar-Mischung besteht aus HTML5 im Browser, Java SE und Java EE in der Cloud – und wurde auf der Bühne bereits live auf einem iPod vorgeführt.

Fazit

Insgesamt ein spannendes Aufgebot an Ankündigungen und Strategiepräsentationen, das im festen Ton der Überzeugung vorgetragen wurde und auf offene Ohren stieß. Eine deutliche Lücke ist im Smartphone-Bereich auszumachen, wobei unklar ist, inwieweit man mit Avatar auf diesen Einsatzbereich abzielt. Auch an Statements zur besseren Community-Einbindung fehlte es nicht: Die Reform des JCP soll weiter vorangetrieben, die Transparenz erhöht und weitere Partner für das OpenJDK-Projekt gewonnen werden. Bleibt zu hoffen, dass neben den technischen Weiterentwicklungen auch auf diesem Gebiet des Community Envolvements Fortschritte erzielt werden, damit die zweifellos interessante Technologie-Vision auch eine Vision sein wird, die von der Community mitgetragen wird.

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Hartmut Schlosser
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