Neues aus dem Land der Sonnenfinsternis

Eclipse Weekly: Die Zukunft von Eclipse (Teil 2), Neon.1 und der Rücktritt von Paul Webster

Dominik Mohilo

©Shutterstock.com / solarseven

Es ist schön zu sehen, dass die Eclipse Community sich auch von kritischen Tönen nicht beirren lässt. Im Gegenteil: Aktiv wie eh und je setzen sich die Entwickler von Eclipse seit mehr als zwei Wochen nun bereits mit zahlreichen Konzepten zur Verbesserung der Entwicklungsumgebung auseinander. Und einige Lösungen scheinen in greifbare Nähe gerückt zu sein…

Eclipse für die Zukunft (Teil 2)

Etwa zwei Wochen ist es her, seit ein reißerischer Artikel die Eclipse Community in Aufregung versetzt hat. Prashant Deva hatte auf seinem Blog anhand einiger Zahlen und Statistiken, die er aus einer Umfrage von ZeroTurnaround entnommen hatte, den vermeintlichen „Fall of Eclipse“ hergeleitet.

Hauptkritikpunkte waren die seiner Meinung nach altbackene Website, ein wenig attraktives UI, Bugzilla und inaktive Mailing-Listen. Betrachtet man die Website von Eclipse, so entspricht sie tatsächlich nicht den modernsten Webpräsenzen, die es im Netz zu finden gibt. Dennoch fühlt sich das Design der Seite nicht an, als wäre es bereits 10 bis 15 Jahre alt, wie der Autor suggeriert. Hier, wie auch beim User Interface der IDE selbst, kann man wenig entgegenhalten: Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Ironischerweise hat der Artikel aber eine sehr lebhafte und aktuell anhaltende Diskussion in den angeblich toten Mailing-Listen angeregt.

Good-Bye, Bugzilla. Hello, Tuleap

Auch Bugzilla sollte, wenn man Wayne Beatons Blog-Post gesehen hat, bald keine Rolle mehr spielen. Über 17 Jahre hat Bugzilla für mehr als 500 Projekte gute Dienste geleistet, etwa eine halbe Million Issue Reports wurden erstellt.

Doch nun ist es, so Beaton, an der Zeit, zu neuen Ufern aufzubrechen und ein anderes Tool zu finden, das den neuen Herausforderungen gewachsen ist. Als Nachfolger wird derzeit das Tool Tuleap gehandelt, das sich selbst als „Plattform für die Softwareentwicklung und agiles Management“ bezeichnet.

Lesen Sie auch: Eclipse Weekly: Die Zukunft von Eclipse

Natürlich wird dieser Schritt nicht über Nacht vollzogen werden, und es ist davon auszugehen, dass Projekte jeden Nachfolger von Bugzilla erst langsam wirklich annehmen. Dennoch soll das Verfahren zum Wechsel von den Teams der einzelnen Projekte – wie auch bei vergleichbaren Wechseln, etwa von CVS nach Git – möglichst eigenständig und ohne Einwirkung seitens der Foundation vonstatten gehen.

Der Bugzilla-Ersatz wurde nach vier Kriterien ausgesucht: Wichtig war, dass die Issue Tracking Software quelloffen ist, existierende Daten importieren kann, eine starke Community hinter sich vereint und die bislang von Bugzilla abgedeckten Features ebenfalls anbietet.

Tuleap ist fähig, Bugzilla-Daten direkt zu importieren und ist zu 100 Prozent Open Source. Auch die Funktionalität von Tuleap scheint nach erster Sichtung durchaus denen von Bugzilla zu entsprechen, und große Firmen wie die Airbus Group und orange nutzen Tuleap. Über diese Standardfunktionen hinaus kann Tuleap für vollständige Scrum- oder Kanban-Prozesse genutzt werden. Es bietet zudem unter anderem ein Wiki, Dokumentationsmanagement, Git Hosting und eine Gerrit-Integration.

Wer sich an dem Entscheidungsprozess zum Finden eines Bugzilla-Nachfolgers beteiligen will oder seine Erfahrung mit Tuleap teilen möchte, der kann sich hier in die Diskussion einklinken. Eine Website für Projekte, die Tuleap bereits nutzen, gibt es auch schon.

Workspaces abschaffen?

Eine Eigenschaft von Eclipse, die Neulinge von Eclipse oder Umsteiger von IntelliJ IDEA immer verwirrt, sind Workspaces. Ob die Nutzung verschiedener Workspaces sinnvoll ist oder nicht, darüber lässt sich lange diskutieren. Viele empfinden die Nutzung vieler Workspaces als umständlich oder nutzlos, andere hingegen erscheint diese Option als unabdingbar, gerade wenn man in verschiedenen Sprachen programmiert.

Basierend auf der hier gestarteten Diskussion hat Mickael Istria nun eine Diskussion im Bugzilla gestartet, ob man wenigstens die Prominenz von Workspaces verringert, indem die IDE Nutzer nicht beim Starten eines Projektes danach fragt.

