JAX Interview mit Andreas Hartmann

„Nur weil ein Enterprise-Portal gefordert wird, sollte nicht gleich reflexartig zu Java EE Portalserver gegriffen werden“

Redaktion JAXenter

Andreas Hartmann

Auch wenn sie vielleicht nicht mehr als Buzzword herhalten können, sind Enterprise-Portale auch heute noch wichtiger Bestandteil der Unternehmensstruktur. Die Flexibilität der Architektur ist dabei wichtig, um schnell und unkompliziert auf sich verändernde Anforderungen reagieren zu können. Im Interview mit JAXenter umreisst JAX-Speaker Andreas Hartmann, wie es um die Business-Portale bestellt ist und welche neuen Entwicklungen gerade stattfinden.

JAXenter: Dein Thema auf der JAX sind Enterprise-Portale. Manch jungem, an Web-Anwendungen gewöhntem Leser dürfte diese Gattung eher wie ein Dinosaurier vorkommen. Deshalb zu Beginn die Frage: Was sind die besonderen Anforderungen an Enterprise-Portale?

Andreas Hartmann: Es stimmt schon, das Thema Enterprise-Portale mag für den einen oder anderen wie ein Buzzword aus einer längst vergangen Zeit klingen. Schaut man sich aber mal die Kernfeatures wie CMS-Anbindung, Administration der Seiten sowie Setzen der Berechtigungen, Identity und Access Management, Suche, Personalisierung, Workflowunterstützung, Mobilisierbarkeit und nicht zuletzt das Thema Applikationsintegration an, stellt man fest, dass diese Themen für Unternehmen aktueller sind denn je.

JAXenter: Warum sollten Enterprise-Portale heute nicht mehr so gebaut werden wie vor 10 Jahren? Was hat sich geändert?

Die IT-Welt hat im letzten Jahrzehnt einen deutlichen Wandel erfahren.

Andreas Hartmann: Aus Highlevel Architektursicht hat die IT-Welt in dem letzten Jahrzehnt einen deutlichen Wandel, weg von monolithischen Systemen hin zu verteilten Systemen, erfahren. Ebenso hat der Markt der Webframeworks in den letzten Jahren einen wahren Evolutionssprung gemacht. Wenn man für beide Bereiche nur mal exemplarisch AngularJS und Mircoservice anführt, wird man schnell zu dem Schluss kommen, dass dies nicht spurlos an Lösungen für Enterprise-Portale vorbeigegangen sein kann.

JAXenter: Welche Rolle bei der Modernisierung alter Portale könnte das neue MVC Framework in Java EE spielen?

Andreas Hartmann: Das neue actionbasierte JavaEE MVC Framework kann gerade in Kombination mit der serverseitigen Java Template Engine Thymeleaf eine sehr interessante Variante darstellen, um in bestehende Architekturen, im Hinblick auf das Thema Client Side Integration, neuen Schwung zu bringen.

JAXenter: Was spricht aus deiner Sicht dafür, was dagegen, gleich alles mit JavaScript und seinen Frameworks – Node, Angular, React, etc. – zu lösen?

Andreas Hartmann: Es ist letztendlich immer die Frage, was für Anforderungen bestehen, gerade hinsichtlich Skalierbarkeit und der zu unterstützenden Browserversionen. Zusätzliche zentrale Randbedingungen werden sicherlich auch auf Basis der verfügbaren Entwickler-Skills und den Vorgaben seitens des Systembetriebes gesetzt.

JAXenter: Was würdest du als die Kernbotschaft deiner JAX-Session bezeichnen?

Andreas Hartmann: Nur weil ein Portal gefordert wird, sollte nicht gleich reflexartig, wie in der Vergangenheit leider oft geschehen, zu einem JEE Portalserver gegriffen werden. Vielmehr sollte man sich bei der häufig angeführten Argumentation „Ich bekomme ja sooooo viel an Funktionalität geschenkt“ kritisch die Frage stellen, möchte ich diese Geschenke überhaupt und mit welchen Risiken und Nebenwirkungen sind sie verbunden.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Interview!

56c42d06fa1f957d5ad537a0version119sizefullAndreas Hartmann ist Principal Software Architect bei der adesso AG, Mitglied der Technologiebeirats, Vortragender auf diversen Konferenzen und Autor verschiedener Fachartikel. Sein Tätigkeitsschwerpunkt liegt in der Konzeption und Implementierung von Softwarearchitekturen und Frameworks auf Basis der Java-Plattform. Seine aktuellen Interessensschwerpunkte sind effiziente Entwicklungsprozesse, leichtgewichtige Architekturen und Portaltechnologien sowie NoSQL.

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