Außerdem: Intels Drohnentanz

Inside IoT: IoT ist nur Hype, Project Flogo & Schwangerschaftstest mit Raspberry Pi

Mascha Schnellbacher

© Shutterstock/Pikul Noorod

Die Highlights aus dem IoT-Universum. In dieser Woche geht es um die Frage, ob das Internet of Things vielleicht doch mehr Schein als Sein ist, wir stellen Ihnen Project Flogo vor und haben Neues aus dem Bereich Connected Car für Sie. Außerdem zeigen wir Ihnen den Drohnentanz von Intel und einen Schwangerschaftstest, der via Raspberry Pi das Ergebnis mitteilt.

Auch in dieser Woche gibt es wieder spannende Entwicklungen im Internet of Things zu beobachten. Die wichtigsten News und Stories sind hier zusammengefasst.

IoT: Doch mehr Schein als Sein?

Man hört es immer wieder: Das Internet of Things befindet sich in seiner heißen Phase. Besonders Gartner ist schnell mit dabei, wenn es darum geht, das IoT als „the next big thing“ zu bezeichnen. So sollen 2020 rund 50 Milliarden Geräte mit dem Internet verbunden sein, was unsere Gesellschaft tiefgreifend verändern würde. Einen ganz anderen Ton schlägt da das Marktforschungsunternehmen IDTechEx an: Das Konzept IoT sei bloßer Hype, da Deployments in der Praxis sowie Investitionen in diesem Bereich bislang lediglich einen Bruchteil dessen ausmachen, was Experten vorhersagen.

Die Studie „Internet of Things (IoT) 2017-2027“ kommt zu dem Ergebnis, dass Firmen zwar jährlich Milliarden von Dollar für IoT ausgeben, dennoch keinesfalls bis 2020 mit einer Zahl von 50 Milliarden Geräten zu rechnen sei:

Our forecasts do not repeat the mantra about tens of billions of nodes being deployed in only a few years.

Vielmehr ignorierten die meisten Analysten gerne die Tatsache, dass 2016 nur sehr wenige IoT-Projekte umgesetzt wurden. Mit ihren Aussagen würden sie stattdessen „bubble pushing“ betreiben und immer mehr unrealistische Hoffnungen generieren. IDTechEx verbreitet eine wesentlich moderatere Schätzung: Demnach sollen 2020 gerade etwas über eine Milliarde IoT-Devices in Betrieb sein.

Dennoch sei mit dem Internet of Things sehr wohl Geld zu machen: Obwohl der Markt noch im Entstehen begriffen und nur rund eine Milliarde Dollar wert sei, werde dieser 2018 knapp 73 Milliarden Dollar schwer sein – für 2027 wird sogar ein Marktwert von 322 Milliarden Dollar prognostiziert. Das höchste Potenzial sieht IDTechEx im Smart-Home/City-Bereich und in der Landwirtschaft.

Project Flogo: IoT-Integration-Framework auf Golang-Basis

Im Oktober tauchte ein neues Open Source IoT-Integration-Framework in der Developer Preview auf: Project Flogo. Dabei handelt es sich um ein extrem leichtgewichtiges Integration-Framework (etwa 20x kleiner als Node.js), das auf der Programmiersprache Go basiert. Ziel ist die Entwicklung von IoT-Edge-Apps und Cloud-native bzw. serverless Microservices. Aus diesem Grund kann Flogo in Ergänzung zu anderen Integrationslösungen und IoT-Cloud-Plattformen eingesetzt werden.

Neben den genannten Vorteilen ist Flogo Cross-Plattform-kompatibel und kann mit verschiedenen IoT-Technologien wie MQTT, CoaP und REST genutzt werden. Zudem ist das Framework gut für unzuverlässige IoT-Umgebungen geeignet und kann entweder durch das Schreiben von eigenem Quellcode oder durch die Nutzung des Web-UI verwendet werden. Einen Überblick über die Features, Architektur und mögliche Use Cases von Flogo bietet folgendes Video:

