Geistig fit im Alter durch Job in der IT?!

Konstanze Löw, Hartmut Schlosser
©shutterstock.com/Rus Limon

Menschen, die einen intellektuell anspruchsvollen Job ausüben, haben auch im Alter bessere kognitive Fähigkeiten. Das ist die Erkenntnis einer schottischen Studie, die in der Zeitschrift „Neurology“ veröffentlicht wurde.

Nun genießen gerade Berufe in der IT den Ruf, sehr anspruchsvoll zu sein. So müssen sich ITler ständig mit komplexen Problemen auseinandersetzen und in neue Inhalte einarbeiten. Doch gibt es in der Realität nicht auch in dieser Branche immer wiederkehrende Aufgaben, die mit der Zeit stupide nach dem gleichen Schema ausgeführt werden? Weisen die ständig anfallenden Tätigkeiten – Testen, Deployen, Warten – nicht also in eine ganze andere Richtung?

Wie geistig fit hält die IT?

Betrachten wir zunächst einmal die Studie etwas genauer. Bemerkenswert ist hier auf jeden Fall, dass sie bis auf das Jahr 1936 zurückreicht. Die rund 1000 Studienteilnehmer wurden in diesem Jahr geboren, nahmen bereits als Kinder und Jugendliche an IQ-Tests teil und wurden mit 70 Jahren nochmals getestet. Analysiert wurde vor allem, welche Jobs die Testpersonen in ihrem Arbeitsleben ausgeführt haben. Dabei wurden die Komplexität der Beschäftigung im Bereich Datenanalyse und der Umgang mit anderen Menschen bewertet. Durch die lange Zeit der Beobachtung konnte auch der äußere Einfluss, beispielweise das jeweilige Elternhaus, berücksichtigt werden.

Die Ergebnisse sind eindeutig: Versuchsteilnehmer, die in ihrem Arbeitsleben mit komplexen Daten umgehen mussten, zeigten sich auch im Rentenalter kognitiv fitter. Außerdem waren sie deutlich schneller darin, Reize zu verarbeiten als jene, die einfachen Jobs nachgingen. Bei Arbeitnehmern, deren Aufgabenbereich ein hohes Maß komplexer menschlicher Interaktionen gefordert hat, war dieser positive Befund noch stärker vertreten.

Gender-Unterschiede?

Die Studie zeigt außerdem, dass der IQ eines Menschen sein ganzes Leben relativ konstant bleibt. Es ist also keine Überraschung, dass Kinder mit einem hohen IQ, die später intellektuell anspruchsvollen Jobs nachgehen, auch noch im Alter intelligent sind. Üben Menschen mit einem geringen IQ einen komplexen Job aus, ist der dort geforderte Intellekt ausreichend, um auch noch im Alter davon zu profitieren. Der Umkehrschluss: Wird ein Job, der nur einen geringen IQ erfordert, von einer schlauen Person durchgeführt, so leidet deren Gehirn unter der zu geringen Beanspruchung.

Interessant ist auch, dass die Untersuchungsergebnisse auf Frauen und Männer gleichermaßen zutreffen. Zwar enthüllte die Langzeitstudie von 1936, dass Frauen vorwiegend Berufe wie Krankenschwestern und Lehrerinnen angenommen haben. Doch erfordern gerade diese Professionen ja hohe mentale Fähigkeiten in Verbindung mit komplexen zwischenmenschlichen Interaktionen – die perfekte Kombination für eine geistige Fitness auch im Alter!

Und die IT?

Wie steht es nun um den Stand der IT-Beschäftigten? Nun, zwar ist das Klischee des alleine vor sich hinwerkelnden Entwickler-Nerds längst überholt. Doch gibt es auch einen Grund dafür, warum die Vertreter der agilen Software-Entwicklung seit Jahren eine Verbesserung der Kommunikation zwischen allen Beteiligten eines Software-Projektes fordern. Soziale Intelligenz und ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit paart sich eben nicht automatisch mit der Fähigkeit, logische Probleme zu lösen.

Oder wie es Hadi Hariri einmal – zugegebenerweise etwas polemisch – ausdrückte:

Liebe Entwickler: Kommt raus aus Eurer Komfort-Zone! Dass andere Euch nicht verstehen, liegt nicht an denen, sondern an Euch! Macht einen Schritt auf die anderen zu, verbessert Eure Kommunikation mit Andersdenkenden, arbeitet an Eurem Konfliktlösungsverhalten! Denn das ist es, was das agile Manifest aussagt!

Öde Entwicklerjobs

Und was ist jetzt mit den immer wieder auftretenden repetitiven Aufgaben im Entwickleralltag? Nun, die gibt es zweifellos – wie aber wohl in jedem anderen Job auch! Wer sich als Entwickler indes nur noch mit anspruchslosen Wartungsarbeiten beschäftigt, der sollte darüber nachdenken, den Arbeitgeber zu wechseln. Anspruchsvolle Aufgaben gibt es nämlich gerade in der IT-Branche verhältnismäßig viele! 

Neue Herausforderungen halten einen ohnehin flexibel, ein Jobwechsel erfordert das Verlassen der Komfortzone und eine Veränderung auch im Interaktions- und Kommunikationsverhalten.

Darüber hinaus könnte sich ein neuer Job auch positiv auf den Geldbeutel auswirken. Eine US-amerikanische Studie zeigte nämlich, dass die besser bezahlten Entwickler nicht notwendigerweise auch die kompetenteren sind. In vielen Fällen soll der Gehaltsunterschied auf regelmäßiges „Job-Hopping“ und Verhandlungsgeschick zurückzuführen sein. Zusätzlich zeigt die Studie, dass Hochverdiener typischerweise früher mit ihrer Karriere begonnen haben, sich einen besser bezahlten ersten Arbeitsplatz ergattern konnten und einen prestigeträchtigeren Ausbildungsabschluss vorzuweisen haben.

Wie dem auch sei, die Botschaft haben wir verstanden: Sich sein ganzes Leben lang kognitiv anspruchsvollen Tätigkeiten auszusetzen, hält fit bis ins Alter – und die IT-Branche bietet beste Voraussetzungen dafür! Was man aus dieser Chance macht, bleibt natürlich jedem selbst überlassen. 

Aufmacherbild: Grandfather and grandson playing chess von Shutterstock / Urheberrecht: Rus Limon

Geschrieben von
Konstanze Löw
Konstanze Löw
Konstanze Löw hat Germanistik und Kommunikationswissenschaft in Jena studiert. Seit November 2014 arbeitet sie als Volontärin bei der S&S Media Group für die Zeitschriften Java Magazin, Eclipse Magazin und das Portal JAXenter.
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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