Game of Drones: Die Matternet-Vision vom Internet der fliegenden Dinge

Revolutionär humanitär?

Das Bemerkenswerte ist also, dass in diesen benachteiligten Regionen der Erde nicht trotz, sondern gerade wegen fehlender Infrastruktur innovative Logistiksysteme dieser Art buchstäblich zum Tragen kommen. Ray Kurzweil, Vater des „Singularity-Konzepts„, Mitbegründer der Matternet-Geburtsstätte Singularity University und seit Kurzem Director of Engineering bei Google, kommentierte:

The developed world has a huge lead over the developing world in infrastructure but our strategy should be to leapfrog these already obsolete and crumbling systems with 21st century solutions. That’s what we did with phone systems as developing societies went right to wireless and will never put in a wired land line system. Bits are already being widely distributed to emerging economies. Matternet will do that for atoms.

Die Schubkraft für einen solchen „Leapfrog“ – also ein Überspringen einer oder mehrerer Entwicklungsstufen – könnten auch andere State-of-the-art-Technologien liefern. So ist Swati Prasad von zd.net überzeugt, dass gerade die ländlichen, abgeschiedenen Regionen Indiens von modernen M2M-Standards profitieren würden. Nicht zu vergessen sind pädagogische Initiativen wie „One Laptop Per Child“ oder das Tablet-Experiment in Wenchi, Äthiopien, die künftig den Mangel an Bildungseinrichtungen in dünn besiedelten und schwer erreichbaren Regionen der Erde kompensieren könnten. Die Matternet-Gründer befinden sich mit ihrer Vision also in guter Gesellschaft: Sie sind bei Weitem nicht die einzigen Technologieschaffenden, die in der rasanten Entwicklung mobiler Technologien und dem Ausbau drahtloser Kommunikationsnetze enorme Aufholchancen für benachteiligte Regionen der Erde sehen.

Hightech aus dem 21. Jahrhundert statt Infrastruktur aus dem 20. Jahrhundert – sehen so also die Entwicklungshilfeprogramme der Zukunft aus? Mehr noch: Werden sie die jetzigen Low-Tech-Staaten auf die Überholspur befördern? Für junge Startups wie Matternet oder ARIA tun sich jenseits der industrialisierten Welt jedenfalls allerhand Anwendungsszenarien auf – aber auch Projektionsflächen für Luftschlösser und utopische Weltverbesserungsbestrebungen, wie manch ein Skeptiker einwenden mag. Trotz der guten Absichten ist außerdem nicht zu verleugnen, dass auf diese Weise neue Abhängigkeiten zwischen Helfern und Hilfeempfängern entstehen. Solange die Technologien jedoch mit Bedacht und Fingerspitzengefühl und nicht zum Selbstzweck eingesetzt werden, sollte Matternets Vorstoß in unberührtes geographisches und logistisches Terrain jedoch nicht allzu viel Gegenwind erfahren. Und bisher hat es die Gründer-Quadriga des jungen Startups auch nicht versäumt zu betonen, dass in ihrer Vision technologische Innovation und Zweckgebundenheit Hand in Hand gehen.

Bilder: Matternet

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