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Neues aus dem Land der Sonnenfinsternis

Eclipse Weekly: Der Eclipse-Jahresrückblick 2017

Dominik Mohilo

© Shutterstock.com / solarseven

Draußen ist es kalt und nass, es regnet. Drinnen riecht das Büro nach Mandarinen, Spekulatius und Tee mit Zimt. Die einzig logische Erklärung: Es ist mal wieder Weihnachten. Fast jedenfalls. Und mal wieder ohne Schnee, klaro. Aber wie soll es auch schneien, wenn es im Eclipse-Universum so heiß hergeht? Eben. Was los ist und war, dafür gibt es wieder den Jahresrückblick.

Ausnahmsweise war in diesem Jahr nicht das Simultaneous Release von Eclipse, Version 4.7, das Highlight des Jahres. Natürlich hatten sich alle auf Eclipse Oxygen gefreut, welches im Sommer Eclipse Neon ablöste. Doch das tatsächliche Highlight folgte im frühen Herbst, als endlich feststand: Die Java Enterprise Edition (Java EE) wird zukünftig offiziell der Eclipse Foundation überstellt. Gleichzeitig begann die Arbeit an Eclipse Photon, welches 2018 – das Wortspiel sei an dieser Stelle gestattet – das Licht der Welt erblicken wird. Das war allerdings bei Weitem nicht alles…

EE4J – Java EE

Im Sommer dieses Jahres waren die Arbeiten an Java EE 8 noch nicht gänzlich abgeschlossen, als Oracle recht überraschend verkündete, die Enterprise Edition von Java an eine Open Source Foundation übergeben zu wollen (Original). Die Gerüchteküche, die Meinungen und die Kommentare auf allen möglichen Plattformen überschlugen sich. Jeder wollte entweder wissen, wohin die Reise gehen würde, oder war sich sicher, die Antwort bereits zu kennen.

And the winner is…Eclipse

Nachdem Oracle bereits die NetBeans IDE an die Apache Software Foundation übergeben hatte, waren die meisten sich eigentlich sicher, dass Java EE den gleichen Weg gehen würde. Doch wie so oft kommt es anders, als man möglicherweise denkt. Mitte September war die Destination von Java EE dann klar: Die Eclipse Foundation hat wurde als neue Heimat für die Enterprise Edition auserkoren und natürlich gab es gute Gründe dafür. Doch war dies eben nicht das Resultat, das viele vermutet (oder sich vielleicht gewünscht) hätten.

Die Eclipse Foundation war für unsere Leser nicht die erste Wahl

Kurz vor der diesjährigen EclipseCon in Ludwigsburg (Konferenzbericht) wurde schließlich die offizielle Charta für das Projekt vom Board of Directors der Eclipse Foundation angenommen und das Top-Level-Projekt EE4J erstellt, bei dem es sich ausdrücklich nicht um den finalen neuen Namen von Java EE handelt.

Das Kind braucht einen Namen

Womit wir dann beim Thema der Namensgebung wären, denn wie Java EE künftig heißen soll, ist nach wie vor ungeklärt. Das Problem ist, dass Oracle die Namensrechte an Java besitzt und Java EE daher zukünftig einen neuen Namen brauchen wird. Hinzu kommt die Problematik, dass auch die Eclipse Foundation recht strenge Regeln hat, was die Namensgebung der Projekte unter dem Schirm der Organisation angeht.

Das EE4J PMC:

  • Kevin Sutter, IBM
  • Dmitry Kornilov, Oracle
  • Steve Millidge, Payara
  • Mark Little, Red Hat
  • David Blevins, Tomitribe

Um einen geeigneten Namen für die Enterprise Edition zu finden, geht das unterdessen fest installierte Project Management Council (PMC) von EE4J einen für Eclipse-Veteranen gewohnten Weg und befragte die Community. Auf GitHub konnten alle Interessierten ihre Namensvorschläge einreichen, eine Liste aller Vorschläge wurde daraufhin herausgearbeitet. Aus dieser hat jedes PMC-Mitglied nun seine fünf Favoriten ausgesucht.

Über die Feiertage wird das Council nun fünf finale Vorschläge herausarbeiten, die allen rechtlichen Vorgaben genügen, anschließend wird die Community zu den Wahlurnen gerufen. Voraussichtlich im Januar wird dann die Abstimmung starten, wie aus dem Protokoll des zweiten PMC Meetings herauszulesen ist. In der ersten Sitzung war noch die Planung, vor den Feiertagen die Abstimmung zu starten, aber die Angst ist groß, dass viele den Termin übersehen oder verpassen könnten – die Enttäuschung wäre sicher groß, darum geht man lieber auf Nummer Sicher.

Startschuss für Grizzly, Tyrus, Mojarra, Jersey & Co

Nachdem viel und lange über die Theorie eines Umzugs gesprochen wurde, sind die ersten Projekte nun im Inkubator angekommen (JAXenter berichtete). Auch für diese gibt es seit dem zweiten PMC Meeting offizielle Richtlinien für die Namensvergabe:

API-Projekte werden nach dem Schema Eclipse project for XXX benannt (Beispiel: Eclipse project for JAX-RS), während Implementierungsprojekte nach dem Schema Eclipse [derzeitiger Name] (Beispiel: Eclipse Grizzly) benannt werden.

