Unsere Interview-Serie zu Jakarta EE: Josh Juneau

Jakarta EE im Klartext: „Die Plattform muss sich dynamischer entwickeln, als das bisher der Fall war“

Dominik Mohilo, Gabriela Motroc

© Shutterstock / LuckyN (modifiziert)

Na, auch ein wenig den Anschluss in Sachen Jakarta EE verloren? Das macht nichts. In unserer Interview-Reihe sprechen Experten der Enterprise-Java-Szene Klartext darüber, was sich im Laufe der letzten Wochen und Monate verändert hat und in welche Richtung sich Jakarta EE entwickelt. Zentrales Thema ist dabei unter anderem, wie Jakarta EE zum neuen Zuhause für Cloud-native Java werden soll. Unser heutiger Gast ist Josh Juneau, Entwickler, Datenbankadministrator und Java Champion. Ab geht die Reise ins Jakarta-EE-Universum!

Es ist wahrlich kein leichtes Unterfangen, dieser Umzug der Java-EE-Technologie von Oracle zur Eclipse Foundation. Die Marke „Jakarta EE“ entwickelt sich prächtig und schnell. Zeit, für einen Moment innezuhalten und all die Pläne und Veränderungen Revue passieren zu lassen, um die Technologie fit für die neuen Herausforderungen in Sachen Cloud, Containern, Microservices, Serverless und reaktiver Programmierung zu machen.

Die Vision der technischen Zukunft von Jakarta EE beinhaltet Folgendes:

  • Eine verbesserte Unterstützung von Microservices-Architekturen.
  • Der Weg hin zu Cloud-native Java, was unter anderem die bessere Integration mit Technologien wie Docker und Kubernetes bedeutet.
  • Das Beschleunigen der Innovationsgeschwindigkeit.
  • Den Aufbau einer aktiven und engagierten Entwickler-Community.
  • Das Bereitstellen von produktionsreifen Referenzimplementierungen.

Immer auf dem Laufenden zu bleiben, was in Sachen Jakarta EE gerade in und was gerade out ist, bleibt ein kontinuierlicher Prozess. Mit Sicherheit können allerdings die bereits akzeptierten und in der Eclipse Foundation offiziell verorteten Projekte identifiziert werden. Unsere Liste von bereits angenommenen Projektvorschlägen hilft dabei, sich einen Überblick über den Status Quo zu verschaffen, aber das ist natürlich nur die Spitze des Eisbergs.

Welchen Herausforderungen sieht sich Jakarta EE derzeit gegenüber? Welche werden wohl in naher Zukunft aufkommen? Wohin geht die Reise überhaupt und wie wird die Zukunft von Enterprise Java aussehen? Mit unserer Interview-Serie wollen wir euch helfen, die aktuellen Entwicklungen im Blick zu behalten. Unsere Experten beleuchten die Hintergründe und klären darüber auf, wie es um die Zukunft der Technologie bestellt ist und wie man plant, Jakarta EE als neues Zuhause für Cloud-native Java zu etablieren.

Unsere Interview-Reihe: Jakarta EE im Klartext

In unserer Interview-Reihe sprechen Experten der Enterprise-Java-Szene Klartext darüber, was sich im Laufe der letzten Wochen und Monate verändert hat und in welche Richtung sich Jakarta EE entwickelt. Zentrales Thema ist dabei unter anderem, wie Jakarta EE zum neuen Zuhause für Cloud-native Java werden soll.

Ab geht die Reise ins Jakarta-EE-Universum mit unseren Experten!

Unser heutiger Experte ist Java Champion Josh Juneau. Ab geht die Reise ins Jakarta-EE-Universum!

JAXenter: Hallo, Josh! Glaubst du, es wäre eine gute Idee, Eclipse MicroProfile mit Jakarta EE zu verschmelzen?

Eclipse MicroProfile sollte ein EE4J-Projekt werden, das eigenständig weiterentwickelt wird.

