Google kauft Titan Aerospace, Red Hat stellt Weichen für das IoT, Senkrechtstart für TinkerBots [M2M Minutes]

Redaktion JAXenter
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Google treibt Projekt „Loon“ mit Kauf von Titan Aerospace voran – Neuer ARM-Compiler vereinfacht Integration von Open-Source-Werkzeugen – JiveBike: Klapprad mit Raspberry-Pi-CPU – Red Hat bemüht um IoT-Integration – TinkerBots: Arduino- und Lego-freundliche Roboter

Google kauft Titan Aerospace

Das erratische Kaufverhalten der großen Tech-Konzerne sorgt hin und wieder für Überraschungen: Aus der „Drohne für Facebook“, über die wir Anfang März berichteten, wurde dann doch eine Drohne für Google: Titan Aerospace, Drohnen-Hersteller mit Sitz im US-Bundesstaat New Mexico, wird für einen unbekannten Kaufpreis vom Suchmaschinenkonzern aus Mountain View übernommen. Die Gerüchte um eine Übernahme durch Facebook haben sich damit nicht bewahrheitet. Ein erstes Modell des unbemannten Titan-Luftfahrzeugs „Solara 50“ könnte schon 2015 abheben – und Regionen ohne Breitband-Netz einen drahtlosen Zugang zum Internet verschaffen.

Die wohl wertvollste Mitgift, die das 20-köpfige Unternehmen Titan Aerospace in die Ehe mit Google einbringt: eine hoch entwickelte Solar-Batterietechnologie. Damit sollen die UAVs (Unmanned Aerial Vehicles) des 2012 gegründeten Luftfahrt-Unternehmens fünf Jahre am Stück fliegen können, ohne auch nur einmal landen zu müssen. Die vorgesehenen Flughöhen von mehr als 60 000 Fuß (18 288 Meter) sollen garantieren, dass die „Satelliten“ keiner staatlichen Regulierung durch die US- Behörde Federal Aviation Administration (FAA) unterstellt sind.

Dass Google solche Luftfahrt-Ambitionen hegt, zeigt das vor etwa einem Jahr gestartete Projekt Loon, das den nicht vernetzten Teil der Erde mithilfe von Ballons ins Web bringen möchte. Die Technologie von Titan Aerospace könnte diesem Projekt nun neue Schubkraft verleihen.

Für 20 Millionen US-Dollar übernahm Facebook derweil das britische Unternehmen Ascenta, das sich ebenfalls auf unbemannte Flugzeuge mit Solarenergieantrieb spezialisiert. Vermutlich verloren Zuckerberg & Co. auch deshalb das Interesse an Titan Aerospace. 

 

ARM: eine Prise Open Source 

Der britische Anbieter von Mikroprozessorlösungen ARM hat Version 6 seines ARM Compilers veröffentlicht. Der Compiler ist die Referenz-Toolchain für Prozessoren mit ARM-Architektur. In der neuen Version basiert er auf dem quelloffenen Compiler-Framework LLVM und dem Clang-Frontend für C-artige Sprachen. Die Modularität und Erweiterbarkeit von Clang und LLVM soll die Code-Performance erhöhen, Entwicklungszyklen verkürzen und den Energieverbrauch senken. Darüber hinaus soll die neue Infrastruktur die Integration von Open-Source-Werkzeugen wie Code Analyzern und Code-Generatoren vereinfachen. „ARM hat stark in die Entwicklung die Entwicklung und Verbreitung von Open-Source-Technologien wie Eclipse, GNU, Clang und LLVM investiert. Der ARM Compiler 6 setzt diese Investition fort. Er kombiniert die Geschwindigkeit der Open-Source-Entwicklung mit der Stabilität und den Dienstleistungen, die kommerzielle Produkte kennzeichnen (…)“, so Hobson Bullman, Leiter der Entwicklungsabteilung bei ARM. Ein Bekenntnis zu Open Source also, wenn auch ein halbherziges: Der Compiler ist weiterhin nicht quelloffen. Zumindest kann er aber kostenlos getestet werden. 