Die bereits bestehenden Projekte Eclipse Yasson und das EclipseLink Project sind mittlerweile unter dem Top-Level-Projekt EE4J angesiedelt und durch den Umzug die ersten beiden offiziellen EE4J-Projekte – Herzlichen Glückwunsch!

MVC 1.0 = Eclipse Ozark

Eclipse Ozark ist für MVC 1.0 (JSR-371), was Eclipse Mojarra für JavaServer Faces (JSR-372) und Eclipse Tyrus für das Java API for WebSockets (JSR-356) ist – das entsprechende Implementierungsprojekt. Ozark befindet sich zwar erst seit einigen Tagen in der Proposal-Phase, es ist allerdings unwahrscheinlich, dass das Projekt nicht Teil von EE4J wird.

Als auf der JavaOne 2016 die Pläne für Java EE 8 bekannt gegeben wurden, fiel erfahrenen Entwicklern gleich auf, dass bei der Übersicht der enthaltenen Spezifikationen nicht nur der Java Message Service 2.1 (JSR 368) und das Java EE Management API 2.0 (JSR 373) fehlten. Auch der JSR 371, also der Model View Controller (MVC 1.0), war nicht mehr an Bord. Zwischenzeitlich wurde die Spezifikation an Ivar Grimstad übergeben, der bereits vor einigen Wochen angab, MVC wieder in den Schoß von Java EE bzw. nun EE4J zurückzuführen.

I am happy to announce that it is our intention to transfer MVC 1.0, specified by JSR 371 to the Eclipse Foundation. The transfer will include the specification, reference implementation (Ozark) and the TCK. It is our intention that the specification will still be lead by the current spec leads Christian Kaltepoth and Ivar Grimstad and that the expert group will remain intact. The specification will still be governed by the JCP and the JCP process will continue to be followed. As specified by the JCP Process Document a transfer must be approved by the JCP Executive Committee.

–Ivar Grimstad

Natürlich werden Java EE bzw. EE4J und die dazugehörigen Projekte auch im kommenden Jahr immer einen Platz in unserer Kolumne Eclipse Weekly haben. Und sicher sind nicht nur wir hier bei JAXenter gespannt, wie Java EE sich zukünftig dann ganz offiziell nennen darf und wie sich die Enterprise Edition unter dem Dach der Eclipse Foundation entwickeln wird. Wir bleiben am Ball – versprochen.

Eclipse Oxygen

Bevor die ganze Geschichte um Java EE so richtig hochkochte, stand im Sommer wie gewohnt das Simultaneous Release der Eclipse Plattform an. Die Zahlen wissen zu beeindrucken: 83 Projekte beteiligten sich in diesem Jahr, 287 Committer und 664 Contributors sorgten für 71 Millionen Zeilen Code. Das Entspricht einem Zuwachs von 172 beteiligten Entwicklern und von 2 Millionen Zeilen Code – mehr Code wurde für kein Simultaneous Release je zuvor geschrieben.

In unserem Update Thread zu Eclipse Oxygen kann man wunderbar und minutiös die wichtigsten Änderungen seit dem ersten Meilenstein nachvollziehen, der im August 2016 veröffentlicht wurde. Knackiger hat es Lars Vogel in seinem Artikel zum Release zusammengefasst.

Zum Release haben wir auch in diesem Jahr wieder eine Reihe von wichtigen Personen des Eclipse-Universums befragt, unter anderem Mike Milinkovich, der jedem unserer Leser ein Begriff sein dürfte. In den Interviews ging es nicht nur um Eclipse Oxygen, sondern auch um den Nachfolger Eclipse Photon und die Zukunft „klassischer“ IDEs:

Mittlerweile wurde mit Eclipse Oxygen.2 veröffentlicht, Holger Voormann hat dazu ein Video erstellt, in dem er die neuen Features vorstellt:

Java & Eclipse: Eine unendliche Lovestory

Der 21. September markierte in diesem Jahr ein ganz besonderes Ereignis für die Java-Welt: Java 9 und Java EE 8 wurden quasi zeitgleich veröffentlicht. Elf Tage zuvor, am 10. September, erschien das GA Release von JUnit 5, dem Testing-Framework. Das Jahr 2017 brachte also nicht nur strukturelle und organisatorische Änderungen mit sich, sondern auch technische – etwa das Modulsystem für Java, auf das viele Entwickler bereits seit Jahren gewartet hatten.

Dass die Eclipse IDE Java 9 vom Zeitpunkt der Veröffentlichung per Hotfix unterstützen würde, hatte Mike Milinkovich schon lange im Vorfeld versprochen. In Eclipse Oxygen.1a wurde die Unterstützung von Java 9 und auch JUnit 5 dann hochoffiziell, auch hierfür hat Holger Voormann ein Video erstellt, in dem er die wichtigsten Änderungen in der Eclipse IDE zusammengefasst:

Der Tod für die klassische Eclipse IDE?

