Java 7: Das am heißesten erwartete Java aller Zeiten - JAXenter

Java 7: Das am heißesten erwartete Java aller Zeiten

Hartmut Schlosser

Mit großem Paukenschlag hat Oracle vergangene Woche die Lancierung von Java 7 gefeiert – am 7.7. und damit genau drei Wochen vor der offiziellen Freigabe von Java 7 am 28. Juli.

Schneller, einfacher und integrativer – so wird Java 7 im marketingwirksamen Trailer des Online-Mitschnitts angepriesen. Angesprochen ist damit das verbesserte Fork/Join Framework, die kleinen Sprachverbesserungen aus Project Coin (JSR 334) und die erweiterte Unterstützung für dynamische Sprachen und Virtual Machines (JSR 292). „The internet is just getting started – so is java“.

Adam Messinger auf dem Launch Event für Java 7

Durch das Programm im kalifornischen Red Shore führte Adam Messinger, Vice President Product Management bei Oracle, der zunächst altbekannte Zahlen präsentierte: 9 Millionen Java-Entwickler weltweit, laut Tiobe-Index die beliebteste Programmiersprache, 1.1 Milliarden Java-Installationen auf den Desktops – die größte Zahl, die jemals in der Geschichte der Programmiersprachen erreicht wurde.

Auf den Schultern dieses Zahlen-Riesens arbeite Oracle nunmehr seit 18 Monaten daran, neuen Elan in die Weiterentwicklung von Java zu bringen. Das größte Entwicklerteam, das je an Java gearbeitet hat, habe Oracle dafür abgestellt – denn auch für Oracle selbst sei der Erfolg Javas von strategischer Bedeutung.

Nach all diesen Superlativen waren die Aussagen Mark Reinholds im anschließenden Speaker-Panel erfrischend nüchtern: Auf die Frage, was das Bemerkenswerteste an JDK 7 sei, antwortete Reinhold: „Die Tatsache, dass wir JDK 7 endlich ausliefern.“ Keine revolutionären Änderungen, wohl aber einige interessante, evolutionäre Verbesserungen seien in JDK 7 eingeflossen, von denen Reinhold das Fork/Join Framework für die bessere Multicore-Programmierung und das neue I/O File System API hervorhob.

Von links nach rechts: John Rose, Alex Buckley, Joe Darcy, Mark Reinhold, Adam Messinger

Auf prozeduraler Ebene sei Java 7 das erste Release, bei dem der Großteil der Entwicklungen offen durchgeführt worden sei – auch wenn die Prozesse noch nicht den Grad der Transparenz erreicht hätten, wie sich das manch einer wünschen würde. Reinhold stellte dem Einbezug von Partnern aus der Community und der Industrie dennoch ein gutes Zeugnis aus. Beiträge stammen etwa von Community-Vertretern wie Doug Lea, dem Da-Vinci-Projekt, von Apple und IBM.

In der Tat darf es als einer der größten Coups Oracles gelten, den ewigen Konkurrenten IBM mit ins Boot für die Entwicklung des OpenJDK-Projektes geholt zu haben – und, wie manche anfügen würden, IBM dazu gebracht zu haben, die Unterstützung des Apache-Harmony-Projektes fallen zu lassen. Der anwesende Trent Gray-Donald von IBM betonte ebenfalls die Signifikanz der Kooperation Oracle & IBM:

Ja, wir sind absolut scharfe Wettbewerber. Aber dennoch hat es sich gezeigt, dass wir miteinander zusammenarbeiten können. Wir sollten und wir müssen das tun! Trent Gray-Donald

Spracharchitekt Joe Darcy stellte im Laufe des Panels einige der Neuerungen aus Project Coin vor, in dem kleine Sprachverbesserungen wie Diamond-Operatoren das Leben des Java-Entwicklers erleichten sollen. Diesen „Sprach-Versüßungen“, die sich quasi im „Wohnzimmer“ eines jeden Java-Entwicklers abspielen, stellten Alex Buckley und John Rose ihre Arbeiten an der JVM entgegen, die auf eine bessere Unterstützung anderer JVM-Sprachen abzielen (Stichwort: Invoke Dynamic).

Es handele sich dabei nicht um kleine Dekorationen im Java-Wohnzimmer, sondern gleiche eher einem Neuverlegen der Rohre tief im Keller der Java-Bytcode-Konstruktion. Zum ersten Mal in der Geschichte Javas habe man die JVM um Features erweitert, die über die Fähigkeiten der Java-Kernsprache hinausgingen:

For the first time in Java 7, we’re starting to see the Java Virtual Machine really chart its own course. Features are being added to the JVM that are beyond the capabilities of the core Java programing language……those new features will really go in different directions, to help those other language implementers. Alex Buckley

John Rose betonte, dass es sich hier um tiefgreifende Veränderungen handele, mit dem Ziel, historische Einseitigkeiten bei der JVM-Entwicklung, die ursprünglich ganz auf Java konzentriert war, aufzuheben und Java als Plattform für eine Vielzahl verschiedener Sprachen wie JRuby, Scala und Clojure ernst zu nehmen.

Starkes Gewicht hatten im Programm des Launch Events auch Community-Vertreter. So gab Ben Evans von der London Java Community seine Meinung kund, Java 7 stelle ein lang erwartetes Grundlagen-Release dar, das weitere, wichtige Veränderungen ermögliche.

Auch der zugeschaltete Bruno Souza von der brasilianischen Java User Group SouJava hob die hohe Erwartungshaltung seitens der Community hervor: „Wahrscheinlich ist Java 7 die am heißesten erwartete Java-Version aller Zeiten“. Für die weitere Zukunft Javas sei die Partizipation der verschiedenen Java User Groups wesentlich.

Bruno Souza, JUG-Leiter SouJava

Eine Ankündigung gab es schließlich via Video-Botschaft von Mike Milinkovich, seines Zeichens Exekutiv-Direktor der Eclipse Foundation. Rechtzeitig zum Erscheinungstermin von Java 7 am 28. Juli werde es auch ein spezielles Service Pack für die Eclipse-Entwicklungsumgebung geben, der alle neuen Java-7-Funktionen unterstützen soll.

Mike Milinkovich in seiner Video-Botschaft zum Java 7 Launch

Mit der Feier zur Einführung von Java 7 startet Oracle seinen „Summer of Java“, der mit der JavaOne, die in diesem Jahr vom 2. bis 6. Oktober stattfindet, seinen Höhepunkt erreichen soll. Bis dahin kann sich jeder Java-Begeisterte in den neuen Java-7-Features sonnen, die in Form des ersten Release-Kandidaten für das JDK 7 bereits jetzt zur Verfügung stehen.

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Hartmut Schlosser
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