Interview mit Dominik Obermaier

HiveMQ wird Open Source: „Wir möchten der Java Community etwas zurückgeben“

Dominik Mohilo

Dominik Obermaier

Gerade wurde bekannt gegeben, dass der MQTT Message Broker, HiveMQ, zukünftig Open Source und unter Apache-Lizenz verfügbar sein wird. Ein Ereignis, das viele Java-Entwickler freuen wird. Wir sprachen mit Dominik Obermaier, technischer Geschäftsführer der HiveMQ / dc-square GmbH, über diesen Schritt, die technischen Aspekte von HiveMQ und die Zukunft des Projekts.

JAXenter: Hallo Dominik und danke, dass du dir die Zeit genommen hast. HiveMQ, ein Message Broker für MQTT 3.x und MQTT 5, ist nun Open Source (unter dem Namen HiveMQ Community Edition). Kannst du vielleicht kurz umreißen, welche Funktion HiveMQ genau in einer Anwendung einnimmt?

Dominik Obermaier: Die HiveMQ Community Edition ist eine serverseitige Implementierung des MQTT-Standards, ein sogenannter MQTT Message Broker. Bei Internet-of-Things-Anwendungen ist der MQTT Message Broker das Herzstück jeglicher Kommunikation von verschiedensten (Hardware-)Geräten, mobilen Apps, Serveranwendungen und Microservices. Mittels MQTT können all diese Sensoren, Aktoren und Applikationen Nachrichten und Daten austauschen, ohne dabei die Kommunikationsteilnehmer selbst zu kennen, da der MQTT Message Broker für die Verteilung der Daten zuständig ist. Das ermöglicht hochgradig entkoppelte und somit erweiterbare und wartbare Anwendungen. Das ist für IoT Use Cases besonders wichtig, da häufig ein Software Update für physische Geräte im Feld nur schwer möglich ist.

JAXenter: Nicht nur HiveMQ wurde Open Source, auch der HiveMQ MQTT Client ist ab sofort quelloffen verfügbar. Was können User damit anstellen?

Wir möchten, dass es allen Entwicklern möglich ist, hochwertige MQTT-Implementierungen zu benutzen.

Dominik Obermaier: Mit der HiveMQ Community Edition ist es Nutzern möglich, einen kostenlosen MQTT Broker zu benutzen, der seit Jahren in vielen der größten Internet-of-Things-Anwendungen der Welt verwendet wird. Der MQTT Broker implementiert 100% aller MQTT Features, inklusive aller optionalen Features. Ein offenes, Java-basiertes Extension-System ermöglicht das Entwickeln eigener Erweiterungen, um den Broker direkt an Drittsysteme anzubinden, beispielsweise um Daten direkt in eine Datenbank zu schreiben oder projektspezifische Zugriffskontrollen zu implementieren.

Die HiveMQ Community Edition ist also ein vollwertiger Broker, der bereits seit Jahren in missionskritischen Anwendungen gehärtet wurde und extrem gut skaliert. Hunderttausende MQTT Clients können auf Commodity Hardware tausende von Nachrichten austauschen bei niedrigem CPU- und Memory Verbrauch.

JAXenter: Neben der Community Edition gibt es auch weiterhin eine kommerzielle Enterprise Edition. Wo liegt der Unterschied?

Dominik Obermaier: Die HiveMQ CE ist das MQTT-Kernstück der kommerziellen HiveMQ Connectivity and Messaging Platform. Es gibt keine Einschränkungen in der Nutzung und ist perfekt geeignet für die private Nutzung (z.B. für die Heimautomatisierung), die Verwendung in PoCs oder auch in Produktion, falls kein professioneller Support benötigt wird.

Die kommerzielle Variante ist für Anwendungsfälle ausgelegt, die bei Kunden missionskritisch sind und daher hohe Anforderungen an Sicherheit, Hochverfügbarkeit und Monitoring bzw. Observability haben. Es gibt unter anderem ein webbasiertes Control Center und eine lineare Skalierung ist mittels Clustering möglich. Eine Übersicht aller Unterschiede ist auf unserer Homepage zu finden.

