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Eclipse Weekly: Eclipse vs. IntelliJ IDEA – wer hat die Nase vorn?

Dominik Mohilo

©Shutterstock.com / solarseven

Angular 2 ist nach langem Warten endlich erschienen, NetBeans vermutlich bald ein Apache-Projekt und Java 9 wird wieder einmal verschoben. Ganz im Gegensatz dazu sind die Veröffentlichungen von Eclipse voraussehbar, und seit 15 Jahren hat sich daran nichts geändert. Dennoch kann sich Eclipse seit einigen Jahren nicht dagegen wehren, dass andere, vermeintlich hippere und modernere IDEs ihr den Rang ablaufen. Woran das liegt und was man dagegen tun kann wurde in den vergangenen Tagen innerhalb der Community offen diskutiert. Wir haben für euch die Diskussion verfolgt.

Seit 15 Jahren stehen die beiden Entwicklungsumgebungen Eclipse und IntelliJ IDEA im direkten Konkurrenzkampf zueinander. Ziel des Kampfes? Die Gunst der Java-Entwickler. Jedenfalls war es dies im Jahr 2001, als beide IDEs offiziell unter ihren heute noch gängigen Produktbezeichnungen gestartet bzw. veröffentlicht wurden. Diesen Kampf hat Eclipse mittlerweile verloren, wenn man dem Artikel von Prashant Deva glauben schenkt. Doch das sieht natürlich längst nicht jeder so.

Eclipse oder IntelliJ IDEA?

Zum Hintergrund der Kombatanten ist festzustellen: Eclipse existierte schon vor 2001 und ging aus der Entwicklungsumgebung IBM Visual Age for Java 4.0 hervor. IntelliJ IDEA wurde vom Unternehmen JetBrains von Anfang an unter dieser Bezeichnung vertrieben, war zunächst allerdings nicht als kostenfreie Version erhältlich. Dies änderte sich 2009 mit der Veröffentlichung von Version 9.0, die es damals erstmalig als kostenlose Community Edition herunterzuladen gab. Das kostenpflichtige Modell gibt es heute als Ultimate Edition zu kaufen.

Die ersten acht Jahre war die Frage, ob Eclipse oder IntelliJ genutzt wird, also eine reine Kostenfrage und wurde von vielen Entwicklern möglicherweise auch als Statement verstanden: Open Source oder kommerzialisiertes Tool? Heute würde man wohl Hipster oder Professional sagen.

Auch interessant: Angular 2 IDE-Vergleich: IntelliJ vs. NetBeans vs. Eclipse

Von der Funktionsweise waren sich die IDEs immer ziemlich ähnlich. Über die Jahre und mit den immer stärker wachsenden Märkten „Internet“ und „Mobile“ haben sich auch die Entwicklungsumgebungen verändert. Beide waren – und sind bis heute – für ihre Fähigkeit bekannt, mit Plug-ins erweiterbar zu sein. Doch während IntelliJ IDEA, wie Patrik Suzzi in der Diskussion zum oben genannten Artikel schätzt, nach wie vor „nur“ als Entwicklungsumgebung betrachtet wird, ist Eclipse mittlerweile zu einer Entwicklungsplattform herangewachsen.

Während Eclipse mit einer großen Anzahl an Plug-ins und Features punkten kann, wird IntelliJ vor allem für seine polyglotten Grundeigenschaften und die gute Code-Vervollständigung gelobt. Für Mickael Istria ist dies eine fatale Fehleinschätzung:

It’s strange that IJ is congratulated for its „Polyglot development“, where the Eclipse ecosystem has a much better offering. The reason is probably that people compare IDEs as they’re shipped, not ecosystem.

