Von Standardisierungen & Plänen

EE4J & Java EE: Was die Community bewegt

Dominik Mohilo

© Shutterstock.com / Sapunkele

Der offene Brief von Reza Rahman und Oracles Antwort darauf haben erneut eine weitreichende Diskussion in der Community ausgelöst. Dabei stand nicht nur der neue Markenname im Fokus, sondern auch Fragen nach der Standardisierung von Java EE und Oracles weiteren Plänen. Wir haben uns die Diskussion einmal genauer angesehen.

Über den offenen Brief von Reza Rahman an Oracle (und die wenig überraschende Antwort) in Bezug auf die Namensfrage haben wir ja bereits ausführlich berichtet. Mittlerweile hat die Diskussion auf der Mailing-Liste der EE4J Community Fahrt aufgenommen.

Von Paketen und (deren) Namen

So schreibt etwa Heiko Rupp von Red Hat, dass er eigentlich kein Problem damit hat EE4J als neuen Package-Namen zu verwenden, anstelle neue Technologien in javax.enterprise.* zu packen. Das wären seiner Meinung nach ohnehin neue Importe in den Code, weswegen es eher keinen Unterschied macht. Auch Mark Little von Red Hat äußerte sich zur aktuellen Sachlage:

I think what Oracle have done to this point in moving Java EE to Eclipse is much more important than a brand name or a Java package name and collectively we should expend that energy in moving the code and community forward collaboratively. EE4J will not fail because it‘s not branded Java EE. EE4J will not fail because new specifications cannot be done under the javax package. EE4J will fail if we spend too much time away from driving these specifications forward and adding new specifications to adapt to changes in the developer space.

Therefore, whilst I understand what the Guardians have requested, I feel that we are at a point where we should focus on the positive aspects of what Oracle have done and build on those. Together we move EE4J forward and together we can make it a success!

Red Hat ist also entspannt, was die Namensfrage angeht, andere sehen das nicht ganz so gelassen. Ryan Cuprakt von der Connecticut Java User Group sieht die Anstrengungen Oracles, Java EE an eine Open-Source-Organisation abzugeben, zwar als begrüßenswert an, warnt aber davor, dass die Umbenennung dem Projekt und den darauf aufbauenden Projekten schaden könne:

Ultimately, the confusion over Java EE branding I think will hurt the commercial containers (like WebLogic) as Java EE may no longer be viewed as a long-term stable platform with a future.

Diese Argumentation ist nicht neu, allerdings hilft es zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr, sich unversöhnlich mit der Situation zu zeigen. Die Realität ist nun einmal, dass Oracle wohl aller Voraussicht nach dem Wunsch der Community nicht entsprechen wird. Man sollte, wie Mark Little empfiehlt, nun versuchen mit der Situation bestmöglich umzugehen. Das gilt trotz der Tatsache, dass es natürlich schöner wäre, wenn Java EE Java EE bleiben würde. Ob das die Dinge allerdings einfacher machen würde, sei dahingestellt.

Was plant Oracle?

Eine weitere interessante Frage, die nur peripher mit EE4J bzw. dessen Markennamen zu tun hat, warf John Hogan auf. Oracle lehnt es laut eigener Aussage ab, neue Technologien im javax-Package anzusiedeln. Bedeutet dies, dass Oracle plant, selbst neue Technologien für Java EE zu entwickeln und dann in diese Pakete zu implementieren?

If I’m understanding correctly, and future net new EE4J APIs/technologies cannot be placed under javax, does this mean that Oracle intends to develop their own new APIs under javax? Will this result in two flavors of Java EE, Oracle’s and EE4J’s? I’m concerned this will confuse and fragment the community.

John Hogan

Diese Befürchtung hat sich als unbegründet erwiesen. Bill Shannon von Oracle stellte hochoffiziell fest, dass genau dies nicht Oracles Intention sei. Das zumindest sind gute Neuigkeiten, denn das erweckt zumindest die Hoffnung, dass Oracle nach wie vor zu seinem Wort stehen und Java EE unter dem Dach der Eclipse Foundation weiterentwickeln und mitgestalten wird.

Standardisierung nach ISO-Norm?

Ebenfalls ein interessanter Gedanke ist von Reza Rahman angesprochen worden. Er geht davon aus, dass die Majorität der Community und vor allem der Unternehmen es sicher begrüßen würden, wenn Java EE zukünftig mit dem neuen Namen einer Standardisierung unterliegen würde. Als mögliche Formate dafür nennt er ISO, ECMA und OASIS. Es würde, so Rahman weiter, bei seinen Kunden deutlich besser ankommen, als wenn die Eclipse Foundation allein den Ersatz für den JCP darstelle.

Mike Milinkovich, Executive Director der Eclipse Foundation, sieht das ein wenig anders und gibt zu bedenken, dass eine Aufteilung auf mehrere Entitäten für die Verwaltung von Java EE, keine gute Idee ist. Seiner Erfahrung nach wünscht sich der Großteil der Java Community eine anbieterneutrale Organisation als Verwalter von Java, und dass dies für Java EE nun die Eclipse Foundation sein wird. Inklusive einer neuen (und hoffentlich besseren) JCPs:

The Eclipse Foundation is going to be creating a new specification process which will replace the role of the JCP as it currently pertains to Java EE. That new spec process will hopefully fix many of the issues with the JCP. I can guarantee that it will not have the existing „get all the IP“ Spec Lead role. Similarly I can guarantee that it will not have any special votes or roles for Oracle or any other special company.

Fazit

Man sieht ganz deutlich, dass in der Community von Java EE, EE4j und Eclipse ordentlich Feuer steckt. Die beteiligten Personen, ob nun privat oder als Vertreter ihrer Organisationen, sind alle sehr daran interessiert, die Enterprise Edition am Leben zu erhalten – und das auf bestmögliche Weise (im Rahmen der vorgegebenen Möglichkeiten). Auch wenn man sich nicht immer einig ist, zeugt das doch von dem richtigen Gedanken und der nötigen Kraft in dieser Community, um Java EE am Leben zu erhalten. Das ist ein gutes Signal für alle Zweifler und lässt hoffen.

Wer sich gerne an der Diskussion beteiligen möchte, der kann der EE4J Mailing-Liste beitreten. Auf der Webseite des EE4J-Projektes bei der Eclipse Foundation finden sich alle relevanten Informationen über das Top-Level-Projekt.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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