Interview mit Paul Webster vom Platform-UI-Team bei Eclipse

'Immer mehr Anwendungen basieren auf Eclipse 4'

Redaktion JAXenter
Bild: Moonrise Theme, Eclipse Marketplace

Paul Webster ist Softwareentwickler bei IBM Rational und seit Mai 2005 Mitglied des Platform-UI-Teams bei Eclipse. Kurz vor dem Luna-Release zog er für uns Bilanz über das vergangene Jahr: die Nachwehen der Migration von Eclipse 3 auf Eclipse 4, die Performanceprobleme nach dem „Juno“-Release und neu eingeführte UI-Elemente wie Split Editors und das Dark Theme. Auch einen Ausblick auf das nächste Eclipse-Release („Mars“) hat er uns gegeben.

JAXenter: Als das Eclipse-Platform-Team vor zwei Jahren gerade den Übergang vom Eclipse 3.x Stream auf 4.x vollzogen hatte, haben wir uns schon einmal unterhalten. Damals sagtest du, dass eines der Hauptziele von 4.x Stream darin bestünde, die Plug-in-Entwicklung bei der Interaktion mit den Platform Workbench Services zu vereinfachen. Wenn du zurückblickst: Wurde dieses Ziel – die Vereinfachung der Plug-in-Entwicklung – erreicht?

Paul Webster: Ganz geschafft haben wir es noch nicht, aber ich glaube, in zwei Bereichen haben wir durchaus gute Fortschritte erzielt. Zum einen basieren immer mehr neue Anwendungen auf Eclipse 4. Dem Feedback nach zu urteilen mögen Anwender vor allem das modellierte User Interface und die Dependency Injection (die Vereinfachung, auf die wir gehofft hatten), und wir haben einen guten Teil der Kerninfrastruktur als API veröffentlicht. Auf Seiten von Eclipse 4 fehlt vor allem noch der Zugang zur vollen Palette an Workbench Services. Deren Auskopplung aus der 3.x Workbench ist im Gange; zurzeit arbeitet das Team an der Auskopplung der Progress View und deren Verfügbarmachung für Eclipse-4-Anwendungen.

Auf der anderen Seite arbeiten wir an der vollständigen Integration von Eclipse-4-Views in 3.x-RCP-Anwendungen; erreichen wollen wir das durch das Hinzufügen von 3.x. Extensions, die Eclipse-3-Technologie referenzieren können. Aber hier wartet noch eine Menge Arbeit auf uns.

Paul WebsterPaul Webster erwarb einen B.A.Sc. in Technischer Informatik an der University of Waterloo. Nachdem er sich mehrere Jahre mit Konfigurationssoftware für Telefonie und Netzwerke beschäftigt hatte, kam er im Mai 2005 zum Eclipse-Platform-UI-Team. Er ist bei IBM Rational Software tätig und arbeitet außerdem am Eclipse-4-Framework mit. Er programmiert gern in Java, C, C++ und Clojure.

JAXenter: Einige Entwickler von RCP-Anwendungen verwenden immer noch Eclipse-3.x-Views wie die Project Explorer oder die Properties View für Eclipse-4-RCP-Anwendungen. Ist dieser „mixed mode“ mit Eclipse 4.4 noch immer notwendig?

Webster: Ja, die Auskopplung der 3.x-Views aus der Workbench ist noch nicht abgeschlossen.

JAXenter: Die Verbesserung der Performance war damals auch ein großes Thema. Wie sieht es damit aus? Habt ihr es geschafft, alle Regressionen zu beheben oder wartet dort ebenfalls noch Arbeit auf euch?

Webster: Tatsächlich konnten wir uns um fast alle Performanceprobleme kümmern, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von Juno ein Thema waren. Allerdings glauben wir, dass wir immer noch einiges verbessern können, weshalb wir auch weiterhin an der Performance feilen werden.

Tatsächlich konnten wir uns um fast alle Performanceprobleme kümmern, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von Juno ein Thema waren.

JAXenter: Was sind deine persönlichen UI-Highlights in Eclipse 4.4?

Webster: Ich persönlich finde, die zwei interessantesten Änderungen in Luna sind die Split Editors und das Dark Theme. Die Split Editors mag ich wirklich sehr; sie waren ein lange gehegter Wunsch der Community, den wir dank der neuen Eclipse-4-Technologien (modelliertes UI und DI) nun endlich erfüllen konnten. Das Dark Theme ist aufgrund der CSS-Erweiterungen interessant, die es den Anbietern von Editoren möglich machen, Änderungen der Farbe oder der Schriftarten anzubieten, ohne selbst Codeänderungen vornehmen zu müssen. Außerdem steuerte Tony McCrary einen großen Teil der PNG-Icons bei, die die GIF-Icons des SDK ersetzen sollen. Das hat den Look des Dark Theme wirklich aufpoliert.

JAXenter: Wie sieht es mit der Abwärtskompatibilität des Workspace aus?

Webster: Luna wird den Workspace wie gehabt aktualisieren. Die Workspaces von Kepler und Juno sollten problemlos funktionieren. Alle Dateien und Dateizustände von Indigo-basierten Workspaces sollten reibungslos aktualisiert werden. Allerdings gehen beim Umstieg von Indigo auf Luna – wie bisher auch – alle vorgenommenen Anpassungen von Perspektiven verloren.

JAXenter: Habt ihr zurzeit genug Committer beim Eclipse-Platfom-Projekt, oder braucht ihr noch Hilfe, um alle anstehenden Aufgaben zu erledigen?

Webster: Zusätzliche Hilfe ist immer willkommen. Wir haben ein gutes Kernteam, sowohl innerhalb als auch außerhalb von IBM. Doch die Platform Workbench ist gewaltig; wenn sich die Entwickler um die Workbench-Komponenten, die ihnen am Herzen liegen und auf die sie angewiesen sind, kümmern und sie verbessern, dann verbessern sie die Plattform für alle Anwender. Deshalb war es uns schon bei den zwei letzten Releases so wichtig, zugänglicher für Patches zu sein und mehr Mitarbeiter ins Boot zu holen. Ich glaube, es war den Aufwand wert.

JAXenter: Irgendwelche Pläne für das nächste Release (Eclipse Mars), von denen du uns erzählen möchtest?

Webster: Wir werden demnächst mit der Planung von Mars beginnen. Wir werden weiterhin an Verbesserungen von Eclipse 4 arbeiten. Darunter fallen z. B. die Verbesserung des CSS-Supports, die vollständige Auskopplung einiger Services wie der Progress View, sowie besserer Support bei 3.x-RCP-Anwendungen für reine Eclipse-4-Views. Wir werden uns außerdem auf die Verbesserung der Stabilität und Performance konzentrieren. Konkreteres kann ich zurzeit allerdings nicht sagen. 

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