Ich bin kein Programmierer! Ich bin ein Entwickler

Judith Lungstraß

Die Berufsbezeichnungen „Programmierer“ und „Entwickler“ werden oft synonym gebraucht, geht es doch bei beiden Tätigkeiten zu einem nicht unwesentlichen Teil um das Schreiben von Code. Allerdings gibt es zwischen Entwicklern und Programmierern einen kleinen, aber dennoch sehr feinen Unterschied, den man nicht außer Acht lassen sollte. Das zumindest findet Anthony Ferrara, ein IT-Blogger, der sich selbst als Entwickler und Softwarearchitekt bezeichnet.

Seiner Meinung nach bezeichnen die Ausprägungen Programmier und Entwickler zwei verschiedene Stufen eines Prozesses, den er anhand einer Analogie zu erklären versucht. Stellen wir uns einmal vor, man möchte ein Buch zu einem bestimmten Thema veröffentlichen. Man könnte ein bestehendes Werk nehmen und es von Google Translate übersetzen lassen. Als Ergebnis hätte man ein grammatikalisch weitgehend richtiges Ergebnis, dessen Bedeutung, Nebenbedeutungen und mögliche Interpretationen im schlimmsten Falle aber vollkommen am ursprünglichen Werk vorbei gehen. Beauftragt man stattdessen einen menschlichen Übersetzer, überträgt dieser auch den Kontext des Werkes und versieht es mit seiner eigenen Interpretation. Dennoch bleibt das Ergebnis das Werk eines anderen und nicht sein eigenes. Ein Autor hingegen schafft seine eigene Welt voller eigener Gedanken und Ideen, er ist keinem anderen verpflichtet und tut das, was für sein Werk am besten ist.

Anschließend überträgt Ferrara diese Analogie auf die Welt der Softwareentwicklung. Google Translate entspricht dem Compiler, der Code aus einer Sprache nimmt und ihn in eine andere, zumeist die Maschinensprache, überträgt. Der Compiler übersetzt nicht die Bedeutung und Funktion des Codes, sondern lediglich seine grammatikalischen und syntaktischen Strukturen.

Den Programmierer hingegen könnte man als Äquivalent des Übersetzers sehen. Er nimmt Informationen, wie beispielsweise Anforderungen, Spezifikation oder die gewünschte Architektur, auf und übersetzt sie in eine Sprache, die der Computer versteht. Diese Aufgabe sollte man keineswegs abwerten, benötigt doch auch der Programmierer ein breites Wissen, um seine charakteristische Aufgabe überhaupt erst bewältigen zu können. Aber trotzdem hat seine Tätigkeit viel mehr mit Verständnis denn mit Kreativität zu tun. Ferrara bezeichnet den Programmierer deshalb auch als „Code Monkey“.

Und dann gibt es da noch den Entwickler, wahlweise auch Softwaredesigner, Softwarearchitekt oder ähnlich. Seine Aufgabe ist es nicht, lediglich Spezifikationen in Software zu übersetzen. Nein, er entwickelt Lösungen aus Unternehmensanforderungen heraus, bringt seine eigenen Ideen ein und ist dabei so kreativ wie er nur kann. Oftmals zieht seine Aufgabe das Schreiben von Code nach sich, doch manchmal empfiehlt er auch nur ein bereits existierendes Tool oder schreibt eine Spezifikation, die anschließend von Programmieren umgesetzt wird. Er ist ein Problemlöser und genau darin liegt auch sein Wert für das Unternehmen.

So weit die Ausführungen Ferraras. Doch betrachten wir diese einmal kritisch. Ist nicht seine Definition der Berufsfelder Programmierer und Entwickler vollkommen willkürlich gewählt und deshalb sogar austauschbar, wie ein anonymer Kommentator anmerkt? Könnte man vielleicht sagen „Ich bin kein Entwickler! Ich bin ein Programmierer“ und damit genau dasselbe meinen? Oder kommt es gar nicht so sehr auf die Definitionen an sich an, sondern vielmehr auf die dahintersteckenden Ideen? Auf die Tatsache, dass manche Entwickler, Programmierer, wie auch immer, eben einfach nur Code schreiben, andere wiederum eigene Ideen einbringen und versuchen, Lösungen für bestimmte Probleme zu ermitteln?

Was sagen Sie zum Abgrenzungsversuch Ferraras – sehen Sie sich eher als Entwickler oder als Programmierer? Oder ist ihnen vielleicht auch vollkommen egal, als was man Sie bezeichnet, Hauptsache Sie finden Erfüllung und Anerkennung in Ihrem täglichen Geschäft?

Geschrieben von
Judith Lungstraß
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