Schon zum vierten Mal veröffentlicht

GitHub Transparency Report 2018 erschienen

Marcel Richters
GitHub

© Shutterstock.com / studiovin

GitHub möchte mit seinem Transparenzreport aufzeigen, wie sich gesetzliche Bestimmungen auf die Nutzer der Plattform auswirken. Welche und wie viele Anfragen wurden gestellt und von wem? Natürlich enthält der Bericht keine detaillierten Informationen, aber er zeigt, dass Veröffentlichungsfreiheit nach wie vor ein Thema ist.

GitHub hat den Transparency Report für 2017 veröffentlicht. Wie schon 2014, 2015 und 2016 enthält der Report Informationen zu Anfragen und entfernten Inhalten, die an die Plattform gestellt wurden. Mit dem offenen Umgang mit Anfragen möchte GitHub das Interesse der Nutzer am Thema Platform Governance erweitern. So werden laut GitHub Nutzer grundsätzlich informiert, wenn Inhalt aus welchem Grund auch immer begrenzt oder gelöscht wird. Auch Begründungen für Löschungen liefert GitHub eigenen Angaben nach stets mit und Widerspruch ist ebenfalls möglich.

Bisher umfasste der Report folgende Punkte: Bezogen auf Nutzerinformationen waren es Vorladungen, gerichtliche Anordnungen, Durchsuchungsanordnungen und Anordnungen zur nationalen Sicherheit. Außerdem wurden Anfragen für die Blockade oder Abschaltung von Nutzern durch Regierungen und aufgrund von Copyright-Verletzungen aufgeführt. Neu hinzugekommen sind dieses Jahr Informationen zu grenzübergreifenden Datenanfragen und Accounts sowie Projekten, die von Abschaltungsanfragen durch Regierungen betroffen waren.

Um Nutzer zu schützen, gibt GitHub nur solche Informationen weiter, die allen rechtlichen Bestimmungen entsprechen. Für Nutzerinformationen wie Name, E-Mail-Adresse oder IP-Adresse verlangt die Plattform eine Vorladung. Alle anderen Nutzerinformationen wie Log-In-Daten oder Inhalte privater Repositorys werden nur bei einem Durchsuchungsbefehl herausgegeben und sofern es die gesetzlichen Bestimmungen zulassen, informiert GitHub alle betroffenen Nutzer über derartige Anfragen.

Die Anfragen in Zahlen

Im Jahr 2017 haben GitHub 51 Anfragen erreicht, davon 42 Vorladungen (30 straf- und 12 zivilrechtliche), drei Gerichtsbeschlüsse und sechs Durchsuchungsbeschlüsse. Während die meisten von Strafverfolgungsbehörden stammten, kam eine Anfrage von einer Regierungsbehörde und 12 bezogen sich auf zivilrechtliche Streitigkeiten. Zwei Anfragen wurden durch ausländische Behörden gestellt. In 43 Fällen wurden Informationen „produziert“, wie es GitHub nennt, also an Behörden und Juristen weitergegeben.

Die Zahl der mit „gag order“ versehenen Anfragen ist stark gestiegen. Quelle: GitHub

Von den 43 veröffentlichten Fällen konnten nur bei acht davon Informationen an die Nutzer weitergegeben werden, da die Gerichte Gebrauch von der sogenannten „Gag Order“ (gag engl. für Knebel) machten. Damit hat es einen erheblichen Anstieg dieser Anfragen seit 2014 und 2015 gegeben. Damals konnten nur bei vier von zehn bzw. sieben von zwölf Anfragen keine Informationen an betroffene Nutzer weitergegeben werden.

Wieviele Anfragen sich auf die nationale Sicherheit bezogen, darf laut gesetzlichen Bestimmungen nicht veröffentlicht werden. Lediglich Zahlenräume zwischen 0 und 250 darf GitHub nennen. Und so gibt das Unternehmen an, 0 bis 249 Anfragen erhalten zu haben, die 0 bis 249 Accounts betrafen.

Entfernte oder blockierte Inhalte

Mit steigenden Nutzerzahlen gibt es auch mehr Anfragen wegen Copyright-Verletzungen. Quelle: GitHub

Acht Mal wurde GitHub durch Regierungen kontaktiert, die Inhalte nach ihren lokalen Gesetzen als unrechtmäßig betrachtet haben. In acht Fällen ist die Plattform diesen Anfragen nachgekommen, alle stammten aus Russland. Eigenen Angaben nach bemüht man sich, zum einen die Korrektheit der Anfrage zu verifizieren, zum anderen in geringst möglicher Weise Eingriffe vorzunehmen. So werden beispielsweise nicht ganze Repositorys, sondern nur Teile davon offline genommen.

Die allermeisten Anfragen zur Entfernung von Inhalten wurden mit Bezug auf den U.S. Digital Millennium Copyright Act (DMCA) gestellt. Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei um ein Gesetz zum Schutz von Nutzungsrechten. Verletzungen können beispielsweise entstehen, wenn Angestellte internen Code auf GitHub übertragen. Ganze 1435 Anfragen wurden gestellt, davon wurde 1380 entsprochen, in 55 Fällen gab es Widerspruch.

GitHub geht davon aus, dass insbesondere diese Anfragen in Zukunft zunehmen werden, da auch die Menge der auf der Plattform angemeldeten Nutzer zunimmt. Tatsächlich befinden sich beide Steigerungen im Einklang, wie die Statistik zeigt.

Rückschlüsse

Als Fazit erklärt GitHub, dass Internetplattformen unter weitaus größerem Druck zur „Zensur“ stehen, als es noch 2010 der Fall war – damals veröffentlichte Google einen ersten Transparenzreport. Ziel der Veröffentlichung solcher Reports sei es, die Diskussion um Privatsphäre und Zensur weiter anzuregen und deutlich zu machen, wie versucht würde, in die Freiheit von Wissenschaft und Meinung einzugreifen. Dabei will sich GitHub auch einen Leitsatz des Transparenzreports von Google zum Vorsatz nehmen, nämlich dass „größere Transparenz zu weniger Zensur führt“.

Weitere Informationen bietet die GitHub-Seite zum Transparenzreport. Dort sind auch genauere Aufschlüsselungen zu den Anfragen verlinkt.

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Geschrieben von
Marcel Richters
Marcel Richters
Marcel hat Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main studiert und danach als E-Commerce-Manager gearbeitet. Seit Februar 2018 unterstützt er das Team von JAXenter als Redakteur. Daneben arbeitet er als freier Journalist in der Mainmetropole.
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