Raspberry-Pi-Fahrrad

Ein Elektro-Fahrrad namens JiveBike machte in den letzten Tagen und Wochen viel von sich reden. Der Londoner Drahtesel stach uns nicht nur wegen seiner eigenwilligen Design-Symbiose aus Klapprad und moderner, schicker Schlichtheit ins Auge; sondern auch, weil in ihm eine Raspberry-Pi-CPU verbaut ist. Darüber hinaus lässt sich das Rad per Bluetooth an ein Smartphone koppeln. Die zugehörige App zeigt z. B. den Akkustatus an und navigiert den Fahrer bei Bedarf durch die Stadt. Billig ist dieser Spaß nicht, wie sich der Seite entnehmen lässt, über die Vorbestellungen entgegengenommen werden. Vom beeindruckenden interaktiven Webdesign der offiziellen Präsenz macht man sich am besten selbst ein Bild.

Red Hat und das IoT: Middleware für bessere Integration

Das auf Open-Source-Technologien spezialisierte Unternehmen Red Hat stimmt seine Middleware-Produkte auf das Internet der Dinge ab: Die gerade erschienene Version 6.1 der Messaging-Plattform JBoss A-MQ und des Enterprise Service Bus (ESB) JBoss Fuse sollen die Integration in IoT-Infrastrukturen vereinfachen, wie der US-amerikanische Konzern mitteilt. A-MQ unterstützt gängige (De-facto-)Standards wie MQTT und AMQP, letzteres ab sofort in Version 1.0. Fuse basiert auf der Integrationsplattform Apache Camel und stellt mittlerweile über 150 Out-of-the-Box-Anbindungen für Systeme wie die von SAP, Salesforce oder Twitter und Facebook bereit.

Teil von Red Hats groß angelegtem Integrationsplan ist auch eine bessere Cloud-Anbindung. So war es nur konsequent, auch ein Vorab-Release von JBoss Fuse auf der hauseigenen Platform-as-a-Service-Lösung OpenShift freizugeben.

Internet of Things ConferenceSchon einen Talk eingereicht? Vom 1.-3. September findet in Berlin erstmalig die Internet of Things Conference statt. Im dreitägigen Programm dreht sich alles um eingebettete Software-Entwicklung, M2M-Kommunikation und das Internet der Dinge. Einreichungen sind noch bis 22. April unter http://iotcon.de/2014/cfp möglich.

TinkerBots: Arduino- und Lego-freundlich 

Eine Arduino-kompatible Mischung aus TinkerForge und Lego – so lässt sich der Robotik-Baukasten des Berliner Startups TinkerBots beschreiben. Unser Crowdfunding-Projekt der Woche legte auf der Finanzierungsplattform Indiegogo einen regelrechten Senkrechtstart hin: Erst letzte Woche erfolgte der Startschuss für die Kampagne, und schon jetzt wurde das Finanzierungsziel von 120.000 US-Dollar deutlich übertroffen. Die drei Gründer Matthias Bürger, Leonhard Oschütz und Christian Guder beschreiben ihr Projekt folgendermaßen:

TinkerBots ist ein Spielzeug-Baukasten[,] der es Kindern und Erwachsenen ermöglich[t], schier unendlich viele verschiedene Roboter zu bauen. Kabellos und ohne komplizierte Bauanleitung können TinkerBots‘ aktive Module und passive Bausteine einfach miteinander verbunden werden. Programmierkenntnisse sind hierfür keine Vorrausetzung. TinkerBo[ts] ist wie „lebendiges Lego“.

Der Baustein „Power Brain“ ist in etwa das, was bei TinkerForge der Master Brick ist: Energie- und Steuer-Modul und damit Grundlage aller TinkerBots-Roboter. Ausgestattet ist er unter anderem mit Bluetooth 4.0, einem Arduino-kompatiblen Mikrocontroller, einem LED-Interface, einem Lithium-Ionen-Akku und einem Gyro- und Abstandssensor. An Erweiterungen stehen Bewegungsmodule wie der „Twister“ (Drehmodul), das „Pivot“ (Gelenkmodul), ein Greifer und ein Motor zur Verfügung. Sogar mit Legobausteinen lassen sich die possierlichen Roboter erweitern – nach Lego Mindstorms, Lego-Drohne und dem populären Lego-Film ein weiterer Beweis für die gewaltige Expansion des dänischen Plastikstein-Imperiums 😉

 

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