Josh Juneau: Meiner Meinung nach sollte MicroProfile als eigenständiges Projekt weiter vorangetrieben werden. Das Projekt ist ein Vorreiter mit seinen brandaktuellen Features für das Entwickeln von Microservices auf der Jakarta-EE-Plattform. Jakarta EE könnte möglicherweise gewisse Snapshots aus MicroProfile entnehmen und sie als Standardprofil für die Plattform nutzen, aber die Projekte sollten nicht gleichgeschaltet werden. Jedenfalls noch nicht.

Auf der anderen Seite wäre es sehr gut, wenn MicroProfile ein EE4J-Projekt werden würde, das eigenständig weiterentwickelt wird.

JAXenter: Der Pfad, den man mit Jakarta EE beschreiten möchte, wurde bereits klar definiert und nennt sich Cloud-native Java. Wie erreicht man dieses Ziel?

Josh Juneau: Das Ziel in Sachen Cloud-native wird durch die Entwicklung einer Plattform erreicht, die eine einfache Möglichkeit zur Entwicklung von Diensten und Anwendungen für Container und Cloud Services bietet. Obwohl nicht alle Jakarta-EE-Anwendungen auf das Deployment in der Cloud ausgerichtet sind, sollten Entwickler die Wahl haben, wohin über die Plattform entwickelte Anwendungen oder Services deployt werden können. Es sollten zudem keine besonderen Konfigurationen oder Überlegungen bezüglich der Entwicklung, je nach Art des Deployments, nötig sein.

Die Plattform sollte automatisch Container-agnostisch sein, sodass Anwendungen und Services portabler und damit Cloud-nativ werden.

JAXenter: Wie kann Jakarta EE die Cloud-bezogenen Bedürfnisse der Nutzer befriedigen?

Josh Juneau: Die Plattform muss sich dynamischer entwickeln, als das bisher der Fall war. Gemeint ist damit ein agiler Prozess für das Hinzufügen von neuen Technologien zur Plattform. Die niedrige Geschwindigkeit, mit der sich die Java-EE-Plattform entwickelt hat, sorgte dafür, dass die Java-EE-Plattform in Sachen Cloud den Anschluss verlor. Jakarta EE muss einen einfachen Weg bereitstellen, Container zu deployen, und es müssen zukünftig einfachere Wege für die Möglichkeiten für eine externe Konfiguration vorhanden sein. Gerade was die Konfigurationsmöglichkeiten angeht, leistet MicroProfile sehr gute Arbeit. Es wäre schön, wenn man sich für Jakarta EE da ein Beispiel dran nehmen würde.

JAXenter: Konzentrieren wir uns auf die Ergebnisse des Jakarta EE Surveys. Über 60 Prozent der Teilnehmer würden eine bessere Unterstützung von Microservices begrüßen. Wie würdest du dem nachkommen?

Die Plattform sollte automatisch Container-agnostisch sein, sodass Anwendungen und Services portabler und damit Cloud-nativ werden.

Josh Juneau: Es wäre große Klasse, ein CLI für das simple Erstellen von einfachen Microservices gäbe. Dieses darüber erstellte Microservices-Projekt würde alle benötigten Abhängigkeiten für einen leichtgewichtigen Service enthalten und dem Entwickler erlauben, bei Bedarf weitere Abhängigkeiten hinzuzufügen. Das Projekt würde in den Container der Wahl deploybar sein und gleichzeitig sehr wenig Konfiguration benötigen.

Für Jakarta EE muss zudem ein Standard-API für Health Checks spezifiziert werden, so wie sie auch bei MicroProfile oder dem Server von Payara zur Verfügung stehen. Der Fokus sollte darauf liegen, dass Entwickler möglichst leicht Services erstellen sowie deployen können, damit sie sich vollkommen auf die Geschäftslogik des Services konzentrieren können.

