Experten diskutieren die Zukunft der Container-Technologie

Experten-Check Container 2.0: „Wir brauchen die Klärung, was zum ersten Container-Standard gehören wird“

Hartmut Schlosser

© Shutterstock / SMSka

Container revolutionieren die Art und Weise, wie moderne Software entwickelt und betrieben wird. In einem Themen-Dossier gehen wir der Frage nach, wo wir mit den aktuellen Container-Technologien stehen und wie die nächste Stufe der Container-Revolution aussehen könnte. Im dritten Teil der Serie klinkt sich Peter Roßbach in die Diskussion mit ein.

Present and Future of Containers

DevOpsCon Logo schwarzAuf der DevOpsCon 2016 (5. bis 8. Dezember in München) wird es ein Panel geben, in dem die bisherigen Erkenntnisse beim Einsatz von Container-Technologien auf den Punkt gebracht werden. Zur Einstimmung diskutieren Experten hier im JAXenter-Dossier über die Zukunft der Container-Technologien.

Ausgangspunkt unserer Diskussion ist die Vision des Mesosphere CEO Florian Leibert, die er im Blogpost Welcome to the era of Container 2.0 ausgeführt hat:

At its simplest, Container 2.0 is the ability to run (and orchestrate) both stateless and stateful services on the same set of resources.

However, while this stateless-plus-stateful definition is accurate, easy to grasp and very powerful—especially for anyone who has built applications that connect to big data systems such as Kafka or Cassandra—even it is not comprehensive.

Realistically, delivering Container 2.0 means delivering a platform that can run application logic along with the gamut of backend services on shared infrastructure, combining all workloads onto a single platform that improves efficiency and simplifies complex operations. The collection of capabilities that modern applications require includes monitoring, continuous deployment, relational databases, web servers, virtual networking and more.
– Florian Leibert

Wir haben Peter Roßbach gebeten, diese Sichtweise zu kommentieren und uns seine Vision für eine Container-2.0-Welt zu erklären.

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„Wir brauchen die Klärung, was zum ersten Container-Standard gehören wird“

JAXenter: Hallo Peter! Stimmst du Florian Leiberts Vorstellung einer Container-2.0-Welt zu? 

Peter Roßbach

Peter Roßbach

Peter Roßbach: Zur Realisierung der Vision ist kein neuer Standard für Container-Technologien notwenig, sondern die Einigung des ersten Standards – und das wird schwierig genug. Der Artikel ist eine einzige Bestätigung, worum es denn bei der heutige Container-Technologie geht. Es scheint für Mesos ein Problem darzustellen, dass die Isolierung und Orchestrierung von Software nicht ihrem Weg folgt. Für sehr anspruchsvolle Szenarien ist Mesos eine unglaublich gute Lösung, nur wird übersehen, dass viele Aufgaben auch einfach lösbar sind. Offensichtlich wird nicht akzeptiert, welcher Wert in der Schaffung eines einfachen Standards für „Shipable Software“ und deren Orchestrierung auch kleiner Lösungen steckt.

JAXenter: Was würde aus deiner Sicht zu einer Container-2.0-Welt gehören?

Peter Roßbach: Aktuell brauchen wir erstmal die Klärung, was denn zu dem ersten Container-Standard gehören wird. Es gibt diverse Komponenten, die sich aktuell noch einer ersten Spezifikation wiedersetzen. Die OCI-Spezifikationen kommen voran, aber die kommerziellen Interessen sind schwer zu vereinbaren. Ein Teil des Marktes würde lieber anhalten und erstmal die Verwertung der Ergebnisse vorantreiben, andere mächtige Firmen wollen die Innovation nicht bremsen.

Standards für neue technische Plattformen zu schaffen, ist eine Herausforderungen, die meist mehrere Jahre dauert. Mit der Container-Technologie sind wir erst am Beginn, aber noch nie zuvor war so viel Druck auf dem Kessel, um eine Lösung schnell bereitzustellen. Die Verwendung von Clouds, die Beschleunigung des Software-Lieferzyklus und die Steigerung der Qualitätsansprüche machen die Standardisierung erforderlich, aber eben nicht schneller!

JAXenter: Wie kommen nun zur nächsten Stufe der Container-Technologien? Was fehlt hier noch?

Peter Roßbach: Als Erstes müssen wir unsere Container-Formate zum Verteilen und Ausführen, wie es die OCI Community diskutiert, verbindlich spezifizieren. Allerdings gibt es noch sehr viele Fragen zu beantworten, bevor dies gelingt. Noch gibt es fast täglich neue Erfahrungen, und wir lernen neue Use Cases kennen. Ich bin mir sehr sicher, dass die Standardisierung zum jetzigen Zeitpunkt zu früh ist und falsche Erwartungen am Markt weckt.

JAXenter: Welche aktuellen Container-Tools/Initiativen findest du am spannendsten – und warum?

Peter Roßbach: Das Docker-Ökosystem und Kubernetes sind herausragend, da sie nicht nachlassen, die Aufgaben der Erzeugung und Ausführung anspruchsvoller Systeme zu vereinfachen. Die Docker-Community erweitert in diesem Jahr den Scope für Container-Technologien auf Windows- und IoT/ARM-basierten Maschinen. Die neuesten Entwicklungen zur Docker-Orchestrierung stellen eine radikale Vereinfachung dar, ganze Schwärme von Services werden für einen Entwickler nun gestaltbar. Die Kubernetes-Community erschafft immer bessere deklarative Beschreibungen und APIs zur Steuerung einer komplexen Microservice-Plattform.

Quote Zone

Vervollständige bitte die folgenden Sätze:

Jeder Entwickler/Operator sollte sich mit Container-Technologien auseinandersetzen, weil…

…Container die Basis der meisten IT-Systeme der nahen Zukunft sind.

Jeder Manager/IT-Entscheider sollte sich mit Container-Technologien auseinandersetzen, weil…

…er auf der Basis des Container-Ökosystems schneller und zuverlässiger Geschäftswerte schaffen kann.

Ohne Container wären wir immer noch..

…in unserer Entwicklung neue Technologien zu entdecken gehemmt.

An aktuellen Container-Technologien fehlt mir noch am meisten…

…der einfache Umgang mit zustandsbehaften Komponenten, Storage, Konfiguration und die Provisionierung ganzer Maschinengruppen.

Für die Umsetzung von DevOps sind Container nützlich, weil…

sie uns einen gemeinsamen und einfachen Standard zur verteilen Ausführung von fast beliebiger Software geschenkt haben.

Peter Roßbach

Peter Roßbach

Peter Roßbach ist freiberuflicher Systemarchitekt und Coach zahlreicher Webanwendungen. Sein besonderes Interesse gilt der Entwicklung von komplexen Informationssystemen, einschließlich der Gestaltung und Realisierung von testgetriebenen Prozessen. Seit 1997 ist Peter Roßbach im Bereich HTTP-Server und Webcontainer tätig. Er ist Committer im Apache-Tomcat-Projekt und Mitglied der Apache Software Foundation. Sein besonderes Interesse gilt der Gestaltung von Provisionierungs-, Überwachungs- und Analysesystemen für komplexe Infrastrukturen. Mit der bee42 solutions gmbh realisiert er entsprechende Infrastrukturprodukte und Dienstleitungen auf Basis des Docker-Ökosystems, aktueller Webtechnologien, NoSQL-Datenbanken und Cloud-Plattformen.

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Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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