Eine orchestrierte ALM-Lösung

Steve Speicher

Das Eclipse-Magazin im Interview mit Steve Speicher von IBM Rational.

Eclipse Magazin: Können Sie mit wenigen Worten zusammenfassen, worum es sich bei OSLC handelt?

Steve Speicher: OSLC (Open Services for Lifecycle Integration) ist eine offene Community, die das Ziel verfolgt, Lifecycle-Tools leichter integrierbar zu machen. Die Community verfasst Szenarien und Spezifikationen für die Veröffentlichung von Lebenszyklusdaten (Change Requests, Testfälle, Anforderungen etc.) mithilfe von einheitlichen Interfaces, die ausschließlich auf der Architektur des WWW und Linked-Open-Data-Standards basieren. Organisationen verwenden ein breites Spektrum an Werkzeugen für den Lebenszyklus – kommerzielle, Open-Source- und In-House-entwickelte Tools -, die einen Austausch von Daten, Ressourcen und Assets erfordern. Derzeit basieren Integrationsansätze oft auf schwachen und proprietären Point to Point APIs. Werkzeuge, die OSCL aufgreifen, sind besonders interoperabel, denn ihr Linked-Open-Data-Ansatz ermöglicht lose gekoppelte Integrationen, die sich durch höhere Qualität, Navigation und Rückverfolgbarkeit geteilter Daten auszeichnen.

 

EM: Lässt sich mit Recht behaupten, dass in Zeiten des DevOps-Hypes eine Community wie OSLC mehr und mehr an Bedeutung gewinnt?

Speicher: Natürlich. Sinn und Zweck der OSLC ist die Integration von Werkzeugen über den gesamten Lebenszyklus einer Anwendung oder eines Produkts hinweg, sie ist also nicht darauf beschränkt, Code „rauszuhauen“. OSLC Domain Areas decken Szenarien ab, die sich über die gesamte Zeitspanne von der Entwicklung bis zum Betrieb erstrecken. Hier ein paar Beispiele: Im Bereich Veränderungsmanagement reichen solche Szenarien von Problemlösungen im Betrieb bis hin zur Behebung von Fehlern im Entwicklungsablauf. Im Bereich Automatisierung sind der Build und die Entwicklung von Anwendungen abgedeckt. Und nicht zuletzt bedeutet OSLC auch, Hardware- und Software-Assets zu verwalten. Durch den lose gekoppelten und internetbasierten Ansatz von OSLC werden flexible, skalierbare und plattformunabhängige Integrationen möglich. Werkzeuge und Anwendungen, die OSLC unterstützen und von unterschiedlichen Anbietern auf unterschiedlichen Plattformen mit unterschiedlichen Releasezyklen entwickelt wurden, können problemlos inkrementell zusammengefügt werden – zugunsten einer weitreichenden DevOps-Lösung.

 

EM: Welche Einzelpersonen oder Firmen gehören der OSLC-Community an?

Speicher: Oracle, Siemens, Tasktop, IBM, EADS, Rally Software und Institut Telecom, um nur einige der Institutionen zu nennen, die für das OSLC-Projekt Mitarbeiter zur Verfügung stellen [1]. Wir halten die Einstiegshürden in diesem Projekt sehr gering und laden Einzelpersonen oder Firmen dazu ein, uns auf dem weiteren Erfolgsweg OSLC-basierter Integrationen zu begleiten.

 

EM: Mit welcher Absicht wurde Eclipse Lyo ins Leben gerufen?

Speicher: Das Ziel ist es, die Interoperabilität von Werkzeugen zu erweitern, indem es für OSLC-geeignete Werkzeuge möglich wird, ihre eigenen Daten zu offenzulegen und sich mit Daten anderer Werkzeuge zu verbinden. Als wir die Community der Tool-Implementierer bei Eclipse ins Leben riefen, war uns klar, dass das eine gute Gelegenheit war, SDKs, Testsuites, Referenzimplementierungen und Beispiele weiterzuentwickeln, um OSLC-basierten Integrationen den Weg zu ebnen.

 

EM: Werden noch Contributer für Lyo gesucht? Wie kann man etwas beitragen?

Speicher: Einzelpersonen und Firmen sind herzlich dazu eingeladen, sich am Eclipse-Lyo-Projekt zu beteiligen. Das Lyo-Projekt braucht Entwickler, die sich für den Einsatz von OSLC stark machen, und zwar dadurch, dass sie SDKs, Referenzimplementierungen, Übereinstimmungstests sowie Beispiele entwickeln. Der Einstieg in Eclipse Lyo ist einfach. Um sich einen Überblick über das Projekt zu verschaffen, bedarf es nur eines Blicks in das Wiki auf der Eclipse-Webseite [2]. Um an der Lyo-Entwicklung teilzuhaben, kann man sich zunächst auf der Mailingliste vorstellen: lyo-dev@eclipse.org.

 

EM: IBM ist diejenige Organisation, die das Projekt Lyo trägt. Wie sind OSLC und Lyo mit IBMs ALM-Lösung und deren Roadmap diesbezüglich verknüpft?

Speicher: OSLC ist eine Schlüsselkomponente der Jazz-Plattform-Architektur. Sie ermöglicht es nicht nur, IBM-Tools zu kombinieren und damit eine orchestrierte und kollaborative ALM-Lösung auf den Weg zu bringen. Sie vergrößert auch die Reichweite dieser Lösung, die mit einer offenen Schnittstelle für andere Werkzeuge von IBM und Drittanbietern aufwartet. Lyo stellt die notwendigen Komponenten zur Verfügung, damit diese Lösungen übereinstimmende OSLC-Integrationen erstellen können, und IBM leistet weiterhin Beiträge zu Lyo und konsumiert Assets aus dem Projekt.

 

EM: Wie sieht die Roadmap 2012 für Lyo aus?

Speicher: Geplant ist ein erstes Release (1.0) im zweiten Halbjahr. Die Hauptziele sind: erstens ein SDK für Java und andere Technologien – abhängig von den Interessen des jeweiligen Contributers – zweitens eine Referenzimplementierung für ausgewählte OSLC-Spezifikationen, drittens eine Testsuite für OSLC-Implementierungen, inklusive Compliance Reports, und viertens Beispiele bereits existierender Anwendungen, die OSLC-Integrationen ermöglichen (Adapter für Bugzilla, Excel u. a.). Mehr Informationen zum Lyo-Projekt stehen im Wiki zur Verfügung [3].

 

EM: Vielen Dank für dieses Gespräch!

Steve Speicher ist Change-Management-Produktentwickler bei IBM Rational, wo er als Lead im Bereich Open Services for Lifecycle Collaboration agiert.
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Steve Speicher
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