Suche
Stack Overflow Survey 2017

Entwickler sind unterbezahlte, aber zufriedene Autodidakten

Mascha Schnellbacher

© Shutterstock / karpenko_ilia

Stack Overflow hat die Ergebnisse der Entwickler-Studie für 2017 vorgestellt. Dabei zeigt sich: Der durchschnittliche deutsche Entwickler ist männlich, arbeitet in Bayern und hat mehr als zehn Jahre Coding-Erfahrung.

Mehr als 60.000 Nutzer aus über 213 Ländern haben an der Umfrage teilgenommen, darunter auch 5.221 aus Deutschland. Der Stack-Overflow-Report bietet ein umfassendes Spiegelbild der Entwicklerszene weltweit und zeigt den Status Quo, die Arbeitsumstände und Wünsche vom Hobby-Coder bis hin zu IT-Führungskräften auf. Wir stellen die Ergebnisse die deutsche Entwickler-Landschaft betreffend vor.

Der typisch deutsche Entwickler

Wie muss man sich denn eigentlich den deutschen Durchschnittsentwickler vorstellen? Auf Basis der rund 5.000 Antworten deutscher Entwickler zeichnet sich folgendes Bild ab: Deutsche Entwickler sind meist männlich und arbeiten in Bayern bei Unternehmen mit bis zu 499 Mitarbeitern.

Nur fünf Prozent der Befragten sind weibliche Entwickler – hier besteht also akuter Handlungsbedarf. Als weibliche Vorbildfunktion und Inspiration kann dabei unsere Artikelserie „Women in Tech“ dienen – schaut doch mal vorbei!

Deutsche Entwickler nach Geschlecht

Demographisch gesehen verteilen sich die meisten deutschen Entwickler auf den Südwesten: Die meisten Programmierer arbeiten in Bayern (19,4 Prozent), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (17,4 Prozent) und Baden-Württemberg (15,2 Prozent). Berlin (12,9 Prozent) ist eine Besonderheit, da die Dichte an Entwicklern hier höher ist als in den gesamten neuen Bundesländern zusammen.

Spezialisierung und Berufserfahrung

Die meisten der Befragten sind Web- und Desktop-Entwickler sowie Mobile-Developer und Datenbankadministratoren. Zu den beliebtesten Branchen zählen die Softwareentwicklung (22,6 Prozent), Internet- und Online-Services (14,9 Prozent) und die Automobilbranche (6,2 Prozent).

53,2 Prozent der Teilnehmer haben mehr als zehn Jahre Programmiererfahrung; von diesem Anteil besitzen wiederum 20,2 Prozent mehr als 20 Jahre Erfahrung. Ein wichtiger Punkt ist dabei allerdings zu beachten: Coding-Erfahrung ist nicht mit Berufserfahrung gleichzusetzen!

Dies zeigt auch ein weiteres Ergebnis der Umfrage: 93 Prozent der Programmierer sind – zumindest zum Teil – Autodidakten. Alternative Bildungswege sind keine Seltenheit, auch wenn 30,4 Prozent der Befragten einen Masterabschluss oder Vergleichbares besitzen. Damit korrespondiert auch, dass 32 Prozent der professionellen Entwickler in Deutschland ihre formelle Ausbildung als „nicht sehr wichtig“ oder „überhaupt nicht wichtig“ für ihren beruflichen Erfolg bezeichnen. Besonders wichtig ist die Weiterbildung im Beruf: 35,4 Prozent der Entwickler erreichten dadurch ihr jetziges Know-how.

Besonders fällt auf, dass ganze 77 Prozent der Befragten aus Deutschland das Programmieren auch als Hobby angeben. Dabei arbeiten sie sowohl an eigenen als auch an Open-Source-Projekten. Viele Entwickler haben also ihr Hobby zum Beruf gemacht.

