Gartner-Studie zum IoT, kapitänlose Schiffe, Streit um Bier-Drohne [M2M Minutes]

Redaktion JAXenter
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Gartner-Analysten empfehlen Dezentralisierung von IoT-Infrastrukturen – Drohnen-Logistik in Wisconsin scheitert an staatlichen Lauftraumregulierungen – MUNIN: EU-Projekt für unbemannte Seefahrt – Heute Google Hangout zu Open IoT bei Eclipse – AirBulb: Töne und Lampen per Smartphone bedienen

Gartner-Studie: 26 Milliarden Geräte bis 2020

Unter IoT-Analysten gehört es zum guten Ton, Wachstumsprognosen für das Internet der mit Zahlen jenseits des Vorstellbaren zu unterfüttern. Die wohl am häufigsten genannte Vorhersage stammt aus einer Studie, die Ericsson 2011 veröffentlichte: 50 Milliarden vernetzte Geräte, so ist darin zu lesen, soll es bis 2020 geben.

In diesem Zahlenpoker spielt auch Gartner mit: In einer neuen Studie unterbietet das Marktforschungsinstitut allerdings die Kollegen von Ericsson: Von „lediglich“ 26 Milliarden Einheiten gehen die Gartner-Analysten aus, den zu erwartenden Umsatz beziffern sie auf 300 Milliarden US-Dollar. Die Echtzeitverarbeitung der Daten werde Rechenzentren vor neue Herausforderungen stellen, so Fabrizio Biscotti, Vorsitzender der Forschungsabteilung bei Gartner. Weitere potentielle Problemfelder sieht das Institut unter Anderem in den Bereichen (Daten-)Sicherheit und Datenschutz sowie Speichermanagement und auf dem Gebiet der Servertechnologien. Die erhöhten Sicherheitsanfoderungen erfordern laut den Analysten auch ein architektonisches Umdenken. Joe Skorupa, stellvertretender Vorsitzender bei Gartner, empfiehlt eine Dezentralisierung bestehender IoT-Infrastrukturen: „Der aktuelle Trend, Anwendungen aus Kosten- und Sicherheitsgründen zu zentralisieren, ist mit dem IoT nicht vereinbar. Unternehmen werden gezwungen sein, Daten in verschiedenartigen, verteilten Mini-Rechenzentren zu aggregieren, wo eine erste Verarbeitung stattfinden kann. Erst dann werden relevante Daten zur weiteren Verarbeitung an einen zentralen Standort übermittelt“, wird er in der Pressemitteilung zitiert. In dieselbe Kerbe schlug jüngst auf der embedded world 2014 der Keynotespeaker David Kleidermacher, der eine Abkehr vom „Zentralisierungsmythos“ in IoT-Architekturen forderte. Dieser Paradigmenwechsel in Sachen Architektur wird laut den Gartner-Analysten eine stärkere Virtualisierung und einen großflächigeren Einsatz von Clouddiensten auslösen. 

Bier vs. Bürokratie: Drohne als Zankapfel zwischen Behörden und Brauerei

Selbst in den Mainstream-Medien erlangte die Amazon-Drohne vor einigen Monaten Berühmtheit. Aber noch ist Drohnen-Logistik im großen Stil Zukunftsmusik. Die technologische Realisierbarkeit ist die eine Sache; ein kaum geringeres Hindernis stellen aber derzeit noch die rechtlichen Rahmenbedingungen der Warenzustellung durch unbemannte Flugsysteme dar. Und die Mühlen der Bürokratie mahlen bekanntlich um einiges langsamer als die der Technokratie.

Die Brauerei Lakemaid Beer, in Wisconsin, USA, beheimatet, hatte mit ihrem Ende Januar veröffentlichten Werbevideo (s. unten) weltweit für Begeisterung und Staunen gesorgt: Einen ganzen Bierkasten transportiert ein Hexacopter darin vom Getränkehändler zum Kunden – und das bei frostigen Temperaturen und in einer abgelegenen Gegend. Das rief die US-amerikanische Luftfahrtbehörde FAA (Federal Aviation Administration) sogleich auf den Plan. Die pfiff die Brauerei zurück. Ihre Begründung: Jeder, der ein Fluggerät steuere, egal ob bemannt oder unbemannt, brauche zunächst eine Genehmigung von der FAA. Bis 2015 möchte die FAA Gesetze für den Vertrieb von Lebensmitteln via Drohne auf den Weg bringen. Ein aktueller Bericht auf twincities.com über das rechtliche Gerangel zwischen der staatlichen Luftraumregulierung und der lokalen Brauerei Lakemaid zeigt einen Ausschnitt aus dieser juristischen Grauzone, deren Ausmaß sich bislang nur erahnen lässt. Ein weiteres Problem, das es noch zu klären gilt, bevor Bier durch die Lüfte befördert werden kann: der Altersnachweis des Kunden.

