Unsere Interview-Serie zu Jakarta EE: Michael Hofmann

Jakarta EE im Klartext: „Jakarta EE sollte die Zusammenarbeit mit der Cloud Native Computing Foundation intensivieren“

Dominik Mohilo, Gabriela Motroc

© Shutterstock / LuckyN (modifiziert)

Na, auch ein wenig den Anschluss in Sachen Jakarta EE verloren? Das macht nichts. In unserer Interview-Reihe sprechen Experten der Enterprise-Java-Szene Klartext darüber, was sich im Laufe der letzten Wochen und Monate verändert hat und in welche Richtung sich Jakarta EE entwickelt. Zentrales Thema ist dabei unter anderem, wie Jakarta EE zum neuen Zuhause für Cloud-native Java werden soll. Unser heutiger Gast ist Michael Hofmann, freiberuflicher Berater, Entwickler, Coach, Referent und Autor. Ab geht die Reise ins Jakarta-EE-Universum!

Es ist wahrlich kein leichtes Unterfangen, dieser Umzug der Java-EE-Technologie von Oracle zur Eclipse Foundation. Die Marke „Jakarta EE“ entwickelt sich prächtig und schnell. Zeit, für einen Moment innezuhalten und all die Pläne und Veränderungen Revue passieren zu lassen, um die Technologie fit für die neuen Herausforderungen in Sachen Cloud, Containern, Microservices, Serverless und reaktiver Programmierung zu machen.

Die Vision der technischen Zukunft von Jakarta EE beinhaltet Folgendes:

  • Eine verbesserte Unterstützung von Microservices-Architekturen.
  • Der Weg hin zu Cloud-native Java, was unter anderem die bessere Integration mit Technologien wie Docker und Kubernetes bedeutet.
  • Das Beschleunigen der Innovationsgeschwindigkeit.
  • Den Aufbau einer aktiven und engagierten Entwickler-Community.
  • Das Bereitstellen von produktionsreifen Referenzimplementierungen.

Immer auf dem Laufenden zu bleiben, was in Sachen Jakarta EE gerade in und was gerade out ist, bleibt ein kontinuierlicher Prozess. Mit Sicherheit können allerdings die bereits akzeptierten und in der Eclipse Foundation offiziell verorteten Projekte identifiziert werden. Unsere Liste von bereits angenommenen Projektvorschlägen hilft dabei, sich einen Überblick über den Status Quo zu verschaffen, aber das ist natürlich nur die Spitze des Eisbergs.

Welchen Herausforderungen sieht sich Jakarta EE derzeit gegenüber? Welche werden wohl in naher Zukunft aufkommen? Wohin geht die Reise überhaupt und wie wird die Zukunft von Enterprise Java aussehen? Mit unserer Interview-Serie wollen wir euch helfen, die aktuellen Entwicklungen im Blick zu behalten. Unsere Experten beleuchten die Hintergründe und klären darüber auf, wie es um die Zukunft der Technologie bestellt ist und wie man plant, Jakarta EE als neues Zuhause für Cloud-native Java zu etablieren.

Unsere Interview-Reihe: Jakarta EE im Klartext

In unserer Interview-Reihe sprechen Experten der Enterprise-Java-Szene Klartext darüber, was sich im Laufe der letzten Wochen und Monate verändert hat und in welche Richtung sich Jakarta EE entwickelt. Zentrales Thema ist dabei unter anderem, wie Jakarta EE zum neuen Zuhause für Cloud-native Java werden soll.

Ab geht die Reise ins Jakarta-EE-Universum mit unseren Experten!

Unser heutiger Experte ist der freiberufliche Berater, Entwickler, Coach, Referent und Autor Michael Hofmann. Ab geht die Reise ins Jakarta-EE-Universum!

JAXenter: Hallo, Michael! Glaubst du, es wäre eine gute Idee, Eclipse MicroProfile mit Jakarta EE zu verschmelzen?

Es wäre wohl besser, MicroProfile und Jakarta EE nicht zu vereinen.

Michael Hofmann: Die Community der MicroProfile-Spezifikation leistet hervorragende Arbeit dabei, die Kluft zu anderen Frameworks für die Cloud-Entwicklung zu schließen. Es gibt allerdings noch immer viel zu tun, um die ganzen Lücken zu schließen. Ich denke, dass die Kombination von Jakarta EE mit MicroProfile den Entwicklungsprozess von MicroProfile verlangsamen könnte. Es wäre daher wohl besser, die beiden Projekte nicht zu vereinen. Aber – und das ist für mich von essentieller Wichtigkeit – es sollte immer eine Art der Synchronisation zwischen MicroProfile und Jakarta EE bestehen. Es muss zudem klar sein, dass MicroProfile ein Teil von Jakarta EE ist, auch wenn das eigentlich bereits deutlich ist. MicroProfile hat zum Beispiel Version 2.0 der Spezifikation komplett der Synchronisation mit Java EE 8 gewidmet.