Entwickler und der Job: zufrieden, aber unterbezahlt

Die befragten Entwickler sind generell mit ihrem Job zufrieden. Auf einer Skala von eins bis zehn (1 = überhaupt nicht zufrieden; 10 = absolut zufrieden) findet sich rund die Hälfte der Befragten zwischen sieben und acht Punkten wieder. Trotz der vordergründigen Zufriedenheit sind viele Entwickler neuen Jobangeboten nicht abgeneigt: So suchen neun Prozent aktiv nach einem neuen Job und 59,4 Prozent sind offen für Angebote.

Grund dafür ist die – scheinbar – schlechte Bezahlung. Über die Hälfte der deutschen Entwickler gaben an, dass sie sich etwas unterbezahlt fühlen, 11,6 Prozent sogar deutlich unterbezahlt. Das Durchschnittsgehalt für Entwickler liegt laut Umfrage in Ostdeutschland (inklusive Berlin) bei 49.200 Euro, in Norddeutschland bei 45.000 Euro und in Süddeutschland bei 50.000 Euro. Zum Vergleich: Ein Programmierer in Nordamerika verdient 87.275 Dollar. Dennoch fühlen sich Entwickler weltweit unterbezahlt.

Durchschnittliche Gehälter für Entwickler in Deutschland

Je nach Spezialisierung variiert das Gehalt für Entwickler: Am meisten lässt im Bereich Machine Learning (rund 55.000 Euro), als Entwickler für Statistik oder Mathematik (rund 52.000 Euro) und als Data Scientist (auch rund 52.000 Euro) verdienen. Als Web- und Desktop-Entwickler verdient man weniger gut (rund 46.000 Euro); Schlusslicht sind Designer mit knapp 39.000 Euro Jahresgehalt. International ist die Rolle des DevOps mit 66.158 Dollar am besten bezahlt.

Beliebte Technologien und Programmiersprachen

Wie in den Jahren zuvor bleibt JavaScript die beliebteste Programmiersprache: 41,3 Prozent der Befragten setzen JavaScript am liebsten ein, gefolgt von Python (32,7 Prozent), Java (31,4 Prozent), SQL (30,5 Prozent) und C# (27,3 Prozent). Die meistgenutzte Programmiersprache ist ebenfalls JavaScript (57,4 Prozent), gefolgt auch hier von Java (47,3 Prozent), SQL (41,3 Prozent), C# (30,9 Prozent) und Python (30,7 Prozent). Schlusslichter sind bei den beliebtesten Programmiersprachen Erlang, Groovy und CoffeeScript (zweimal 2,9 und einmal 2,8 Prozent). Am wenigsten genutzt werden CoffeeScript (3,2 Prozent), Haskell (2,6 Prozent) und Visual Basic 6 (2,3 Prozent).

Lesen Sie auch: Technologie-Trends 2017: Das sind die Top-Programmiersprachen

NodeJS (46,7 Prozent), AngularJS (39,2 Prozent) und .NET Core (33 Prozent) zählen zu den beliebtesten Frameworks, Bibliotheken und Tools. Bei den Datenbanken setzen die befragten Entwickler am liebsten auf MySQL (43,2 Prozent), PostgreSQL (32,8 Prozent) und MongoDB (30,2 Prozent).

Die beliebtesten Plattformen sind Linux Desktop mit 38,5 Prozent, Windows Desktop (36,9 Prozent) und Android (36,6 Prozent). Auf dem absteigenden Ast befinden sich SharePoint (2,2 Prozent), Mainframe (1,7 Prozent) und Salesforce (0,9 Prozent).

Die einzelnen Statistiken sind noch einmal übersichtlich und mit Grafiken auf der Stack-Overflow-Website zusammengefasst; die globale Auswertung findet sich auf der englischsprachigen Variante der Webseite.

Geschrieben von
Mascha Schnellbacher
Mascha Schnellbacher
Mascha Schnellbacher studierte Buchwissenschaft und Deutsche Philologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit Juni 2015 arbeitet sie als Redakteurin in der Redaktion des Entwickler Magazins bei Software & Support Media. Zuvor war sie als Lektorin in einem Verlag sowie als freie Editorin tätig.
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.