Was das IoT (noch) nicht ist

Internet of Things: Viele Dinge ohne Netz und Nutzen?

Moritz Hoffmann

(c) Shutterstock.com / Michael R. Ross

Ob SmartHomes, Wearables, Connected Cars oder die neuesten Entwicklungen der Industrie 4.0, das Internet der Dinge steht heute für eine Vielzahl an innovativen Lösungen in einer zunehmend vernetzten Welt. Dabei ist es gar nicht so leicht, den Überblick zu bewahren. Was ist Hype und was hat ein ganz reales Potential, um das Leben der Menschen einfacher und besser zu machen?

Mit dieser Frage hat sich zuletzt der Freelancer John Mueller beschäftigt. Schon vor längerem hatte er einen Vorschlag unterbreitet, wie das Internet of Things verstanden werden muss, so dass die damit verbundenen Visionen und Träume auch verwirklicht werden können. Hier war noch von Roboter-Freunden und Brain-Computer-Interfaces (BCI) die Rede gewesen, die in Zukunft nicht nur Telefone überflüssig machen könnten.

Solcherlei scheint immer noch in weiter Ferne zu sein, damit aber auch der visionäre Charakter des IoT selbst. Vielmehr, so stellt Mueller in einem weiteren Beitrag fest, hat sich mittlerweile eine gewisse IoT-Realität durchgesetzt, mit der auch ein Mentalitätswandel einhergehe. Das Internet der Dinge sei dem Traum-Stadium entwachsen und herangereift zu einem ganz realen Raum, in dem Entwickler wirklich aktiv werden können.

Don’t believe the Hype (-Products)

Mehr denn je müsse heute deshalb unterschieden werden, welche Produkte nach wie vor auf den allgemeinen Hype setzen und welche einen wirklichen Nutzen bringen. Der EggMinder, der uns jederzeit darüber Bericht erstattet, wie viele Eier noch im Kühlschrank sind, gehört nach Muellers Meinung ebenso wenig dazu wie Amazons Dash Button:

While some people were drooling over the device, some industry pundits saw it for what it was—ludicrous.

Was aber wäre wirklich nützlich? An welchem IoT-Projekt sollten sich interessierte Entwickler beteiligen? Und vor allem: Was hemmt die Entfaltung des Potentiale einer verschalteten Welt der Dinge so sehr? Für Mueller ist das Hauptproblem schnell ausgemacht:

The IoT isn’t an actual networking solution today. In fact, like most new technologies, the IoT suffers from a serious amount of proprietary solutions.

Welcome to the (Vendor-)Jungle

Gerade also der Netzwerk-Charakter stehe in Zweifel, wenn die meisten Anbieter nur markengeschützte Produkte auf den Markt bringen. Besonders problematisch wird das bei den Hubs, den Schaltstellen für das IoT. Ist für jedes Produkt ein eigener Hub nötig, rückt eine Welt in weite Ferne, in der viele verschiedene Dinge und Technologien miteinander vernetzt werden können.

Mueller empfiehlt Entwicklern, sich an Lösungen zu beteiligen, die den „Hub Mess“ einfach umgehen. Damit zusammenhängend rät er von Produkten ab, die kostenintensive Abonnements für den Zugang zu vernetzten Devices nötig machen. Ebenso kritisch sieht er sogenannte Headless Devices:

What this means is that you actually need another device to control the device you wanted to interact with in the first place. You shouldn’t need a smartphone to control the temperature of a building.

Als weiteres Problem im Vendor-Dschungel nennt er die unterschiedlichen Protokolle. Ob Bluetooth, ZigBee oder andere Lösungen, ein wirkliches Netz ist damit nicht zu machen. Der Schlüssel zu einem funktionsfähigen Internet of Things ist die allgemeine Konnektivität. Ansätze zur Standardisierung seien ebenso erkennbar wie Plug-and-Play-Devices, ob diese sich aber durchsetzen werden, ist bis heute nicht abzusehen.

What IoT could be

Vorerst hat er für Entwickler nur einen Ratschlag:

What you need to look at is one IoT device connected to a single application. When possible, try to get all your devices from a single vendor who also provides an API so you can create applications to interact with the devices as needed.

Die großen Probleme des Internet of Things, die Sicherheit und die vielfältigen, inkompatiblen Lösungen einer neuen Industrie werden nach Muellers realistischer Einschätzung bis auf Weiteres bestehen bleiben. Es ist wohl an den Entwicklern, das zu ändern, wenn in den Geschichtsbüchern vom Internet of Things mehr zurückbleiben soll als die Erfindung des EggMinders.

Aufmacherbild: Business Term with Climbing Chart / Graph – Internet Of Things von Shutterstock.com
Urheberrecht: Michael R. Ross

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Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann hat an der Goethe Universität Soziologie sowie Buch- und Medienpraxis studiert. Er lebt seit acht Jahren in Frankfurt am Main und arbeitet in der Redaktion von Software und Support Media.
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