JAXenter: Die native Integration von Kubernetes ist ein weiterer wichtiger Faktor, wie die Umfrage gezeigt hat. Sollte dies für Jakarta EE eine Priorität darstellen?

Josh Juneau: Mit einer nativen Integration von Kubernetes in Jakarta EE würde es mit Sicherheit einfacher für Entwickler, Systeme in Container zu deployen und sie zu managen. Ich glaube allerdings fest daran, dass dies eine Opt-in-Option sein sollte, denn nicht jede Jakarta-EE-Anwendung wird diese Art der Integration benötigen. Möglicherweise könnte das in einem Zug mit dem oben erwähnten CLI implementiert werden.

JAXenter: Würdest du eine höhere Release-Kadenz (wie es nun bei Java der Fall ist) oder lieber größere und langsamere Releases bevorzugen?

Josh Juneau: Ich würde tatsächlich kleinere aber schnellere Releases bevorzugen. Für Unternehmen ist es sehr schwierig von einer Java-EE-Version auf die nächste umzustellen, weil der Umstieg auch immer mit sehr vielen signifikanten Veränderungen verbunden ist. Würde die Release-Kadenz von Jakarta EE nun aber beispielsweise der von Java SE folgen, würde ein Umstieg mit sehr viel weniger Aufwand verbunden sein. Kunden und Anwendungen könnten so schneller auf neue Versionen von Jakarta EE umsteigen und von den neuen Funktionen profitieren.

Natürlich hat die Medaille auch eine Kehrseite. Unternehmen, die mit Absicht nicht so oft auf eine neue Version umsteigen, würden dann noch schneller den Anschluss verlieren. Eine schnellere Release-Kadenz ist also so etwas wie ein zweischneidiges Schwert. Aber ich glaube schon, dass kleinere und schnellere Releases die Argumente auf ihrer Seite haben.

Unternehmen, die mit Absicht nicht so oft auf eine neue Version umsteigen, würden bei schnelleren Releases noch rapider den Anschluss verlieren.

JAXenter: Wie planst du dich in den Entwicklungsprozess von Jakarta EE einzubringen? Gibt es irgendwelche Spezifikationen oder TCKs, die dich besonders interessieren?

Josh Juneau: Ich möchte mindestens im Mojarra-Projekt weiterhin als Committer mitwirken. Auch in der generellen Entscheidungsfindung via Mailing-Liste würde ich mich gerne beteiligen und dabei helfen, die Plattform als Community Member in die richtige Richtung zu lenken. Vielleicht wäre es auch möglich, Member bei unterschiedlichen Jakarta-EE-Spezifikationen zu werden. Zudem plane ich natürlich, Dokumentationen und Beispiele beizutragen und die Plattform zu promoten, damit die Community wachsen kann.

JAXenter: Wie sollte die Community mit den Veränderungen umgehen, die in letzter Zeit stattgefunden haben?

Josh Juneau: Die Community sollte die neue Situation annehmen und begrüßen, da sie nun die Kontrolle über die Plattform innehat und die Richtung der Entwicklung bestimmen kann. Vor nicht allzu langer Zeit hing die Community noch komplett in der Luft, wenn es um die Zukunft der Java-EE-Plattform ging. Da konnte man nichts machen, außer eben seine Meinung zum Besten geben.

Jetzt kann sich jeder schnell und einfach an der Entwicklung beteiligen. Dazu genügt es, sich auf den Mailing-Listen einzutragen und dem EE4J-Projekt beizutreten, indem man Mitglied der Eclipse Foundation wird – ein Schritt, der sehr einfach zu vollziehen ist. Die Plattform ist nun frei, sich in jedwede Richtung zu entwickeln, die die Community sich vorstellt, die Community muss sich nur reinhängen.

JAXenter: Vielen Dank für das Interview!

Josh Juneau is an application developer, database administrator, technical writer, and Java evangelist. He is a Java Champion and focuses on Java EE / Jakarta EE. Follow him on Twitter: @javajuneau
 
 
Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
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