Gleich im Januar dieses Jahres sorgte die Meldung, dass ein altgedienter Eclipse-Veteran damit begonnen habe, Eclipse Two zu entwickeln, für Aufsehen. Doug Schaefer, Projektleiter der C/C++ Development Tools (CDT) von Eclipse, ließ die Welt wissen, dass seiner Meinung nach die klassische Eclipse IDE ausgedient habe. Die Lösung? Eine neue Entwicklungsumgebung, die auf Electron, einer Kombination aus Chromium und Node.js basieren soll.

Eclipse Twos Ansatz war also, wie man leicht aus der zu Grunde liegenden Technik herauslesen kann, ein Web-basierter. Allerdings sollte diese Entwicklungsumgebung ihrem Namen alle Ehre machen und nicht, wie etwa Visual Studio Code, ein reiner Text-Editor-Framework sein. Im Interview mit JAXenter betonte er, dass Eclipse Two keine Web-IDE sein solle, sondern er einfach die HTML DOM APIs als GUI-Framework für eine Desktop-IDE nutzen möchte.

Nun, knapp ein Jahr später, ist es relativ still um Eclipse Two geworden. Andere Entwicklungsumgebungen wie Theia haben in ihrer Entwicklung besser Fahrt aufgenommen und sogar eine Beta ist bereits veröffentlicht. Theia ist viel mehr als nur eine Entwicklungsumgebung, es ist ein Framework um sich seine eigenen Desktop- oder Cloud-IDEs zu erstellen. Interessante Einblicke dazu, wie Theia funktioniert und welche Technologien (Stichwort: Language Server Protocol) sie nutzt, gibt Sven Efftinge in unserem exklusiven Interview.

Was sonst noch war…

Ebenfalls im September (was haben all die Communities nur mit diesem Monat?) hat die Eclipse Foundation endlich eine Aktualisierung für die etwas angestaubte Eclipse Public Licence (EPL) v1 durchgesetzt, seitdem gilt die EPL v2. Diese erleichtert die Nutzung der Lizenz außerhalb der USA und ist kompatibler mit anderen Open-Source-Lizenzen (etwa der GPL v2/v3). Zusätzlich wurde die Lizenz für Script-Sprachen wie JavaScript angepasst und der allgemeine Wortlaut modernisiert.

Ein weiteres Projekt, das in diesem Jahr unsere Aufmerksamkeit erregte, war Eclipse Diversity. Bei diesem geht es allerdings nicht um eine Software, sondern darum, die Diversität innerhalb der Eclipse Community und der Open-Source-Welt zu vergrößern. Thea Aldrich, LocationTech Developer Advocate, wurde für diesen Zweck mit der Leitung der Bemühungen Seitens der Foundation beauftragt. Die Themen Diversität und Women in Tech waren auch auf JAXenter und auf der diesjährigen JAX 2017 große Themen.

Eclipse 2018

Zeit, ein wenig in die Zukunft zu schauen: Was wird 2018 wohl bringen? Nun, natürlich wird Java EE weiter ein Thema bleiben, egal ob es dann noch Java EE, EE4J oder vllt. OpenEE heißen wird. Das herauszufinden, wird wohl im Januar die Community bzw. die Köpfe der Mitglieder zum Rauchen bringen.

Ende März werden dann die Gewinner der Open IoT Challenge 4.0 verkündet, die derzeit fleißig an ihren IoT-Lösungen arbeiten. Bereits vor wenigen Tagen wurden die bislang vielversprechendsten Projekte mit einem Weihnachtsgeschenk belohnt: Jedes erhielt einen Gutschein über 150 US-Dollar für Equipment und einen mangOH™ Red. Wer wissen möchte, was in Sachen IoT 2018 wohl spannend werden wird, dem sei Ian Skerretts Blog-Artikel wärmstens empfohlen. Der Vizepräsident und Marketing-Chef der Eclipse Foundation spricht darin über die IoT-Trends des kommenden Jahres.

Und dann wird es hell, denn im Sommer steht – logisch – das Simultaneous Release Nummer 13 an: Eclipse Photon (aka. 4.8). In seinem Lagebericht Eclipse-IDE hat Lars Vogel bereits eine kleine Vorschau geben können, was derzeit in Arbeit ist. Auf JAXenter gibt es natürlich auch zu Eclipse Photon wieder einen Update Thread, in dem die Meilensteine der Eclipse IDE auf dem Weg zum Simultaneous Release behandelt werden.

Warme Worte

Ein hochspannendes und elektrisierendes Jahr geht zu Ende und das nächste verspricht mindestens ebenso aufregend zu werden. Zum Schluss noch ein wenig Zahlenspaß:

Eclipse 2017

Quelle: Eclipse Foundation

Wir wünschen allen Eclipse-Weekly-Lesern frohe Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Kaum eine Community ist aktiver und innovativer als die der Eclipse IDE. JAXenter hat das Ohr am Puls der Entwicklungsumgebung und berichtet wöchentlich über die neuesten Entwicklungen und die spannendsten Geschichten rund um Eclipse.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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