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Neue Studie: Frauen in der IT-Branche 2018: Weniger Geld für gleiche Arbeit

Frauen in der IT: Die Schere im Gehalt schließt sich nicht

Katharina Degenmann

© Shutterstock.com / ian johnston

Wie eine aktuelle Studie des Unternehmens Honeypot zeigt, sind Frauen in der IT-Branche immer noch Exoten. Frauen sind in der Tech-Branche nicht nur deutlich unterrepräsentiert, sondern auch noch unterbezahlt. Während andere Länder jedoch Fortschritte machen, fällt Deutschland zurück und erzielte den schlechtesten Wert in Westeuropa. Um die potentiellen Hürden und Chancen für Frauen hervorzuheben, wurde besonders der Geschlechter-Ungleichheits-Index unter die Lupe genommen.

Obwohl in der IT-Branche ein Fachkräfte-Mangel beklagt wird, belegt die in 41 OECD- und EU-Ländern durchgeführte Studie von Honeypot eine Kluft zwischen Männern und Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Die Studie von Honeypot untersuchte neben der Geschlechterungleichheit in der Gesamtwirtschaft auch Bereiche wie Lohngefälle und Karrierechancen für Frauen im IT-Bereich.

Honeypot-Studie 2018: Takeaways

  • In der Schweiz leben Mann und Frau am Gleichberechtigsten, Mexiko schnitt am schlechtesten ab. Mit 0,04  erzielten die Schweizer die beste Wertung des Geschlechter-Ungleichheits-Index, welcher die reproduktive Gesundheit von Frauen sowie ihre wirtschaftliche Emanzipation und ihre Teilnahme am Arbeitsmarkt untersucht, und damit Schlussfolgerungen über die Gleichberechtigung allgemein ermöglicht.
  • Deutschland erreicht mit 25 Prozent im geschlechtsspezifischen Lohngefälle in der IT-Branche den schlechtesten Wert in Westeuropa.
  • Programmiererinnen in den USA verdienen mit 70.153€ am Meisten.
  • In Portugal, den USA und Lettland haben Frauen in IT-Berufen die besten Chancen, da der Unterschied zwischen dem prozentualen Anteil der erwerbstätigen Frauen und dem Frauenanteil in der IT-Branche am geringsten ist.

Geschlechterungleichheit in der Gesamtwirtschaft

Wie der prozentuale Anteil der erwerbstätigen Frauen und das allgemeine geschlechtsspezifische Lohngefälle belegen, besteht insgesamt eine geschlechterspezifische Lohnlücke auf dem Arbeitsmarkt.

In Deutschland sind derzeit rund 43 Millionen Menschen erwerbstätig, darunter 20 Millionen Frauen. Obwohl also fast die Hälfte (46 Prozent) aller Berufstätigen Frauen sind und dieselbe Arbeit verrichten wie Männer, erhalten sie insgesamt immer noch 18,87 Prozent weniger Lohn. Kein Wunder also, dass sich Deutschland mit diesem geschlechterspezifischen Lohngefälle lediglich auf Platz 32 in der Gesamtbewertung befindet.

Quelle: Honeypot-Studie 2018

In Luxemburg und Italien besteht zwischen Frauen und Männer beispielsweise nur ein allgemeiner Gehaltsunterschied von 5,5 Prozent. Damit führen diese beiden Länder die Tabelle an. Mit 37,18 Prozent macht Südkorea in Sachen Lohn den größten Unterschied zwischen Männern und Frauen und bildet somit das Schlusslicht.

Frauen im IT-Sektor

Der Prozentanteil von Frauen im IT-Sektor und ihre Bezahlung werden zunehmend höher – nur nicht in Deutschland. In Deutschland beträgt der Anteil von Frauen im IT-Sektor gerade einmal 16,58 Prozent. Während in Bulgarien mit 30,28 Prozent die meisten Frauen im IT-Sektor tätig sind, arbeiten in der Slowakischen Republik nur 9,29 Prozent der Frauen als Programmiererinnen.

Quelle: Honeypot-Studie 2018

Die Lohnkluft in der IT Branche

In Sachen Gehalt für Frauen im IT-Bereich nimmt die USA eine Vorreiter-Rolle ein. So leben die bestbezahltesten IT-lerinnen mit einem Jahreseinkommen von 70.153€ (Durchschnittseinkommen im IT-Bereich: 79.595€) in den USA. In Mexiko hingegen verdienen die Frauen im IT-Bereich lediglich 12.520€ pro Jahr (Durchschnittseinkommen im IT-Bereich: 15.788€) und belegen damit den schlechtesten Platz. In den USA beträgt der geschlechterspezifische Lohnunterschied im IT-Sektor 11,86 Prozent, in Mexiko 20,70 Prozent.

Ein Blick auf Deutschland zeigt, dass das Jahreseinkommen für deutsche Programmiererinnen lediglich 35.876€ beträgt, während das deutsche Durschnittseinkommen in der IT-Branche insgesamgt bei 47.335€ liegt.  Insgesamt entspricht das deutsche Einkommen einem geschlechtsspezifischen Lohngefälle von 25 Prozent.

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„Dies stellt den schlechtesten Wert in Westeuropa dar und ist doppelt so hoch wie in Belgien und Frankreich, wo die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen 11,8 % beträgt. Dies deutet darauf hin, dass der IT-Sektor in Deutschland in Sachen Gleichberechtigung hinter anderen westlichen Ländern zurückliegt”, sagt Emma Tracey, Co-Founder von Honeypot.

Obwohl Deutschland das größte Lohngefälle in Westeuropa hat, befinden wir uns in Sachen Geschlechter-Gleichheit insgesamt auf Platz 9 bei der Wertung des Geschlechter-Ungleichheits-Indexes. Führend ist die Schweiz (0,040 Prozent) gefolgt von Dänemark (0,041 Prozent) und den Niederlanden (0,044 Prozent). Mexiko schneidet mit 0,345 Prozent am schlechtesten ab.

Chance von Frauen

In Anbetracht des weltweiten Lohngefälles zwischen Männern und Frauen und der damit fehlenden Gleichberechtigung der Geschlechter in der IT-Branche, bleibt zu fragen, welche Konsequenzen das für die Chancen von Frauen hat. Laut der Studie haben Frauen in Portugal (7,26 Prozent), den USA (7,02 Prozent) und Lettland (6,10 Prozent) die besten Chancen für Gleichberechtigung in der IT-Branche, da das geschlechtsspezifische Lohngefälle innerhalb des IT-Sektor in diesen Ländern 6-7 Prozent weniger beträgt als das allgemeine durchschnittliche Lohngefälle.

Deutschland zeigt auch hier wieder Nachholbedarf und befindet sich mit einem Negativ-Wert von -6,13 Prozent auf Platz 27. „Zwar unternimmt die deutsche Regierung Schritte, die sich positiv auf die Gleichberechtigung in der Wirtschaft auswirken sollen, wie das Lohntransparenzgesetz, das im Juli 2017 in Kraft getreten ist, jedoch bleibt abzuwarten, ob dieses tatsächlich Wirkung zeigt oder lediglich zu mehr Bürokratie führt.“, so Tracey.

Noch mehr zum geschlechterspezifischen Lohngefälle und Informationen zur Methodik und Kriterien der Studie gibt es hier.

Geschrieben von
Katharina Degenmann
Katharina Degenmann
Katharina Degenmann hat Politikwissenschaft und Philosophie studiert. Seit Februar 2018 arbeitet sie in der Redaktion der Software & Support Media GmbH und ist nebenbei als freie Journalistin tätig.
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