Flexible Architekturen: Mit Handwerkskunst zukunftssichere Systeme bauen

Es fehlte noch etwas. Etwas, das uns dazu bringen würde, unser Wissen auch anzuwenden. Wir fanden dieses fehlende Puzzleteil in der Berufsehre. Wir wollten nur noch Code in den Produktivbetrieb entlassen, auf den wir stolz sein konnten. Das war leichter gesagt als getan, weil das einen Kulturwechsel bedeutete. Das Management kommunizierte immer wieder die Forderung nach Code, auf den man stolz sein kann. Und als die Teams begannen, dieses Motto auch umzusetzen, wurde es für das Management sehr unangenehm: Die Teams gerieten mit den Terminen ins Hintertreffen, und das Management musste immer häufiger beim Kunden vorstellig werden und Terminverschiebungen verkünden. Natürlich brachte das auch erstmal Ärger mit den Kunden ein. Aber mit der Zeit konnten die Kunden davon überzeugt werden, dass die Terminverschiebungen aus qualitativen Gründen notwendig waren. Und so akzeptierten sie dieses notwendige Übel. Gleichzeitig wurde das Management immer geübter in der Kommunikation dieser Nachrichten. Mit der Zeit zahlte sich der Kulturwandel aus. Terminprobleme gab es immer seltener, und die interne Qualität der entwickelten Systeme stieg merklich an. Wir hatten das Ziel erreicht: Wir wurden wissend und bedacht.

Berufsehre als Startpunkt

Wir sind also bei waghalsig und unwissend gestartet und haben uns über waghalsig und wissend bis zu bedacht und wissend durchgekämpft. Wenn man in der Tabelle die letzte Zelle ergänzt, steht dort bedacht und unwissend. Das würde bedeuten, dass Berufsehre existiert, aber Entwicklungstechniken und Entwurfsprinzipien nicht ausreichend verstanden sind.

Tatsächlich bin ich der Meinung, dass in den meisten Fällen ein anderer Weg als unserer effektiver ist: von waghalsig und unwissend über bedacht und unwissend hin zu bedacht und wissend. Beginnt man hingegen wie wir mit dem Wissen, läuft man Gefahr, viel Aufwand in eine Ausbildung zu investieren, die niemals ernsthaft angewendet wird. Bedacht agierende Teams hingegen können ihre Unwissenheit erkennen. Und so werden sie selbst zur treibenden Kraft hinter der Ausbildung in Richtung wissend.

Craftsmanship

In der letzten Zeit ist der Begriff des Craftsmanships in der Softwareentwicklung ins Interesse vieler Diskussionen geraten [1]. Darunter wird die oben beschriebene Kombination aus Wissen/Können und Berufsehre verstanden. Robert Martin hat sogar vorgeschlagen, das agile Manifest [2] um eine fünfte Wertaussage zu ergänzen [3]: Craftsmanship over Execution (Ursprünglich hatte Robert Martin eine andere Formulierung gewählt: „Craftsmanship over Crap“. Er formulierte die Aussage um, weil im agilen Manifest die Dinge auf der rechten Seite auch immer einen gewissen Wert haben.) Diese Ergänzung halte ich ebenfalls für sinnvoll.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.