Vom fahrerlosen Auto zum kapitänlosen Schiff: EU-Projekt MUNIN

MUNIN heißt nicht nur einer der beiden schlauen Raben Odins aus der Nordischen Mythologie. Das Wort ist auch eine Abkürzung für „Maritime Unmanned Navigation through Intelligence in Networks“. Dahinter steckt ein von der Europäischen Union gefördertes Projekt, das sich, wie der Name schon andeutet, mit unbemannten Wasserfahrzeugen beschäftigt. Immer mehr und immer sperrigere Warentransporte würden über den Seeweg abgewickelt, heißt es auf der Projektseite zum Hintergrund des Forschungsvorhabens. Gleichzeitig stehe immer weniger Schiffspersonal zur Verfügung. Um Transportengpässe zu umgehen, haben sich acht Unternehmen und Forschungsinstitute zusammengeschlossen, um unter der Ägide des Fraunhofer Center for Maritime Logistics and Services (CML) die Fernnavigation von autonom fahrenden Schiffen voranzutreiben. Neben IT-Architekturen, selbständiger Navigation und Kollisionsvermeidung steht auch die Klärung rechtlicher Fragen auf der Forschungsagenda. Das Projekt läuft seit September 2012, ist auf insgesamt drei Jahre angelegt und wird bei einem Gesamtbudget von 3,8 Millionen Euro mit 2,9 Millionen EU-Geldern gefördert. Im Sommer 2015 sollen im Rahmen einer öffentlichen Abschlussveranstaltung die Forschungsergebnisse präsentiert werden.

IoT Google Hangout von und auf der EclipseCon

Auf den meisten Technologiekonferenzen ist M2M/IoT mittlerweile angekommen, bei vielen bekommt der Themenbereich sogar ein eigenes Panel oder gar eigene Unterveranstaltungen. So geschehen auf der diesjährigen MobileTech Conference, die in dieser Woche in München stattfindet, oder auf der JAX 2014. Mit der Internet of Things Conference in Berlin findet Anfang September die erste IoT-Konferenz im deutschsprachigen Raum statt. Auch auf der EclipseCon North America wurde gestern ein ganzer Tag dem IoT gewidmet. Wer nicht dabei sein konnte, hat heute ab 11 Uhr kalifornischer und 20 Uhr mitteleuropäischer Zeit die Gelegenheit, sich per Google Hangout mit IoT-Experten auf der EclipseCon kurzzuschließen. Diese Open IoT Hangouts sind mittlerweile eine regelmäßige Institution der Eclipse Foundation und stehen allen offen, die sich für Open-Source-Technologien im Internet der Dinge interessieren.

Bluetoothmagie für Synästheten: AirBulb

Das Sicht- und das Hörbare sind in unserem Crowdfunding-Projekt der Woche fast untrennbar miteinander verbunden: AirBulb setzt such aus einer LED-Lampe und einem drahtlosen Lautsprecher zusammen, die gemeinsam über Android- oder iOS-Geräte per Bluetooth bedient werden können. So lassen sich beispielsweise Alarme mit Audio- und Lichtsignal einstellen oder Anrufern nicht nur verschiedene Klingeltöne, sondern auch unterschiedliche Beleuchtungsmuster zuordnen. Um ein AirBulb-System einzurichten, schraubt man die LED-Lampe in eine herkömmliche Lampenfassung, lädt sich die App herunter und verbindet die Geräte miteinander. Der mechanische Orginalschalter der Lampe kann natürlich weiterverwendet werden. AirBulb ist Bluetooth-4.0-kompatibel und unterstützt auch die Bluetooth-3.0-Profile A2DP, AVRCP, HFP und HSP. Unterstützer erhalten für 59 US-Dollar ein AirBulb-Standard-Set als Dankeschön. Die Kampagne läuft noch 38 Tage.

 

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