Entwickler: Entweder du machst Karriere – oder du hast Spaß beim Programmieren

Hartmut Schlosser
© shutterstock.com/ Bloomua

„Die schlechtesten IT-Manager sind die, die versuchen, sich am Programmieren zu beteiligen, während das Team aufgrund von Kommunikationsproblemen auseinander fällt“. Diese Aussage auf stackexchange.com ist interessant, läuft sie doch der allgemeinen Ansicht zuwider, IT-Manager sollten sich nicht zu stark vom Programmieren entfernen. Nein: Manager sollen dafür sorgen, Hürden zwischen Entwickler-Team und den bürokratischem Strukturen des Unternehmens abzubauen.

Karriere oder Zufriedenheit?

Ursprung der Debatte ist ein Entwickler, der von der eigenen Situation im Unternehmen und seinem Eindruck berichtet: Je höher man die Karriere-Leiter der IT-Branche erklimmt, desto weniger ist man wirklich mit Programmieren beschäftigt. Ist es also tatsächlich unmöglich, Karriere zu machen und weiterhin seiner Leidschaft  „Programmieren“ zu frönen, wegen der man ja schließlich den Beruf ergriffen hat?

Kommentator Telastyn bestätigt diesen Trend, der in den meisten „schlechten“ Unternehmen anzutreffen sei: Mit wachsender Verantwortung wird oft die Zeit immer kürzer, in der man programmiert.

Und das sei in vielen Fällen auch verständlich: Für die Fertigstellung eines qualitativ hochwertigen Produktes sei es nämlich meist viel wertvoller, ein gutes Design vorzulegen, Wissen über die Problem-Domäne anzuhäufen, als Mentor für die unterschiedlichen Teammitglieder aufzutreten, Anforderungen und Ressourcen verschiedener Stakeholder zu koordinieren, etc. Und solche Skills seien auch viel seltener anzutreffen als gute Programmier-Fähigkeiten, meint Telastyn.

Ist der Entwickler also in der tragischen Situation, nur unter bescheidener Bezahlung Spaß zu haben, bei Beförderung aber immer mehr (lästige) Organisationsarbeit erledigen zu müssen?

IT-Spezialist oder Anwendungs-Warter?

Eine Lösung könnte es sein, sich auf bestimmte, schwierige Arbeiten zu spezialisieren, die auf dem Markt nicht häufig anzutreffen sind. Dann kann man sein Spezialwissen in Gehaltsdiskussionen als Argument benutzen, um sich für seine Kodier-Arbeiten besser bezahlen zu lassen.

Doch da kommt auch schon wieder der Haken – die meisten Unternehmen brauchen keine solche Spezialisierung, sondern schlicht Entwickler für 0/8/15-Aufgaben – Daten zusammenschrauben und wieder mal eine neue Webseite aufsetzen.

Es könnte aber auch sein, dass in „guten“ Unternehmen, in denen IT an sich einen hohen Stellenwert hat, die Situation eine andere ist. Vielleicht wandern viele Programmiertalente genau deshalb zu den relativ wenigen IT-Größen wie Google, Microsoft, SAP, etc. ab, weil es dort die durchaus mit Prestige behaftete Position des Senior Developers gibt. Oder sie gehen zu Startups, wo sie wieder im Mittelpunkt des Unternehmens stehen, anstatt in einer großen IT-Abteilung einer unter vielen Programm-Problemlöser oder Anwendungs-Warter zu sein.

Was ist Ihre Erfahrung? Gibt es die Position oben auf der IT-Karriereleiter, in der man auch noch hauptberuflich als Programmierer tätig ist?

Aufmacherbild: Flat design style modern vector illustration von Shutterstock / Urheberrecht: Bloomua

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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5 Kommentare auf "Entwickler: Entweder du machst Karriere – oder du hast Spaß beim Programmieren"

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joschi
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In guten(?) Unternehmen gibt es neben der Karriere im Management auch eine technische Karrierelaufbahn. Die Job-Titel lauten dann Distinguished oder Principal Engineer, Technical Fellow usw.

Siehe dazu auch http://ayende.com/blog/168802/career-planning-where-do-old-devs-go-to

Räuber Hotze
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Die dritte Möglichkeit hat der Autor außer acht gelassen: der Kodierknecht. Kein Geld und kein Spaß.

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Gast

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Michael Mosmann
Gast
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Michael Mosmann
Gast

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