Forresters düstere Zukunftsprognose für Java

Hartmut Schlosser

Die Zukunft von Java ist erneut Thema eines Analysten-Berichtes geworden. Forresters John R.Rymer sieht Javas Zukunft im Enterprise-Bereich zwar lebendig aber durchaus begrenzt. Wie kommt er dazu?

Interessant zunächst, wie Rymer die Auswirkungen der Sun-Übernahme durch Oracle bewertet. Das Java-Ökosystem, wie es die letzten 11 Jahre Bestand hatte, werde sich durch die sich abzeichnende Oracle-Strategie grundlegend verändern, meint Rymer.

Charakteristisch für diese Strategie sei es, dass Oracle die Innovation der Java-Kernplattform zentral steuern wolle. Externe Beiträge seien willkommen, doch nur solange sie mit den von Oracle gesetzten Prioritäten vereinbar seien.

Das OpenJDK-Projekt werde weiterhin an die von Oracle kontrollierte Vergabe der TCK-Test-Lizenzen gebunden bleiben – und damit nicht wirklich offen geführt. „OpenJDK is not open in spirit“, sagt Rymer, weshalb auch die Apache Software Foundation den JCP verlassen habe.

Der JCP sei indes ein Auslaufmodell. Rymer prophezeit, dass Oracle eine Alternative etablieren werde, die die Fiktion des JCP als offener Prozess zur Standardisierung der Java-Plattform endgültig beenden werde.

The result will be total domination of Java’s evolution by Oracle and IBM. John R.Rymer

Java – das neue Cobol?

Angesichts dieser Entwicklung werde sich der Wettbewerb auf den Bereich der Frameworks verlagern, mit einem Schwerpunkt auf den Enterprise-Sektor.
Immer seltener komme Java auf der Client-Seite zum Einsatz, was dazu führe, dass immer weniger junge Entwickler Java als erste Programmiersprache erlernten. JavaScript und HTML 5 hätten in Bildungsinstitutionen zukünftig bessere Karten – und Java gehe damit, wie seinerzeit Cobol, dem Schicksal einer rein Server-seitigen Sprache für den Enterprise-Bereich entgegen.

Der vitale Innovationsdrang von Open Source Communities, die wenig von Oracles Java-Strategie profitierten, werde sich indes andere Wege suchen. Insbesondere kleinere Unternehmen, denen mit Oracles Enterprise-Fokus nicht gedient sei, würden sich anderen, offeneren Plattformen zuwenden.

Rymer zieht das Fazit, dass Oracles Java-Strategie insgesamt nicht ausreichend sei, um der inhärenten Komplexität der Java-Plattform – für Rymer die Achillesferse von Java im Vergleich mit Microsofts .NET-Plattform – gerecht zu werden. Das Top-Down-Innovationsmodell werde zudem Javas Rolle als Basis für Cloud-Lösungen und Rich Internet Applications beeinträchtigen.

Anmerkungen

Rymers Deutung der Ereignisse nach der Sun-Übernahme ist nicht ohne Treffsicherheit. Diskussionsbedarf besteht allerdings bei den von Rymer vorhergesagten Folgen für das Java-Ökosystem als ganzes. Dieses Ökosystem besteht seit Jahren schon aus einer Vielzahl unterschiedlichster Player, von etablierten Großunternehmen über innovative Start-Ups bis hin zu begeisterten Individual-Committern, die alle ihre Beiträge zur Entstehung innovativer Lösungen auf Basis der Java-Kernplattform leisten.

Die Rolle der Kernplattform für dieses multipolare Innovationsumfeld wird von Rymer womöglich überschätzt. Bezeichnend ist auch die Tatsache, dass das Android-Modell, welches gerade im Begriff ist, den Java-Client-Bereich neu zu erfinden, nicht Teil Rymers Analyse ist.

Treffend lautet deshalb die Überschrift eines Kommentators:

Yet another doom and gloom prediction…

Wie sehen Sie die Bedeutung der Java-Kernplattform für das Gedeihen des Java-Ökosystems?

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Hartmut Schlosser
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