Google vs. Oracle: Richter kritisiert überzogene Forderungen

Lukasz Konieczny

Hat Google in Android absichtlich Oracles Java-Patente verletzt? Diese Frage und die Relativierung der überzogenen Forderungen beider Unternehmen spielten bei der gestrigen Anhörung eine gewichtige Rolle. 

Oracle hatte letztes Jahr Google wegen der vermeintlichen Verletzung seiner Java-Patente bei Android verklagt und fordert jetzt bis zu 6 Milliarden US-Dollar Schadensersatz. Ferner will das Unternehmen wohl auch am Geschäft mit der mobilen Werbung beteiligt werden.

Oracles Anwalt Michael Jacobs begründete die hohen Forderungen seines Klienten damit, Google habe die komplette Java-Architektur in Android integriert und dadurch nun hohe Einnahmen durch Werbung generieren können. Google wiederum weist alle Anklagepunkte zurück und will keinen müden Cent an Oracle bezahlen 

Beide Positionen kritisierte der zuständige Richter William Alsup nun heftig, wie Reuters berichtet. „You’re both asking for the moon and you should be more reasonable“, erklärte der Richter gegenüber den Unternehmen. Damit spielte er auf die seiner Ansicht nach überzogenen Forderungen und die mangelnde Kompromissfähigkeit beider Unternehmen an. 

Für einigen Wirbel vor Gericht sorgte eine E-Mail, die ein Google-Ingenieur an den Android-Chef Andy Rubin geschickt haben soll. Darin wird beschrieben, wie der Ingenieur Alternativen zu Java erprobt habe, dann aber zum Entschluss gekommen sei, dass die Lizenzierung von Java die einzige sinnvolle Alternative darstelle.

Der Richter drohte Google, dass das Unternehmen empfindliche Strafen zu fürchten hätte, sollte sich herausstellen, dass das Unternehmen absichtlich Sun-Patente, die nun in Oracles Händen liegen, verletzt habe. Googles Rechtsanwalt stellte die Beweiskraft der E-Mail in Frage und konterte, die E-Mail sei erst letztes Jahr versendet worden, nachdem Oracle Google mit der Klage gedroht hätte, und nicht schon 2007, als Android ins Leben gerufen wurde.  

Dabei hätte Google wohl durchaus eine relativ kostengünstige Möglichkeit gehabt, um Java-Technologie zu lizenzieren. Laut einem Bericht von Bloomberg soll Sun bereits 2006 Google angeboten haben, Java für 100 Millionen Dollar zu lizenzieren. Googles Anwalt Robert Van Nest pochte jedoch darauf, dass es hierbei nicht um Lizenzen, sondern lediglich um eine Technologie-Partnerschaft für Android gegangen sei, was der Richter jedoch infrage stellte.   

Wie ein Beobachter auf MercuryNews berichtet, schien Richter Alsup während der Anhörung beide Parteien mehrfach dazu zu drängen, zu einer außergerichtlichen Einigung zu gelangen, noch vor dem eigentlichen Verfahren im Herbst 2011.

Geschrieben von
Lukasz Konieczny
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.