Open Source in Gefahr?

Octocat im Karl-Klammer-Griff: So schätzt die Community den Kauf von GitHub durch Microsoft ein

Dominik Mohilo

© Shutterstock / FOTOKITA

Zwei Monate ist es her, seit Microsoft die wohl größte Plattform für Open-Source-Projekte gekauft hat. Die Rede ist selbstverständlich von GitHub. Wir haben die JAXenter-Community gefragt, wie sie die Sicherheitslage der Open-Source-Bewegung im Hinblick auf diesen Kauf einschätzen. Ist Open Source in Gefahr?

Ob Microsofts Hunger, was den Kauf von Sozialen Netzwerken angeht, mit dem Kauf von GitHub befriedigt ist, bleibt abzuwarten, es sieht allerdings nicht so aus. In den letzten zehn Jahren gab der Softwareriese aus Redmond zunächst für Skype 8,2 Milliarden US-Dollar aus, bevor dann Yammer, ein Mikrobloggingdienst, der nun Teil von Office 365 ist, für 1,2 Milliarden folgte.

Dann kam der große Kracher: LinkedIn wechselte 2016 für gigantische 26,2 Milliarden den Besitzer, bevor im Juni dieses Jahres für GitHub erneut 7,5 Milliarden US-Dollar lockergemacht wurden. Rund 43 Milliarden US-Dollar, plus der Betrag, der für die Social-Learning-Plattform Flipgrid draufgegangen ist.

Sind GitHub und die Open-Source-Bewegung in Gefahr?

In unserer Umfrage zur Lage der GitHub Community haben wir unserer Leserschaft drei Optionen zur Abstimmung geboten. Das Ergebnis ist ausgewogen, wobei dies an der Stelle kein besonders positives Signal ist. Offenbar ist man skeptisch, was die Zukunft von GitHub angeht, doch betrachten wir uns die Resultate, die auf 1266 abgegebenen Stimmen basieren, etwas genauer.

Die Grafik zeigt, dass lediglich ein Drittel der Teilnehmer (422, um genau zu sein) glauben, GitHub würde von Microsoft unangetastet bleiben. Das optimale Szenario sei eher unwahrscheinlich, glauben immerhin 435 Personen (34 Prozent). Sie glauben, dass Paid-Content-Modelle drohen, zum Beispiel könnten Repositorys ab einer gewissen Größe oder einem bestimmten Umfang Kosten verursachen. Erschreckend ist eher, dass 32 Prozent der Abstimmenden glauben, GitHub sei verloren.

Microsoft hat mit dem Kauf, so viel ist sicher, die Community ziemlich erschüttert. Die eigentlich recht positive Grundstimmung gegenüber GitHub scheint sich in den letzten Wochen drastisch verschlechtert zu haben, jedenfalls sind die Befürchtungen, wie unser Quickvote beweist, ziemlich groß.

Lachender Gewinner scheint GitLab zu sein, wie CEO Sid Sijbrandij im Interview mit JAXenter preisgibt. Kurz nach der gemeinsamen Ankündigung von Microsoft und GitHub, sagte er uns:

#movingtogitlab hat am ersten Wochenende über 3000 Tweets angesammelt, aber die Verbesserungen von GitLab werden von der Community bereits seit Monaten verfolgt. Dennoch denke ich, dass die Übernahme viele (endlich) zum Handeln motivierte. Was den Unterschied zwischen GitLab und GitHub ausmacht, ist darin zu erkennen. Wir haben über 200.000 Repositories in den letzten paar Tagen importiert und die Auftragsrate ist um das 7-fache angestiegen. Und es ist wirklich aufregend zu beobachten, dass sich diese Dynamik fortsetzt.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Auch wenn es in den letzten Wochen nun ein wenig still um die ganze Angelegenheit geworden ist, gibt es doch einen ersten kleinen Silberstreif am Horizont. Auf der Google Cloud Next 2018 hat Google die Zusammenarbeit mit GitHub angekündigt, um „Continuous Integration schnell und einfach“ zu machen, wie es auf dem Blog von der Google Cloud Platform heißt.

Google und GitHub möchten, so der Plan, Googles neue CI/CD-Plattform Cloud Build direkt in den Entwickler-Workflow auf GitHub integrieren, um so „schnelle, reibungslose und angenehme CI-Prozesse für sämtliche GitHub Repositorys bereitzustellen“.

Die Zusammenarbeit von Google, einem der größten Konkurrenten von Microsoft, mit GitHub sendet jedenfalls ein positives Signal, nachdem der Kauf der Plattform eher gemischte Gefühle in der Open-Source-Gemeinde hervorrief. Es wird spannend zu sehen sein, ob sich doch später in diesem Jahr noch Paid-Content-Inhalte auf das Standard-GitHub schleichen. Vielleicht begnügt sich aber Microsoft aber ja auch mit dem Ausbau von GitHub Enterprise, um die Kosten für die Plattform wieder reinzuholen.

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Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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