JAX Countdown

"Fünf Gründe, Scrum hinter sich zu lassen" – JAX Countdown zum Early Bird

Hartmut Schlosser

Mit großen Schritten nähern wir uns wieder einmal unserem Java-Gipfeltreffen: Die JAX 2012, die Konferenz für Java, Architektur, Agile und Cloud, findet vom 16. bis 20. April in der Mainzer Rheingoldhalle statt. Wir starten diese Woche deshalb mit unserem JAX-Countdown, in dem ausgewählte JAX-Sprecher exklusiv über ihr Steckenpferd-Thema berichten. Den Anfang macht Sebastian Bauer von der Inovex GmbH, der uns erklärt, wann Scrum in ein Projektteam passt und wann nicht.

Alle, die sich für die JAX interessieren, seien hier noch auf eine Vorteilsaktion hingewiesen: Wer sich bis zum 16. März für die Hauptkonferenz anmeldet, kommt in den Genuss des Frühbucherrabatts „Early Bird„, bei dem sich bis zu 330 Euro einsparen lassen. Alle Infos unter:

JAXenter: Hallo Herr Bauer! Auf der JAX werden Sie uns „Fünf Gründe, Scrum hinter sich zu lassen“ verraten. Das klingt ja ganz so, als hätten Sie schon schlechte Erfahrungen mit Scrum gemacht?

Sebastian Bauer: Schlechte Erfahrungen habe ich mit Scrum keine gemacht, nein. Eher die typischen schmerzhaften Erfahrungen mit Scrum aufgrund der schonungslosen Transparenz. Mir geht es vielmehr darum aufzuzeigen, wann es legitim sein kann, Scrum hinter sich zu lassen, und wann nicht. In vielen Teams oder Unternehmen, in denen Scrum eingeführt wird, ist man ziemlich schnell der Überzeugung, alles richtig zu machen und schnell den unbequemen Ballast in Scrum loszuwerden. Dabei fliegen Retrospektiven über Bord, Timeboxes werden als obsolet angesehen, und man rühmt sich damit, schon lange über Scrum hinaus zu sein. Tatsächlich aber haben viele Teams zu dem Zeitpunkt noch nicht verstanden, welchen Hintergrund manche Werkzeuge in Scrum haben. Es bedeutet also einen Rückschritt.

Im Gegenzug gibt es aber ebenso Teams, die Scrum regelrecht leben, höchst produktiv sind, und doch durch das Regelwerk in ihrer Produktivität eingeschränkt werden können. Das ist zwar eine provokante These, aber je nach Umfeld des Teams tatsächlich der Fall. Genau solche Umstände möchte ich aufzeigen, Indikatoren, wann ein Team so weit ist, kein Scrum mehr zu benötigen, und vor allem wann es legitim sein kann, etwas anderes zu probieren.

JAXenter: Dann stellt sich natürlich gleich die Frage: Wann passt Scrum in ein Projektteam – und vor allem: wann nicht?

Sebastian Bauer: Grundsätzlich kann wohl jedes Projektteam von Scrum profitieren. Wann es nicht in ein Projektteam passt, ist tatsächlich die interessantere Frage. Denn damit geht es letztlich um die selben Ursachen, warum Scrum in vielen Fällen scheitert: Scrum ist ein revolutionärer Ansatz, der Veränderungen erzwingt, und wenn diese blockiert werden, wird Scrum sehr wahrscheinlich nicht funktionieren. Das ist also die eine Seite. Natürlich kann man sich in dem Fall auch die ein oder anderen Ideen von Scrum abgucken, aber nur weil man nun iterativ in Sprints arbeitet oder ein tägliches Stand Up Meeting macht, soll man das bitte nicht Scrum nennen.

Anderseits gibt es aber auch eine Seite, bei der man sagen könnte, Scrum passt tatsächlich nicht. Nämlich wenn es darum geht, dass Menschen Freiheit und Verantwortung als Qual empfinden. Diese Menschen gibt es, und wenn die Mehrheit eines Projektteams aus solchen Menschen besteht, wird es schwierig, die Menschen mehrheitlich zu etwas zu zwingen, das sie nicht wollen. Das agile Manifest sagt, Individuen stehen über Prozessen und Tools, das sollte dann auch hier gelten. Natürlich sollten trotzdem die Ursache hinterfragt werden, oft sind es nur einfache Ängste, die damit zusammenhängen.

JAXenter: Wenn Scrum nicht praktikabel durchführbar ist, muss man dann ganz auf agile Softwareentwicklung verzichten?

Sebastian Bauer: Nein, das muss man sicherlich nicht, allerdings wird es auch da nicht einfach. Sind die Schwierigkeiten etwa auf Seite des Unternehmens, wird es nicht einfach, diesen „freiheitlichen agilen Spirit“ zu verbreiten. Beim Begriff „Agilität“ sehe ich vor allem das Mindset dahinter, das lässt sich völlig unabhängig vom Prozess verinnerlichen. Agile Softwareentwicklung, also iteratives Vorgehen, ständiges Streben nach Verbesserung etc. lässt sich ebenso erlernen. Dafür kann es reichen, sich einfach am Framework Scrum als Werkzeugkasten zu bedienen. Wie weiter oben bereits gesagt, kann man dadurch aber schnell sehr Elementares übersehen.

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Hartmut Schlosser
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