Connected Car: VW fährt teilautomatisiert & Samsung kauft Harman

Mobilität 4.0 ist noch immer ein heißes Thema und immer mehr Player wollen auf diesem Markt mitmischen, so auch Volkswagen. Der deutsche Autobauer hat mit dem Golf VII ein Modell vorgestellt, das neben zahlreichen Assistenzsystemen auch über die Möglichkeit verfügt, teilautomatisiert zu fahren. So kann der Stauassistent bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h das Auto selbstständig fahren, lediglich die Hände müssen am Lenkrad bleiben. Dafür werden der Spurhalteassistent und die automatische Distanzregelung genutzt. Um zu verhindern, dass einem ein Fußgänger vors Auto springt, gibt es das System Front Assist, das notfalls bremsen kann. Des Weiteren ist der sogenannte Emergency Assist vorgesehen, der erkennt, wenn der Fahrer eingeschlafen oder bewusstlos ist. Wird das Fahrzeug weder gelenkt, gebremst noch beschleunigt, fährt er das Auto an die Seite.

Fußgänger-Erkennung im Golf VII, Quelle: https://volkswagen-presskit.com/de/start/automated-driving

Fußgänger-Erkennung im Golf VII, Quelle: https://volkswagen-presskit.com/de/start/automated-driving

Auch Samsung hat mit der Übernahme von Harman für acht Milliarden Dollar einen weiteren Schritt in Richtung Connected Car gemacht: Technologien von Harman, etwa für Audio, Infotainment, Telematik und Fahrzeugvernetzung, sind in über 30 Millionen Fahrzeugen verbaut, wodurch Samsung selbst zu einem wichtigen Anbieter von Technologien für Connected Cars wird. Zudem kann das Unternehmen auch auf den bestehenden Kundenstamm von Harman zurückgreifen, dazu zählen Automobilhersteller wie Audi, BMW, Mercedes, Fiat, Skoda und Toyota. Gemeinsam mit der im letzten Jahr gegründeten Samsung-Abteilung Automotive Electronics soll das Harman-Team neue Strategien für den IoT-Markt entwickeln. Young Sohn, Präsident und CSO Samsung Electronics, hält die Übernahme naturgemäß für extrem sinnvoll:

The vehicle of tomorrow will be transformed by smart technology and connectivity in the same way that simple feature phones have become sophisticated smart devices over the past decade.

Hoffen wir nur, dass die Fahrzeuge alle feuerfest sind 😉

Drohnentanz von Intel

Intel hat mal wieder ganze Arbeit geleistet und einen neuen Weltrekord aufgestellt: Ein Schwarm von 500 einzelnen Drohnen wurde in die Luft geschickt, wo er einen Tanz vollführt. Das zugehörige Video zeigt, wie sich die einzelnen Drohnen koordinieren lassen und welche Möglichkeiten damit für Künstler, Veranstalter und Unternehmen geschaffen werden.

Internet of Shit: Schwangerschaftstest mit Raspberry Pi

„The project idea came from this tongue-in-cheek Twitter post. But hey, why not try to make one? I read somewhere that the world needs more ridiculous smart devices“ – das sind die Worte von Eric Tsai, einem Maker von Connected Devices und Home-Automation-Lösungen. Auf welche Idee Eric gekommen ist? Er hat einen IoT-Schwangerschaftstest entwickelt. Dieser eigentlich ironisch gemeinte Tweet ging dem Projekt voran:

Aus Spaß entwickelte Tsai dann tatsächlich einen Schwangerschaftstest, der über Bluetooth die Daten an einen Raspberry Pi sendet. Dieser wiederum schickt dann eine Nachricht mit dem Testergebnis an Twitter und an alle Kontakte mit dem Namen „Mom“. Die komplette Anleitung findet sich auf hackster.io; das Projekt trägt übrigens den passenden Namen „Too Much IoT“.

Geschrieben von
Mascha Schnellbacher
Mascha Schnellbacher
Mascha Schnellbacher studierte Buchwissenschaft und Deutsche Philologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit Juni 2015 arbeitet sie als Redakteurin in der Redaktion des Entwickler Magazins bei Software & Support Media. Zuvor war sie als Lektorin in einem Verlag sowie als freie Editorin tätig.
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