Frühaufsteher versus Nachteulen – wer hat die Nase vorn?

Michael Thomas
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Die Frage, ob man zu den Frühaufstehern oder den Nachteulen gehört, ist wohl eines der klassischen Smalltalk-Themen schlechthin. Dabei wird Frühaufstehern gerne ein sonniges Gemüt und Nachteulen eher eine, insbesondere morgendliche, Schwermut unterstellt – und das nicht ganz zu unrecht.

Frühaufsteher sind glücklicher

So fand die Studie „Happy as a Lark: Morning-Type Younger and Older Adults Are Higher in Positive Affect“ der University of Toronto deutliche Hinweise darauf, dass Frühaufsteher tatsächlich die glücklicheren und zufriedeneren Menschen sind. Dies gilt dabei nicht nur für das morgendliche Befinden, sondern auch für die allgemeine Lebenszufriedenheit. Doch nicht nur emotionale Vorteile wurden gefunden: So konnten die Teilnehmer der Studie auch einen subjektiv besseren Gesundheitszustand vorweisen. Die Forscher führen diesen Umstand darauf zurück, dass das Immunsystem durch den generell längeren und erholsameren Schlaf der Frühaufsteher gestärkt wird. Einen weiteren Grund für das im allgemeinen schlechtere Abschneiden von Nachteulen verorten die Wissenschaftler in einer Art „sozialem Jetlag“, dem diese unterworfen sind: Meist sind sie gezwungen, früher aufzustehen als sie eigentlich wollen; der mangelnde Schlaf führt zu einer negativen Grundstimmung.

Die Studie konnte zudem ein weiteres Klischee untermauern: das des mit dem ersten Hahnenkrähen aus dem Bett springenden Rentners. So neigen Menschen mit zunehmendem Alter tatsächlich dazu, immer früher aufzustehen. In der Kohorte der über 60-Jährigen gehört demnach der Großteil der Menschen dieser Gruppe an, während gerade einmal 7 Prozent der jungen Erwachsenen den Frühaufstehern zugerechnet werden können.

Nachteulen zeigen antisoziale Persönlichkeitsmerkmale

In scharfem Kontrast zu den für Frühaufsteher positiven Erkenntnissen der kanadischen Forscher stehen die Ergebnisse der Studie „Creatures of the night: Chronotypes and the Dark Triad traits“ der University of Western Sydney. Denn den australischen Forschern zufolge zeigen Nachteulen deutlich häufiger Anzeichen der sogenannten „Dunklen Triade“, einem psychologischen Persönlichkeitskonstrukt, das die drei Persönlichkeitstypen Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie umfasst. Charakteristisch für Psychopathie ist beispielsweise eine reduzierte Empathie und eine Neigung zu antisozialem Verhalten, während Menschen mit machiavellistischen Zügen manipulative und ausbeuterische Verhaltensweisen an den Tag legen.

Etwas seltsam mutet der Vergleich der Forscher von Nachteulen mit nachtaktiven Raubtieren an: Ebenso wie diese nutzen Nachteulen angeblich das Zwielicht und die Nachtstunden, während denen andere Menschen schlafen bzw. verminderte kognitive Funktionen aufweisen, um ihr „Potential“ auszuschöpfen. Die Forscher vermuten einen „evolutionären Rüstungswettlauf“ am Werk und sehen in der „Dunklen Triade“ eine Repräsentation spezieller Adaptionen von Trägern entsprechender Persönlichkeitsmerkmale, um Repressalien von Mitmenschen zu entgehen. Die Dunkelheit biete Schutz vor Entdeckung und befördere beispielsweise zwanglose Schäferstündchen, Untreue und Risikobereitschaft. Ein möglicher Zusammenhang zwischen antisozialen Persönlichkeitsmerkmalen und der Dunkelheit zeige sich darin, dass die meisten sexuellen Tätigkeiten und Verbrechen bei Nacht stattfinden.

Eine Antwort auf die Frage, ob es sich hierbei nicht nur um eine bloße Scheinkorrelation handelt, bleibt die Studie zwar schuldig. Behalten Sie die wenig schmeichelhaften Ergebnisse jedoch besser im Hinterkopf, wenn Ihnen das nächste Mal ein Kollege erzählt: „Ich habe die ganze Nacht durchprogrammiert!“

Aufmacherbild: The Boreal Owl at night von Shutterstock.com / Urheberrecht: mycteria

Geschrieben von
Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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