Frameworks nutzen oder nicht?

Michael Thomas

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„Frameworks sind im Grunde überflüssig“: Diese durchaus kontroverse Ansicht legte der IT-Guru Robert C. Martin vor wenigen Monaten in einem vielbeachteten Blogpost dar. Eine Meinung, die Nicolas Frankel, IT-Berater und Autor des Buches „Learning Vaadin“, nicht so recht teilen mag.

Wie Martin in seinem Blogpost „Make the Magic go away“ schreibt, werden Frameworks im Grunde nicht benötigt: Letzten Ende, so seine Ansicht, sind sie auch nichts weiter als guter alter Code – und meistens deutlich mehr davon, als man eigentlich benötigt, weshalb Martin auch empfiehlt, den benötigten Code im Zweifelsfall einfach selbst zu schreiben.

Eine Meinung, die der IT-Berater Nicolas Frankel nicht unwidersprochen stehen lassen kann. Für ihn sind Frameworks schon allein deshalb sinnvoll, weil sie Zeit sparen, ergo ihren Nutzer produktiver machen. Zwar wären auch Frankels Ansicht nach viele Programmierer dazu in der Lage, eigene Bibliotheken zu schreiben. Doch wie er anmerkt, fehlt es den meisten Projekten dafür an Zeit und Budget.

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Ein generelles, nicht unerhebliches Problem im Zusammenhang mit Frameworks sieht Frankel in dem Umstand, dass so manche Entwickler und Organisationen an dem Not-invented-here-Syndrom leiden: Sie werten bereits existierendes Wissen ab oder strafen es mit Mißachtung. In diesem Beispiel hieße das, dass sie lieber ihr eigenes Framework schreiben, weil sie glauben, das zugrundeliegende Problem besser zu verstehen – eine Annahme, an dessen Ende Frankel zufolge allerdings nur selten ein wirklich brauchbares Endprodukt steht.

Welches Framework ist das richtige?

Hat man dem „NIH-Virus“ erfolgreich widerstanden, folgt die nächste Hürde: Bei der Auswahl der passenden Frameworks – wobei er empfiehlt, zumindest eine handvoll in verschiedenen Anwendungsdomänen genauer zu kennen – spielt für Frankel insbesondere die Frage, ob sie auch anständig gepflegt werden und ihre Existenz damit längerfristig gesichert ist, die Hauptrolle. Wichtige Eckdaten sind für ihn dabei u. a. die Anzahl der Committer, die Häufigkeit der Commits, sowie die Größe und Aktivität der Community.

In einem Punkt stimmt Frankel mit Martin zwar überein: Jeder Programmierer sollte ein gewisses Verständnis davon haben, was „unter der Haube“ vor sich geht. Bis zur Ebene des Maschinencodes muss dieses für ihn jedoch nicht unbedingt reichen. Schlussendlich empfiehlt Frankel trotz seiner generellen Befürwortung von Frameworks jedem Entwickler, für sich selbst zu entscheiden, ob – und wenn ja in welchem Kontext – die Nutzung eines solchen Programmiergerüsts sinnvoll ist.

Aufmacherbild: Scales of Justice, Weight Scale, Balance von Shutterstock.com / Urheberrecht: www.BillionPhotos.com

Geschrieben von
Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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