Flash Builder 4: "Das Warten hat sich gelohnt" - JAXenter

Flash Builder 4: "Das Warten hat sich gelohnt"

Claudia Fröhling

Letzte Woche hat Adobe Flex 4 und Flash Builder 4 veröffentlicht. Das Open Source-Entwicklungsframework soll in seiner neuesten Version die Entwicklung von Rich Internet Applications noch einfacher machen, verspricht Adobe. Was RIA-Entwickler zu erwarten haben, besprechen wir im Interview mit Florian Müller, dessen Buch „Flash Builder 4 und Java“ in Kürze bei Entwickler.press erscheinen wird. Das selbe Thema wird übrigens auch in seiner Session auf der JAX 2010 in Mainz behandelt.

JAXenter: Flash Builder 4 steht seit kurzer Zeit endlich als Final Release zur Verfügung – hat sich das Warten gelohnt?

Flash Builder 4 und Java

Ab Juni verfügbar! Das Buch führt Sie in die Erstellung von Rich Client Lösungen mit Adobe Catalyst, Flash Builder 4 und Java ein. Dabei wird jeder Schritt des Entwicklungsprozess durchlaufen und mit zahlreichen Beispielen unterlegt.

Florian Müller: Ich würde sagen das Warten hat sich auf jeden Fall gelohnt – gerade für Flex-Java Neueinsteiger bietet die neue Version einen exzellenten Einstiegspunkt in die Flex-Technologie, da viele „konfigurationslastige“ Teile durch einfache Wizzards ersetzt wurden. Das gesamte Binding einer Flex-Oberfläche an eine Java-Klasse kann jetzt erstellt werden, ohne dass dabei einer Zeile ActionScript erstellt wird! Darüber hinaus muss man Flash Builder stets im Gesamtkontext der Adobe Produktpalette sehen: Flash Catalyst liegt zwar nach wie vor als Beta-Version vor, es ist jedoch bereits jetzt absehbar, dass Adobe an dieser Stelle mit einem revolutionären Ansatz in die Entwicklung von Rich-Client-Oberflächen in den Markt einschlagen wird: es gibt ganz einfach keine Komponentenlimitierungen mehr, wenn eine Komponente fehlt oder nicht den Anforderungen entspricht, wird diese einfach mit Photoshop gemalt und in eine Flex-Komponente übersetzt!

JAXenter: Was sind weitere Highlights des Release?

Florian Müller: Im Bereich „Daily Business“ eines Entwicklers hat sich viel getan: es ist beispielsweise (endlich!) möglich GETTER- und SETTER-Methoden zu generieren, das spart viel Zeit und führt hoffentlich dazu, dass die „…ich deklariere alles als public, dann brauch ich keine GETTER/SETTER…“-Mentalität abgelegt wird und Flex ein ganz ordentliches Stück objektorientierter wird. Auch Refactoring ist jetzt möglich, Umbenennen von Member-Variablen beispielsweise musste zuvor immer via „search & find“ ausgeführt werden – das geht jetzt wesentlich einfacher. Insgesamt sind es die kleinen Dinge die die gesamte Flash Builder IDE deutlich verbessert haben und dazu beitragen, dass Flex-Entwickler noch mehr Spaß an ihrer Arbeit haben! Aus Sicht eines Java-Entwicklers fühlt sich die gesamte IDE jetzt deutlich mehr nach Eclipse an als zuvor.

JAXenter: Die Konkurrenz schläft nicht und in den Microsoft und Sun/Oracle Lagern wird auch kräftig entwickelt – wie schätzt Du basierend auf dem Flash Builder 4 Release Adobes Position im momentanen RIA Markt ein?

Florian Müller: Grundsätzlich muss man immer aufpassen, dass man an dieser Stelle nicht Äpfel mit Birnen vergleicht. Wenn ein Kunde eine komplette Microsoft-Infrastruktur im Einsatz hat, wird Adobe keine ernsthafte Konkurrenz darstellen, da es ganz einfach nicht zur Debatte steht und Silverlight quasi „gesetzte Technoologie“ ist. Wenn es jedoch darum geht, ein klassisches „Green Field“
Projekt umzusetzen, hat Adobe einen großen Schritt nach vorne gemacht, die Konkurrenz jedoch keineswegs abgeschüttelt. Der Ansatz den Designer im gesamten Entwicklungsprozess einer RIA-Anwendung zu integrieren ist allerdings ein Novum und an dieser Stelle hat Adobe definitiv die Nase vorne. Es darf jedoch auch nicht vernachlässigt werden, dass es noch ein Welt hinter dem Oberflächen Design gibt, nämlich die reine Flex-Welt: die glänzt momentan leider nicht ganz so sehr wie die Oberfläche, mit ein wenig Eigeninitiative und Aufräumarbeiten kann jedoch auch im reinen Flex-Bereich Ordnung geschaffen werden – wünschenswert auch im Hinblick auf weitere Releases ist es genau diese Problematik zu adressieren und die Qualität des generierte Codes zu verbessern.

JAXenter: Was sollte (soweit sich das nach ein paar Tagen beurteilen lässt) innerhalb der Flash Builder IDE verbessert werden?

Florian Müller: Die Flash Builder IDE läuft jetzt richtig schön rund – daran gibt es nichts zu rütteln. Sicherlich gibt es noch kleine Stellen, an denen gefeilt werden könnte, beispielsweise die Integration einer direkten ASDoc Export Funktion statt selbst ein external Tool konfigurieren zu müssen, das Gesamtkonzept passt aber auf jeden Fall. Verbesserungspotential sehe ich noch in der Schnittstelle Catalyst zu Flash Builder. Wenn die Codequalität und Architektur der daraus resultierenden Applikation noch verbessert wird, dann stimmt das Gesamtpaket und Adobe läuft nicht in die Gefahr, die alten Script-Monster-Applikationen zu exhumieren…

JAXenter: Was empfiehlst Du, um möglichst schnell mit Flash Builder 4 durchzustarten?

Florian Müller: Nach wie vor ist Vorsicht geboten was den gesamten Workflow inklusive Catalyst angeht, Catalyst liegt immer noch als Beta vor – wer genau weiß was er tut und wie Catalyst generierter Code „gepimpt“ werden kann, der kann bereits jetzt mit Volldampf loslegen. Allen anderen empfehle ich vorerst innerhalb der Flash Builder IDE zu verharren, nach wie vor ist es natürlich möglich „Old School“ Flex Anwendungen (Stichwort Halo) zu erstellen und dabei von den hier genannten Fetaures zu profitieren. Sobald Flash Catalyst offiziell veröffentlicht wird, ist bestimmt auch mein neues Buch fertig dass jedem den Einstieg in die neue Flash Builder Welt erleichtern soll, ein Grund mehr noch zu warten! 😉

Florian Müller arbeitet als Solution Architekt mit dem Schwerpunkt „SAP UI Technologien“ für den SAP Dienstleister Resource AG Schweiz (http://www.resource.ch). Darüber hinaus betreibt Florian die Plattform richability (www.richability.com), wo regelmäßig über neuste Erkenntnisse aus dem Bereich Frontend Technologien & Entwicklung informiert wird. Sie erreichen ihn via Florian.Mueller@richability.com.

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Claudia Fröhling
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