Entwickler sein, das ist nicht schwer – gleichzeitig Vater dagegen sehr!

Hartmut Schlosser

Software-Entwicklung ist ein fordernder Beruf. Nicht selten verbringen Entwickler mehr als 10-12 Stunden vor dem Monitor – neben anfallenden Überstunden sind es Hobby-Projekte, die in der Freizeit und nach Feierabend gepflegt werden wollen.

Was als junger Programmierbegeisterter als selbstverständlich hingenommen wird – die langen Programmiermarathons und nächtlichen Hacker-Sessions -, wird spätestens dann zum Problem, wenn sich die Lebensumstände ändern: Aus dem Entwickler-Single wird vielleicht ein Lebenspartner, aus dem jungen Paar eine Familie mit Kind, etc.

Selten lassen es solche existenziellen Änderungen zu, den alten Modus vivendi beizubehalten. Und so ist es ein gängiges Phänomen, dass Entwickler mit zunehmender Reife ihr Zeitmanagement neu ordnen. Ausgesprochen wird dieses Thema indes selten. Luke Venediger gehört zu den wenigen, die ihre Erfahrungen darüber mitteilen, wie das Vatersein sich auf den Job als Entwickler ausgewirkt hat.

Nach der Geburt seines Sohnes sei es Venediger erst bewusst geworden, wie leichtfertig er früher mit seiner Zeit umgegangen sei, schreibt er auf seinem Blog. Denn natürlich fordert ein Kind Aufmerksamkeit, und zwar nach einem ganz eigenen Rhythmus, den man als Eltern nur zum Teil selbst bestimmen kann.

Zeit wurde plötzlich zur kostbaren Ressource, berichtet Venediger, was sich auch auf seinen Job als Entwickler auswirkte. Um trotzdem produktiv zu bleiben und beide Rollen – Vater und Entwickler – zu erfüllen, hat er sich einige Verhaltensregeln verordnet. Seine Tipps:

  • Der Luxus, sich vor dem Programmieren erst einmal in den richtigen Flow-Zustand zu versetzen, fällt weg. Besser, man gewöhnt sich an, ohne Trödelei gleich produktiv werden – Venediger nennt dies „Instant Work Mode.“
  • Um gleich loslegen zu können, besteht ein Trick darin, stets etwas unbeendet zu lassen. Denn nichts ist unproduktiver, als lange überlegen zu müssen, woran man als nächstes arbeiten sollte. Venediger empfiehlt, sich vor dem Aufhören in einem kleinen Log-txt-File aufzuschreiben, woran man zuletzt gedacht hatte und was als nächstes ansteht.
  • 80% genügen, sagt Venediger. Oft ist das Polieren (die restlichen 20%) zeitintensiver als der erste Wurf, sprich das funktionierende Feature. Und Features brauchen Zeit, um zu reifen – garantiert werden Änderungen nötig. Verbinden sollte man die 80%-Regel mit einem schnellen Release-Zyklus, sodass das Polieren bei Bedarf schnell nachgeliefert werden kann.
  • Die Art und Weise seiner Arbeit zu verbessern, ist genauso wichtig wie das Resultat. Investiere Zeit in deinen Workflow, rät Venediger. Schaue dich auch nach Tools um, die dir lästige Arbeiten abnehmen – denn der Computer soll für dich arbeiten, nicht du für den Computer.

Als letzten Tipp hat Venediger noch die gute Ernährung und den Sport parat, um sich auch körperlich in eine gute Verfassung zu bringen. Keine Trivialität, denn diese Dinge fallen dem Zeitmangel allzu oft als erstes zum Opfer.

Können Sie etwas mit diesen Regeln anfangen? Auch wenn Sie keine Kinder haben, könnten sie dabei helfen, die Arbeit effektiver zu gestalten. Welche Methoden können Sie empfehlen, um schnell produktiv zu werden?

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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4 Kommentare auf "Entwickler sein, das ist nicht schwer – gleichzeitig Vater dagegen sehr!"

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ThomasJ
Gast

Passt für mich voll ins Bild.

Luke Venediger
Gast

Thanks for the mention and I’m glad you found my insights useful!

gromix
Gast

Disziplin! Nicht erst anwärmen sondern gleich früh am Morgen den Stier bei den Hörnern packen. Dann hat man auch Zeit , komplexe Dinge zu durchdenken und Dinge fertig zu kriegen. Wenn man damit wartet bis die Kinder wieder kommen, kann man es vergessen.

Sven
Gast

Den Punkt verstehe ich nicht: „Verbinden sollte man die 80%-Regel mit einem schnellen Release-Zyklus, sodass das Polieren bei Bedarf schnell nachgeliefert werden kann.“. Wenn etwas schon released ist, ist es doch viel schwerer/aufwändiger etwas nachzupollieren als wenn es noch nicht ausgeliefert ist.