Durch die offenkundige Uneinigkeit, die bei diesem Thema innerhalb der Eclipse Community herrscht, ist es umso wichtiger, dass möglichst viele Leute sich an der Diskussion beteiligen. Allen wird man es – wie immer – nicht recht machen können, doch nur gemeinsam wird man eine für alle akzeptable Lösung finden.

Die Zeichen stehen günstiger, als man glaubt

Zum Abschluss der kleinen Debatte um die Zukunft von Eclipse möchten wir an dieser Stelle noch einmal Sopot Cela zitieren:

I do realize that there are issues and we have quite some challenges in the IDE market but let’s not become too melodramatic over a fatalistic guy whose last 20 blog posts are mostly about something dying.

In der Tat scheint es so, als hätte der Verfasser des Artikels „The Fall of Eclipse“ ein besonderes Interesse daran, den Tod diverser Projekte und Unternehmen im IT-Bereich zu prophezeien: In den Monaten vor dem vermeintlichen Tod von Eclipse ging es Vesper, IGN, Jira, Scala und weiteren an den Kragen.

Natürlich kann sich die Eclipse Community nicht der Tatsache verstellen, dass es Herausforderungen zu meistern gilt. Die gibt es definitiv. Der Artikel jedenfalls hat eine Menge Staub aufgewirbelt, und umso schöner ist es zu sehen, dass die Eclipse Community genau richtig darauf reagiert: Mit mehr Elan, anstatt mit Verweigerung. Viele interessante neue Strömungen haben sich ergeben und die Arbeit, Eclipse weiter voranzutreiben und zu verbessern, wird von der Community mit frischem Schwung wieder aufgenommen. Ein Frühjahrsputz im Herbst – hat ja auch was für sich.

Lesen Sie auch: Eclipse Weekly: Eclipse vs. IntelliJ IDEA – wer hat die Nase vorn?

Eclipse Neon.1

In Kürze wird die Eclipse IDE auf den neuesten Stand gebracht werden: Das Release Eclipse Neon.1 steht in den Startlöchern. Die erste der ehemals als „Service Update“ bekannten Aktualisierungen bringt einige kleine Verbesserungen und neue Features, die für die Veröffentlichung von Eclipse Neon im Juni nicht fertig geworden sind. Holger Voormann hat ein Video zu den Neuerungen erstellt, die die Nutzer erwarten.

voormann_holger_sw-106x130Holger Voormann: irgendwas mit Eclipse; früher festangestellt, seit 2010 freiberuflich; Eclipse Vex (a Visual Editor for XML) Committer, aber länger inaktiv; dafür kleinere Code-Beiträge für die Eclipse-Plattform, aber nicht als Committer; bloggt unregelmäßig (eclipsehowl.wordpress.com); antwortet nicht immer auf E-Mails (eclipse@voormann.de) und auf Tweets (@howlger)

Paul Webster tritt als Platform UI Co-Lead zurück

Gerade wurde ein neuer stellvertretender Leiter für die Platform Resources vorgeschlagen, da tritt ein anderer Co-Leader zurück. Wie Paul Webster mitteilt, lässt seine Beschäftigung bei IBM es nicht mehr zu, als stellvertretender Leiter des Projektes Eclipse Platform UI zur Verfügung zu stehen.

With a change in the projects that I’m working on for IBM, I will not have the time and energy required to contribute as the Eclipse Platform UI co-lead. I’m stepping down as co-lead effective immediately, but I will continue on as a committer and help out where I can in my spare time.

It has been a pleasure to work on the Eclipse UI all of these years, to be involved in the Eclipse community, and to help out with changes like the git migration. I leave the Platform UI in the capable hands of Lars and Dani, and I’m sure they’ll continue to work with the community to continue to improve Eclipse.

Paul Webster

Nutzer und Freunde der Eclipse IDE brauchen sich allerdings, wie Webster schreibt, keine Sorgen machen. Lars Vogel und Daniel Megert begleiten und führen das Projekt bereits seit einigen Jahren. An dieser Stelle sollen aber auch die Glückwünsche und Danksagungen für Paul Webster nicht unterschlagen werden.

Paul,

thanks for all the work you’ve done for Eclipse in all those years!

Daniel Megert

Thanks for the great pieces of work you’ve done for the Eclipse Platform and IDE, and for being involved in huge efforts that are now showing their full value (the move to git was a very strategic good move that happened at the right time and without too much pain for others) ! I wish you’ll have a lot of spare time, to remain close to Eclipse Platform 😉

Mickael Istria

Hi Paul

thanks for all your work in the past and for helping me a lot with questions and technical problems. Also your calm way of solving things will be deeply missed in Platform UI.

I hope we meet again in person some day and if we do, drinks are on me.

Thank you my friend

Lars Vogel

Hey Paul I want to add my thanks as well for the staggering amount of work you’ve put in over the years (and all while retaining your smile..;-).

Eric Moffatt

Kaum eine Community ist aktiver und innovativer als die der Eclipse IDE. JAXenter hat das Ohr am Puls der Entwicklungsumgebung und berichtet wöchentlich über die neuesten Entwicklungen und die spannendsten Geschichten rund um Eclipse.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
400
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: