Eclipse Days auf der JAX 2012

Eclipse@JAX: What's hot in Eclipse?

Diana Kupfer

Der Countdown läuft: Im Juni kommt Juno, das nächste Simultaneous Release von Eclipse. Entsprechend eifrig wird an den Einzelprojekten gefeilt, die auf den Release Train aufgesprungen sind – 71 sind es nach derzeitigem Stand, 10 davon neu. Spannende zwei Monate liegen also vor der Eclipse Community. Umso interessanter waren die Momentaufnahmen vom Entwicklungsstand älterer und jüngerer Eclipse-Projekte, die in Eclipse-Sessions an mehreren Tagen auf der JAX geboten wurden. Besonders eines wurde dabei deutlich: Das Eclipse-Universum expandiert gewaltig.

Bereits vor den eigentlichen Eclipse Days am Mittwoch und Donnerstag kamen Eclipse-Nutzer und -Interessierte auf ihre Kosten: In einem Workshop und einer Session stellten Sven Efftinge und Sebastian Zarnekow von der Kieler itemis AG ihr Sprachenframework Xtext bzw. ihre neu entwickelte Sprache Xtend vor. Eine kompakte Einführung in Xtend gaben die beiden uns anschließend in einem Interview.

Wie sieht eine Server-Lösung aus, die Zukunft hat? Mit dieser Frage beschäftigte sich Gunnar Wagenknecht in seiner Morgensession, die den Auftakt zum ersten Eclipse Day bildete. Clustering, webbasierte Administration, hohe Skalierbarkeit und optimale Mandantenverwaltung sind einige der Kriterien, die eine solche Lösung ausmachen, so Wagenknecht. Dass dabei der OSGi-Standard eingehalten werden sollte, versteht sich von selbst. All das leistet das Projekt Eclipse Gyrex, eine Plattform, die Service Bundles für OSGi-Runtime-Applikationen in einer Cloud-ähnlichen Infrastruktur zur Verfügung stellt. Der gemeinsame Nenner dieser Service Bundles ist das Equinox-Framework, dessen Prinzip lautet: „Component-oriented development and assembly“ (CODA). Im Klartext: modular entwickeln und zur Laufzeit zusammenstellen.

Einen Überblick und eine aktuelle Standortbestimmung bot, ebenfalls am ersten Eclipse Day, Lars Vogel in seiner Session „What’s hot@Eclipse?“, die einen der größeren Säle komplett füllte. Ein Eclipse-Panorama, wie Vogel es präsentierte, ist bei der Vielfalt an Projekten und deren Grad an Spezialisierung eine wahre Herausforderung. Schließlich gibt es allerlei Unterschiedliches zu berichten: kleinere Bugfixes und Redesigns auf dem Weg zu Eclipse 4; Tools wie Code Recommenders, das Codebasen „statistisch“ analysiert und dem Entwickler dann durch „intelligente Code Completion“ zur Hand geht; von der Common Build Infrastructure — mit Tycho und Hudson als wichtigsten Grundpfeilern -, die das Committen fördern und damit die Community stärken soll; und nicht zuletzt von der Vision der Long-Term-Support-Initiative, die eine konkrete Roadmap bisher allerdings vermissen lässt.

Lars Vogel: What’s hot@Eclipse?

Dass das Eclipse-Universum immer größer und damit auch etwas unübersichtlicher wird, war auch an den spontanen Raum-Umfragen abzulesen, die Vogel durchführte: Erstaunlich viele Anwesende – darunter vorwiegend Eclipse-Nutzer – hatten noch nie vom Projekt „Orion“ gehört, einer Toolsuite für Webentwickler, die sich im vergangenen Jahr zu einer Art Shooting Star der Community gemausert hatte. Eine zweite Umfrage zeigte, dass viele im Publikum sich noch nicht mit Git vertraut gemacht hatten – ebenfalls ein wenig überraschend, soll die Migration dorthin doch bis Ende 2012 abgeschlossen sein.

Ganz und gar nicht unübersichtlich sah die Workbench von Manuel Bork aus. Der Eclipse Committer demonstrierte anschaulich die Model Focusing Tools, ein ganz neues Projekt, das das Konzept des „Task-focused interface“, bekannt durch Mylyn, auf den Modeling-Bereich überträgt. Den hohen Stellenwert des Modeling begründete Bork griffig: „Je weiter formalisiert, desto besser automatisierbar.“ Ein taskfokussiertes Interface sortiert und verknüpft Tasks mit Relevanz, je nachdem, welche Task am meisten verwendet wird.

Kai Tödter zeigte, wie ein Brückenschlag zwischen OSGi und Vaadin, dem serverbasierten RIA-Framework, funktioniert. Vaadin kannte, glaubt man der Raumumfrage, nur ein Bruchteil der anwesenden Webentwickler. Umso größer schien der Nachholbedarf: Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt, und im Anschluss scharten sich viele Interessierte um den Speaker. Tödter ging in seinem Vortrag ausführlich auf die Vor- und Nachteile serverseitiger Frameworks, Möglichkeiten der serverseitigen OSGi-Implementierung und schließlich das in der OSGi-Community beliebte Whiteboard-Pattern ein. Letzteres bietet eine Alternative zum serverzentrischen Publisher-/Subscriber-Design bei Serviceimplementierungen. Es „dreht den Spieß um“ (Tödter) und macht Service-Bundles per OSGi Service Registry selbst zu Listenern, die nach Veränderungen in der UI horchen.

Kai Tödter beantwortete nach seiner Session zahlreiche Detailfragen von Vaadin-Interessierten

Best Practices zum Thema BIRT Reports standen am Ende des ersten Eclipse Days auf der Agenda. Während in Sachen Reporting noch immer die Berichtentwicklung im Fokus der Developer stehe, sei in der Laufzeit bisher performanceunkritisch reportet worden, so Christian Dedek und Christian Brell. Die beiden Speaker haben gerade in Mannheim die erste Birt User Group (BUG) Deutschlands gegründet. Sie zeigten anhand von Anti-Patterns, wie sich dieses Defizit beheben lässt, damit „High Performance“ bei BIRT Reports, die der Titel ihres Vortrags verhieß, keine Utopie bleiben muss.

Bereits auf dem ersten Eclipse Day wurde ein Spektrum an Projekten und Konzepten präsentiert, das breiter kaum sein könnte. Und dennoch ist Eclipse mehr als die Summe seiner Einzelprojekte: in erster Linie natürlich eine Community. Zumindest lassen die vielen interessierten Rückfragen und angeregten Diskussionen bei der JAX auf zahlreiche Schnittmengen unter Eclipse-Entwicklern unterschiedlicher Ausrichtung schließen – trotz der konzentrierten Arbeit und des Zuwachses an individuellen Frameworks und Sprachen.

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Diana Kupfer
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