Das Handmade Manifesto sucht nach Unterstützern

Das Handmade Manifesto – Eine neue Bewegung für schnellere Software?

Moritz Hoffmann

(c) Shutterstock / chrisdorney

Software ist heute nicht so schnell, wie sie sein könnte. Diese Feststellung war Anlass für drei Programmierer, im kürzlich veröffentlichten Handmade Manifesto für eine neue Haltung gegenüber der Hardware-Tauglichkeit des geschriebenen Codes zu plädieren. Was sind die Ziele ihres Projekts? Und was soll „Handmade Development“ überhaupt bedeuten?

Moderne Hardware, so der erste Satz des Manifests, ist großartig. Durch die technischen Fortschritte sei heute ein Standard erreicht, in denen Elektronen in Millionstel-Sekundenbruchteilen durch zahllose Pfade jagen und in dem auf immer kleineren Chips immer größere Mengen von Daten gespeichert werden können. Alles ausgerichtet auf den einen Zweck: Speed.

Software und Hardware – Eine wunderbare Freundschaft?

Warum also, so fragen die Verfasser Abner Coimbre, Andrew Chronister und Jeroen van Rjin, ist Software trotz anders lautender Versprechen und Hoffnungen immer noch langsam?

Why does it take your operating system 10 seconds, 30 seconds, a minute to boot up? Why does your word processor freeze when you save a document on the cloud? Why does your web browser take 3, 4, 10 seconds to load a web page? And why does each update somehow make the problem worse?

Ihre Antwort folgt auf dem Fuße: „We made it slow“. Und das nicht etwa mit Absicht oder aus bösem Willen. Vielmehr sei dafür ein kollektives Vergessen in der Software-Community verantwortlich, ein Vergessen, dass jeder Code auf Computern laufen muss:

Real computers, with central processing units and random access memory and hard disk drives and display buffers. Real computers, with integer and bitwise math and floating point units and L2 caches, with threads and cores and a tenuous little network connection to a million billion other computers.

Das Problem mit der Abstraktion

Die Software-Entwicklung, so könnte man die Tendenz des Manifests wohl zusammenfassen, ist zu abstrakt geworden. Es wird vermutet und mit verallgemeinerten Hypothesen gearbeitet. Es werden Abstraktionslayer gebaut, die nach Kurzem schon wieder in der Versenkung verschwinden, nur um noch mehr „on top“ bauen zu können.

Die einen, so die Autoren des Manifests, kommen zwischen Projekt-Deadlines und finanziellem Druck nicht dazu, ihre Software auch im Hinblick auf die Hardware genau zu durchdenken. Andere haben es nie gelernt, die Maschinen-Tauglichkeit ihres Codes auch nur theoretisch zu überprüfen.

We learned how to write code to make the client or the manager or the teacher happy, but made the processor churn. And because we did, that amazing speed we’d been granted was wasted, by us, in a death by a thousand abstraction layers.

Ein Manifest für die Handarbeit?

Egal, wie man zur Hardware steht, die Autoren des Manifests sind davon überzeugt, dass in ihr der Schlüssel für einen allgemeinen Fortschritt der Software-Entwicklung liegt. Dieser Schluss gründet auf eigenen Erfahrungen:

We tinkered, and measured, and read, and compared, and wrote, and refined, and modified, and measured again, over and over, until we found we had built the same thing, but 10 times faster and incomparably more useful to the people we designed it for.

Handmade Development sei weder eine bestimmte Technik, noch eine bestimmte Sprache oder Management-Strategie, ebenso wenig eine Formel oder eine andere Abstraktion. Vielmehr geht es um eine Idee:

The idea that we can build software that works with the computer, not against it.

„Will you build your software by hand?“

Die Autoren scheinen mit dem Manifest nicht nur auf ein neues Bewusstsein in der Community hinaus zu wollen, sondern bieten auch allen Interessierten ihre Unterstützung an. Die aktuellen Entwicklungen sind auf Twitter zu verfolgen. Auf einer noch nicht veröffentlichten Website sollen die nach den Prinzipien des Handmade Manifesto erstellten Software-Projekte gehostet werden. Ist da eine neue Community-Bewegung im Kommen? Wir dürfen gespannt sein …

Aufmacherbild: MANIFESTO red Rubber Stamp over a white background / Urheberrecht: chrisdorney

Geschrieben von
Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann hat an der Goethe Universität Soziologie sowie Buch- und Medienpraxis studiert. Er lebt seit acht Jahren in Frankfurt am Main und arbeitet in der Redaktion von Software und Support Media.
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