Kolumne: Bitcoin Flipping

Geheimnis um Bitcoin-Erfinder ist gelüftet! Oder doch nicht?

Gabriela Motroc

© Shutterstock / GlebStock

In der neuen Kolumne „Bitcoin Flipping“ präsentieren wir Ihnen einmal pro Woche Neuigkeiten aus den Bereichen Cryptocurrency, Bitcoin, Blockchain & Co. Und mit der Woche des Outings des Bitcoin-Erfinders hätte man sich für den Start der Kolumne kaum ein besseres Datum ausdenken können!

Jahrelang wurde darüber spekuliert, wer sich hinter dem Psyeudonym Satoshi Nakamoto verbirgt – wer also die Kryptowährung Bitcoin erdacht hat. Nun hat sich der australische Professor und Tech-Entrepreneur Craig Wright als Bitcoin-Erfinder identifiziert. Diese Behauptung wird jedoch immer wieder angezweifelt. Inzwischen ist Wright wieder aus der Öffentlichkeit verschwunden.

Hintergrund

Bereits Ende 2015 hatte Gizmodo nach monatelanger Recherche die Behauptung aufgestellt, Craig Wright stecke zusammen mit einem im Jahr 2013 verstorbenen amerikanischen IT-Forensik-Experten hinter der Entstehung der Kryptowährung Bitcoin. Diese Aussage wurde vor wenigen Tagen von Wright bestätigt; viele Kommentatoren hatten allerdings noch immer Zweifel daran, dass Wright wirklich die Schlüssel zum Bitcoin-Königreich in der Hand hält.

Seitdem Gizmodo und Wired die Identität Wrights aufdeckten, tauchten immer wieder Ungereimtheiten in der Geschichte des Australiers auf. Darum wurde wiederholt der Verdacht geäußert, dass Wright sich in Wahrheit nur einen Scherz erlauben würde. In seinem inzwischen gelöschten LinkedIn-Profil behauptete er beispielsweise, dass ihm PhD-Titel in Computer Science von der Sydney’s Charles Sturt University (CSU) verliehen wurde. Dies dementierte die Universität jedoch gegenüber dem Forbes-Magazin. Solche Ungereimtheiten spielen in der aktuellen Debatte zwar nur eine untergeordnete Rolle – dennoch äußerten auch Verschlüsselungs-Experten Zweifel an Wrights Urheberschaft.

Craig Wright selbst hat in einem Blogpost und in Interviews mit der BBC, GQ und The Economist bestätigt, dass er hinter der digitalen Währung stecke. Auf Vimeo findet sich beispielsweise das folgende Interview:

Bildschirmfoto 2016-05-06 um 13.17.52

Wright lieferte technologische Beweise für diese Behauptung, inklusive den originalen Encryption-Keys. Nach den Enthüllungen von Gizmodo und Wired war das nun bereits das zweite mal, dass der Tech-Entrepreneur als Gesicht mit Satoshi in Zusammenhang gebracht wurde. Die Berichte aus dem Dezember vergangenen Jahres beriefen sich auf einen inzwischen gelöschten Blogpost sowie Dokumente und E-Mails.

Satoshi oder nicht?

Kurz nachdem der australische Professor an die Öffentlichkeit gegangen war, veröffentlichte der Bitcoin-Entwickler Gavon Andresen einen Blogpost mit dem Titel „Satoshi“, in dem er Wrights Aussagen unterstützt.

I believe Craig Steven Wright is the person who invented Bitcoin.
– Gavin Andresen

In einem Video, das von der BBC auf Twitter geteilt wurde, erklärt Wright indes, dass er eigentlich nur in Ruhe gelassen werden möchte.

„Some people will believe, some people won’t and to tell you the truth I don’t really care,” Wright said. “I don’t want money, I don’t want fame, I don’t want adoration. I just want to be left alone.“
Craig Wright

In einem eigenen Blogpost erklärte Wright außerdem, dass er durch die Distanzierung von der öffentlichen Person Satoshis all seine Energie in die Forschung stecken konnte. Er sei still gewesen, aber nicht abwesend, sondern habe mit einer Gruppe außergewöhnlicher Menschen an einem Projekt gearbeitet, das sie veröffentlichen würden, sobald es fertig sei.

„Satosho is dead. But this is only the beginning.
– Craig Wright

Der Professor erklärte außerdem, wie der Verifikationsprozess eines Sets kryptografischer Schlüssel funktioniert. Trotz dieser technischen Beweise zweifelten viele Menschen noch immer an einer Verbindung zwischen Wright und dem gesichtslosen Erfinder der Bitcoins. The Economist befand, dass zur Bestätigung seine Urheberschaft ein „mehrstufiger Vaterschaftstest“ notwendig sei.

„Satoshi is dead“

Gavin Andresen berichtete, dass Craig Wright während ihres Treffens viele Geheimnisse rund um Satoshi aufklären konnte, inklusive der Frage danach, warum dieser einfach von der Bildfläche verschwunden war, und was er seit 2011 gemacht hat. Wie Andresen aber weiter ausführt, werde er Dr. Wrights Privatsphäre respektieren und ihm die Entscheidung überlassen, wie viel dieser Geschichte er veröffentlichen möchte.

Infolge der anhaltenden Kritik an seinen Aussagen hat Craig Wright seine Blogposts mittlerweile aus dem Netz genommen. Wer nachlesen möchte, wie der Australier zu belegen versucht hat, dass er Satoshi ist, findet stattdessen nur noch eine Entschuldigung vor. Wright erklärt darin, er habe wirklich geglaubt, die Jahre der Anonymität und des Versteckens hinter sich lassen zu können – und dass er während der Vorbereitung des ultimativen Beweises seiner Urheberschaft zusammengebrochen sei.

„I believed that I could do this. I believed that I could put the years of anonymity and hiding behind me. But, as the events of this week unfolded and I prepared to publish the proof of access to the earliest keys, I broke. I do not have the courage. I cannot.

When the rumors began, my qualifications and character were attacked. When those allegations were proven false, new allegations have already begun. I know now that I am not strong enough for this.

I know that this weakness will cause great damage to those that have supported me, and particularly to Jon Matonis and Gavin Andresen. I can only hope that their honour and credibility is not irreparably tainted by my actions. They were not deceived, but I know that the world will never believe that now. I can only say I’m sorry.

And goodbye.“
Craig Wright

Um zu beweisen, dass Wright tatsächlich Satoshi ist, hatte er einen signierten Sartre-Text vorgelegt. Wie jedoch angemerkt wurde, ist eine Unterschrift Sartres nicht das gleiche wie ein Dokument, das mit dem Namen Sartre unterschrieben wurde. Reddit-User glauben, dass es sich um eine Replikation einer sieben Jahre alten Transaktion handelt, die innerhalb der Blockchain durchgeführt wurde und die tatsächlich auf Satoshi zurückging. Einen Beweis für Wrights Urheberschaft stelle das aber nicht dar. Auch die Frage danach, welchen „Beweis“ Wright wohl als nächstes vorlegen würde, wurde heiß diskutiert. Die Diskussion wurde auf GitHub und Twitter fortgesetzt.

Dieser Artikel wird aktualisiert, sobald es Neuigkeiten gibt.

Aufmacherbild: Photo of man wearing Vendetta mask,hooligan under hood via Shutterstock / Urheberreccht: GlebStock

Geschrieben von
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
Kommentare

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1 Kommentar auf "Geheimnis um Bitcoin-Erfinder ist gelüftet! Oder doch nicht?"

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Tom
Gast

Vielen Dank für diese tolle Artikelserie.

Freundliche Grüße