Hosting-Plattform erhält 1.5 Millionen US-Dollar von Investoren

GitLab vs. GitHub: Wer bietet mehr?

Moritz Hoffmann

(c) shutterstock / Imagewell

Große Investitionen in Open-Source-Projekte sind mittlerweile keine Besonderheit mehr. So konnte GitHub, die weltweit meistgenutzte Repository-Plattform, zuletzt mehrere hundert Millionen Dollar einwerben. GitHubs aktueller Marktwert wird auf etwa zwei Milliarden Dollar geschätzt. Doch auch andere Git-Projekte wollen etwas vom Kuchen abhaben und bemühen sich nach Kräften, mit GitHub zu konkurrieren. Eines davon ist GitLab, das es sich explizit zum Ziel gemacht hat, zur Default-Lösung für kooperative Software-Entwicklung zu werden.

Woher kommt das Selbstvertrauen, eine Plattform mit etwa neun Millionen angemeldeten Nutzern noch übertreffen zu wollen? GitLab selbst nennt einige Punkte, in denen es GitHub überlegen sein will. Die Abgrenzung fällt dabei gar nicht so leicht, denn dem Prinzip nach funktionieren die Hosting-Plattformen sehr ähnlich. Der Schlüssel zum Wettbewerb liegt dementsprechend in der Optimierung und dem komplett kostenfreien Angebot aller Funktionen.

Gleiche Funktionen, besseres Angebot?

So gibt es in GitLab beispielsweise die Möglichkeit, geschützte Branches einzurichten, zu denen nur autorisierte Nutzer Zugang haben. Die Berechtigungen können dabei individuell nach verschiedenen Nutzerrollen erteilt werden. So hat etwa nicht jeder Zugriff auf den Quellcode, der vielleicht nur ein Issue anlegen möchte.

Anders als in GitHub können in GitLab-Issues Dateien und Ordner angehängt werden. Das gilt auch für die Kommentarfunktion. Innerhalb einer Organisation können in internen GitLab-Projekten zudem die verschiedenen Open-Source-Techniken zur gemeinsamen Arbeit innerhalb eines Workflows herangezogen werden. Unter Bezugnahme auf Tim O’Reilly spricht GitLab hier von Innersourcing.

GitLab for Enterprise

Auch in der Enterprise-Variante will GitLab den großen Konkurrenten GitHub übertreffen. So kann hier auch zusätzliche Software direkt auf den Server installiert werden. Mit dem Serverzugang sind auch die Log-Dateien zu sichten. Grundsätzlich läuft GitLab auch „on metal“ in der Infrastruktur eines Unternehmens, es werden keine VMs benötigt. Zudem kann die Nutzung mehrerer tausend Repositories und Nutzer mit nur einem Maschinen-Server bewältigt werden.

Desweiteren ist es möglich, GitLab über eigene Software zum Konfigurationsmanagement zu betreiben und eigene Tools fürs Monitoring und die Maintenance zu verwenden. Ein eingebautes Continuous-Integration-Tool und die Möglichkeit, eine Mindestanzahl an Approvals vor einem Merge festzulegen, werden ebenso als Vorzüge gegenüber GitHub genannt. Alle technischen Details sind in einer Dokumentation nachzulesen.

Investment-Erfolg für GitLab

Nach eigenen Angaben nutzen GitLab bereits über 100.000 Unternehmen und Institutionen. Die Projektseite und Infrastruktur von GitLab selbst wird mit der GitLab Enterprise Edition betrieben. Die Kern-Plattform ist frei verfügbar, auch das ist ein Unterschied zu GitHub.

Nun wurde bekanntgegeben, dass GitLab in einer Investorenrunde etwa 1.5 Millionen US-Dollar einwerben konnte. Damit will das Unternehmen, das als On-Premise-Software für eine Einzelperson seinen Anfang nahm, seine Aktivitäten ausweiten und u.a. einen Sitz in San Francisco etablieren, wo auch der mittlerweile zurückgetretene GitHub-Gründer Preston-Werner zwischen Motorrädern und anderen Skurrilitäten das erste richtige Büro eröffnete.

Es bleibt abzuwarten, wie erfolgreich GitLabs Offensiv-Strategie gegen den großen Wettbewerber in Zukunft sein wird. Die nächste Investorenrunde wird darüber womöglich Aufschluss geben.

Aufmacherbild: shelves full of files in an old archive via Shutterstock.com
Urheberrecht: Imagewell

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Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann hat an der Goethe Universität Soziologie sowie Buch- und Medienpraxis studiert. Er lebt seit acht Jahren in Frankfurt am Main und arbeitet in der Redaktion von Software und Support Media.
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