JAXenter: Der Pfad, den man mit Jakarta EE beschreiten möchte, wurde bereits klar definiert und nennt sich Cloud-native Java. Wie erreicht man dieses Ziel?

Michael Hofmann: Der Aufbruch von Jakarta EE in Richtung Cloud-native ist wichtig und richtig. Erreicht werden kann dies vor allem durch die Integration von MicroProfile, allerdings so, wie in meiner vorherigen Antwort beschrieben.

JAXenter: Wie kann Jakarta EE die Cloud-bezogenen Bedürfnisse der Nutzer befriedigen?

Michael Hofmann: Jakarta EE könnte die Zusammenarbeit mit der Cloud Native Computing Foundation (CNCF) intensivieren, wo generell Cloud-bezogene Anforderungen angegangen werden. Zunächst braucht man eine Infrastruktur, genau da könnte die CNCF ins Spiel kommen. Danach könnte man von Seiten Jakarta EE prüfen, wie man Entwicklern dabei behiflich sein kann, ihre Anwendungen auf diesen Systemen zum Laufen zu bringen.

JAXenter: Konzentrieren wir uns auf die Ergebnisse des Jakarta EE Surveys. Über 60 Prozent der Teilnehmer würden eine bessere Unterstützung von Microservices begrüßen. Wie würdest du dem nachkommen?

Michael Hofmann: Auch hierfür würde die Nutzung von MicroProfile das Problem lösen. Es fehlt eigentlich nur ein einziges Element: Service Registries. Würde man allerdings Istio auf eine Cloud-Infrastruktur aufsetzen, könnte man dieses Fehlen recht einfach kompensieren.

JAXenter: Die native Integration von Kubernetes ist ein weiterer wichtiger Faktor, wie die Umfrage gezeigt hat. Sollte dies für Jakarta EE eine Priorität darstellen?

Ich bin daher für eine Integration von Kubernetes und Istio in Jakarta EE bzw. MicroProfile.

Michael Hofmann: Kubernetes hat sich zur bevorzugten Plattform für Cloud-Systeme entwickelt. In Kombination mit Istio bekommt man zudem eine ganze Reihe nützlicher Funktionen für Cloud-native Systeme. Ich denke, es ist durchaus eine gute Idee, auf das System mit dem höchsten Marktanteil zu setzen – insbesondere, wenn dieses System Open Source ist und nicht von einem einzigen Anbieter zur Verfügung gestellt wird. Ich bin daher für eine Integration in Jakarta EE oder besser gesagt in MicroProfile.

JAXenter: Würdest du eine höhere Release-Kadenz (wie es nun bei Java der Fall ist) oder lieber größere und langsamere Releases bevorzugen?

Michael Hofmann: Das Problem mit großen Releases ist immer die mangelnde Geschwindigkeit, mit der sie verfügbar werden. In der schnelllebigen Welt der Cloud-Systeme können aber bahnbrechende Änderungen beinahe täglich passieren. Es ist also von entscheidender Wichtigkeit, kurzfristig auf diese Bewegungen und Veränderungen reagieren zu können. Es wäre also in meinen Augen besser, kürzere Release-Zyklen zu haben.

JAXenter: Wie planst du dich in den Entwicklungsprozess von Jakarta EE einzubringen? Gibt es irgendwelche Spezifikationen oder TCKs, die dich besonders interessieren?

Michael Hofmann: Ich bin sehr an MicroProfile interessiert und es gibt einige Specs, die ich mir gerne näher ansehen würde: Long Running Actions (LRA) – auch bekannt als Saga – und Service Mesh. Beide Spezifikationen sind für größere Microservices-Systeme notwendig.

JAXenter: Wie sollte die Community mit den Veränderungen umgehen, die in letzter Zeit stattgefunden haben?

Es wäre super, wenn die Umzugskisten möglichst schnell verräumt würden.

Michael Hofmann: Durch den Umzug von Java EE zur Eclipse Foundation gibt es sicherlich einige Themen, die neu zu regeln und zu organisieren sind. Es wäre super, wenn diese Umzugskisten möglichst schnell verräumt würden, damit man mit der Gestaltung der ersten Specs beginnen kann. Außerdem wäre es wichtig, möglichst rasch zu klären, welche Specs noch fehlen bzw. notwendig wären. Mir fällt da zum Beispiel MVC ein…

 
 
 
JAXenter: Vielen Dank für das Interview!

Michael Hofmann besitzt einen Abschluss als Diplom-Informatiker der TU München und einen Abschluss als Betriebswirt der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie (VWA) München. Er ist freiberuflich als Berater, Entwickler, Coach, Referent und Autor tätig. Seine langjährigen Projekterfahrungen in den Bereichen Softwarearchitektur, Java Enterprise und DevOps hat er im deutschen und internationalen Umfeld gesammelt. Seit 2015 ist er verstärkt im Bereich Microservices tätig und war 2016 Co-Autor des IBM RedBooks „Microservices Best Practices for Java“.
Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
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