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JAXenter: Ein erfolgreiches kommerzielles Produkt Open Source zur Verfügung zu stellen, ist dieser Tage nicht ungewöhnlich. Dennoch vielleicht die Frage: Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Dominik Obermaier: MQTT hat sich über die Jahre zum populärsten Internet-of-Things-Protokoll entwickelt. Wir selbst haben auch in der Vergangenheit aktiv an Open-Source-Projekten gearbeitet. Nachdem HiveMQ kommerziell ein wahnsinniger Erfolg wurde (wir wurden u.a. von Deloitte als eines der am schnellsten wachsenden deutschen Unternehmen ausgezeichnet) und mehr als 120 Kunden, darunter viele Fortune 500 Unternehmen, in Produktion begleitet haben, möchten wir der Java Community etwas zurückgeben.

HiveMQ sorgt für eine größere Vielfalt im IoT-Ökosystem.

Deshalb haben wir zusammen mit der BMW Car IT begonnen, eine eigene Java-MQTT-Client-Bibliothek zu entwickeln, die unter der Apache-2.0-Lizenz verfügbar ist. Es war nur ein logischer Schritt, auch den Kern unseres kommerziellen Produktes Open Source zu veröffentlichen, da wir bereits seit Langem das Feedback aus der Community bekommen, das ein hochwertiger, Java-basierter MQTT Broker eine Lücke für viele Projekte schließen wird.

JAXenter: Welche Ziele verfolgt ihr für diese Projekte mit diesem Wandel hin zu Open Source (technologisch betrachtet)?

Dominik Obermaier: Wir investieren sehr stark in Open Source und beide Open-Source-Projekte werden aktiv von unseren Mitarbeitern gepflegt und weiterentwickelt. Dabei sind uns 3 Dinge besonders wichtig:

  1. Wir möchten, dass es allen Entwicklern möglich ist, hochwertige MQTT-Implementierungen zu benutzen. IoT-Anwendungen sind fast immer produktionskritisch, deshalb ist es uns wichtig, professionelle Open-Source-Software zur Verfügung zu stellen.
  2. Wir wollen das Ökosystem um MQTT stärken. Aktuell gibt es nur sehr wenig Alternativen im Open-Source-Bereich, sowohl für Broker als auch Clients. Eclipse Paho und Eclipse Mosquitto sind aktuell die am häufigsten verwendete Software in diesem Bereich und HiveMQ stellt nun eine Alternative dar, was eine größere Vielfalt im Ökosystem ergibt.
  3. Natürlich werden alle Weiterentwicklungen im Open-Source-Bereich auch zurück in das kommerzielle Produkt fließen, wodurch Innovationen für unsere Kunden noch schneller möglich sind.

JAXenter: MQTT entwickelt sich mehr und mehr zum de facto Standard für die Machine-to-Machine-Kommunikation (M2M), MQTT 5 ist gerade erschienen. Welche Neuerungen werden dort gerade entwickelt?

Dominik Obermaier: Sowohl die HiveMQ-Client-Bibliothek als auch die HiveMQ CE unterstützen MQTT 5 zu 100%. Es gibt sehr viele Verbesserungen und neue Features. Diese können unter anderem in meinem JAXenter Artikel nachgelesen werden oder sind auf der Webseite von MQTT 5 einsehbar.

JAXenter: Vielen Dank für das Interview!

Dominik Obermaier ist technischer Geschäftsführer bei der HiveMQ / dc-square GmbH. Seine Interessenschwerpunkte sind MQTT, IoT-Protokolle und hochskalierbare Software für die JVM. Er ist regelmäßiger Sprecher auf Java- und IoT-Konferenzen und entwickelte den IoT-Standard MQTT 3.1.1 und MQTT 5 bei OASIS mit.
Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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