Interview mit Lutz Lange, Solution Architect bei Red Hat

Kubernetes in Serverless: „Function as a Service befindet sich noch in den Kinderschuhen“

Dominik Mohilo

Lutz Lange

Kubernetes hat sich seinen Platz im Mainstream redlich verdient. Doch auch das Ökosystem wächst: Knative – mit dem sich Kubernetes Serverless betreiben lässt, ist auf der Bildfläche erschienen. Im Interview mit Lutz Lange, Solution Architect bei Red Hat, sprechen wir über die neuen Entwicklungen und welche Einsatzszenarien sich nicht für Kubernetes eignen.

JAXenter: Auf dem OpenShift-Anwendertreffen haben Sie eine Einführung zu Kubernetes und der Red Hat OpenShift Container Platform gegeben. Können Sie kurz die Zusammenhänge zwischen den beiden Tools erläutern? Welche Funktionen bringt OpenShift den Kubernetes-Nutzern?

Lutz Lange: Kubernetes ist ein Open-Source-Software-Projekt. Wer einen Kubernetes Cluster nutzen möchte, braucht dafür eine Kubernetes-Distribution oder sehr viel Geduld und Zeit, um sich eine eigene Distribution zusammenzustellen. OpenShift ist die Kubernetes-Distribution von Red Hat. Bei der OpenShift Container Platform handelt es sich um eine Softwarelösung von Red Hat. Dabei nehmen wir unseren Kunden zum einen die Arbeit ab, das Kubernetes-Framework mit Leben zu füllen, wählen zum anderen notwendige weitere Softwarekomponenten aus und stellen sicher, dass alles zusammen funktioniert. Wir vereinfachen den Betrieb und die Pflege der Plattform, was besonders bei der Installation und bei Updates Zeit und Kosten spart. Red Hat OpenShift Container Platform trifft aber nicht nur konkrete Entscheidungen zu in Kubernetes Clustern benötigten Bausteinen, sondern stellt auch den S2I-(Source-To-Image)-Mechanismus bereit, der es Entwicklern leichter macht, aus Quellcode laufende Anwendungen zu erzeugen.

JAXenter: Welche Best Practices gibt es bei der Nutzung von Kubernetes, die Entwickler auf jeden Fall beachten sollten? Welche Tipps haben Sie für die Nutzung von Red Hat OpenShift Container Platform?


Function as a Service befindet sich noch in den Kinderschuhen.

Lutz Lange: Die Red Hat OpenShift Container Platform ist eine abgesicherte Umgebung. Das bedeutet auch, dass die Container nicht mit Root-Rechten laufen. Es wird jedem Nutzer dynamisch eine zufällige User-ID zugewiesen, mit der die Anwendung umgehen können sollte. Ein Entwickler muss also sein Container Image oder auch die Anwendung so bauen, dass dies möglich ist. Wer Red Hat OpenShift Container Platform noch nicht kennt, sollte sich damit beschäftigen, um die entsprechenden Infrastrukturdienste nutzen zu können. Wir haben beispielsweise einen Logging Stack sowie Lösungen zur Erfassung von Metriken integriert. Entwickler können sich für Red Hat OpenShift Container Platform also entsprechende Sidecar Patterns sparen. Solche Sidecars finden sich bei einigen Anwendungen, die für Container-Plattformen gebaut werden, um beispielsweise Überwachungsanforderungen abzubilden.

JAXenter: Kubernetes und dessen Verbreitung wächst rasant. Gibt es auch Szenarien, in denen die Nutzung eher kontraproduktiv ist?


Lutz Lange: Anwendungen in Kubernetes benötigen Container Images und Key-Value-Pair-Objekte, mit denen die Applikation, ihre Komponenten und deren Beziehungen zueinander, beschrieben werden. Es kann Fälle geben, in denen es nicht sinnvoll ist, eine Software in die Kubernetes-Umgebung zu bringen. Eine Kosten-Nutzen-Betrachtung etwa kann bei bestehender Alt-Software manchmal mit einem „Weiter-wie-bisher“-Ergebnis enden.

JAXenter: Mit Knative wird Kubernetes eine weitere Abstraktionsebene hinzugefügt. Wie ist Ihre Einschätzung dazu?

Lutz Lange: Function as a Service befindet sich noch in den Kinderschuhen. Mit Knative wird Kubernetes um ein Framework erweitert, das es ermöglicht, solche Applikationen dann auch selbst zu hosten. Aktuell ist es zu früh, um einschätzen zu können, wie wichtig Function as a Service für Applikationen in Zukunft sein wird. Es handelt sich definitiv um ein spannendes, innovatives Programmierkonzept, das nun auch auf Kubernetes-Clustern betrieben werden kann.

Wir haben am 10. Dezember zusammen mit Google, SAP und IBM angekündigt, Knative als Standard für Serverless-Technologien zu nutzen. Knative ist eine Abstraktionsebene, die Interoperabilität für Serverless Workloads in Kubernetes-Umgebungen ermöglicht. In Verbindung mit Red Hat OpenShift erhöht Knative die Portabilität von Serverless Workloads. Diese können, einmal entwickelt, in vielen verschiedenen Umgebungen ausgebracht und betrieben werden.

JAXenter: Gibt es vielleicht ein paar Tipps und Tricks für Einsteiger, die mit Kubernetes und Containern experimentieren möchten?

Aktuell ist es zu früh, um einschätzen zu können, wie wichtig Function as a Service für Applikationen in Zukunft sein wird.

Lutz Lange: Auf https://learn.openshift.com finden sich gute Hilfen für den Einstieg in die Thematik und Interessenten können sich Red Hat OpenShift Container Platform im Browser ansehen. Die Katacoda-Plattform stellt Übungen und einfache Umgebungen bereit, mit denen man OpenShift aus Anwender- und Entwicklersicht kennenlernen kann.

Wer mehr Erfahrungen aus der Betriebsperspektive sammeln will, sollte sich bis zu acht Stunden Zeit nehmen und unseren Operations Test Drive ausprobieren: https://openshift.github.io/openshift-cns-testdrive. Dabei wird ein Red Hat OpenShift Container Platform Cluster aufgesetzt und auch gleich der passende Red Hat OpenShift Container Storage dazu konfiguriert.

JAXenter: Vielen Dank für das Interview

Lutz Lange ist Solution Architect bei Red Hat.
 
 
 
 
Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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