Alles eine Frage der User Experience…

Doch ist das Rennen im Kampf um die Nutzer wirklich von solchen technischen Details abhängig? Vermutlich nicht. Die Nutzer von Entwicklungsumgebungen können ohne weiteres als technisch hochversiert bezeichnet werden. Dennoch ist dies nicht gleichbedeutend damit, dass man sich auch bis ins kleinste Detail mit der Materie auseinandersetzen will: Auch Entwickler wollen möglichst wenig tun müssen, bis sie mit ihrer Arbeit anfangen können. Und während der Arbeit wollen sie das bestmögliche Produkt, das ihre eigene Produktivität so gut es geht unterstützt. Das fängt bei den von Mickael Istria erwähnten Sprach-Features wie Code-Vervollständigung und Fähigkeit zum polyglotten Arbeiten an. Allerdings hört es nicht im technischen Bereich auf, es geht – natürlich – um die User Experience.

JetBrains has a product focused organization while Eclipse does not.

— Doug Schaefer

Gerade bei dieser hat Eclipse offenkundig noch ein wenig nachzulegen: Wie Carsten Reckord feststellt, ist der große Vorteil von IntelliJ gegenüber Eclipse die bessere Konsistenz: Alle Editoren und Tools sehen für alle Sprachen gleich aus. Bei Eclipse scheint es an dieser Stelle (leider) noch Unterschiede zu geben. Das bestätigt Doug Schaefer, der sogar noch einen Schritt weiter geht und die Vermutung äußert, dass JetBrains bei der Entwicklung ihrer Produkte vermutlich auf einen starken Architekten mit dem Blick für das gesamtheitliche Produktportfolio von JetBrains setze. Hinzu komme ein versierter Produktmanager, der im Blick habe, was die Entwickler wollen. Eric Moffats Vorschlag zur Lösung der Konsistenz-Problematik liegt darin, die Eclipse Packages besser zu überwachen und so eine Konsistenz der verschiedenen Eclipse-Zusammenstellungen zu erreichen.

Mickael Istria sieht das Problem an anderer Stelle: Die Macher von IntelliJ und auch die von NetBeans scheinen ein besseres Verständnis für den Durchschnittsnutzer zu haben. Ihre Tools werden entsprechend angepasst, bleiben aber dementsprechend schwach. Eclipse hingegeben habe sehr viel mächtigere Tools, deren vollen Wert die meisten Nutzer aber weder verstehen noch gebrauchen können, weshalb sie kaum in der Beliebtheitsfrage eine Rolle spielen. Berechnet man den Faktor aus den Multiplikatoren Zahl der Nutzer, die mit einem speziellen Feature umgehen können und Wert des Features wird dieser in der Regel für IntelliJ ausfallen. Die Lösung laut Istria:

If we want it on the Eclipse side, then it means everyone has to start really listening to users, reduce their level of patience and knowledge when designing interactions.

Weitere Faktoren, die IntelliJ natürlich in die Karten spielen, sind zum einen die gelungenere Umsetzung eines Dark Themes (Darcula), das laut Fabio Zadrozny einer der Gründe für viele Entwickler zum IDE-Wechsel war. Zum anderen aber auch die Veröffentlichung des Android Studios, das viele Nutzer der Android Development Tools von Eclipse abgezogen habe, wie Mickael Istria zu Protokoll gibt. Zudem seien die Editoren für JavaScript / TypeScript und HTML / CSS von JetBrains einfach besser und Unternehmen, die einmal IntelliJ IDEA für diese Dinge eingesetzt haben, blieben dann meist auch bei der gleichen Entwicklungsumgebung für Java oder andere Sprachen.

…oder doch des richtigen Marketings?

Doug Schaefer bringt es vermutlich auf den Punkt, wenn er sagt, dass JetBrains eine produktorientierte Organisation hat und Eclipse nicht. Daraus resultiert zwangsläufig ein großes Image- und Marketing-Problem: Eclipse wird als langsam und träge angesehen. Auch wenn Zero Latency Tests laut Eric Moffat zeigten, dass dies gar nicht der Fall ist, lässt sich dieses Argument natürlich schwer wegdiskutieren. Eine logische Konsequenz wäre vermutlich eine groß angelegte Marketing-Kampagne seitens der Eclipse Foundation, doch genau dies wird laut Mike Milinkovich nicht passieren:

These types of statements are far stronger when coming from developers. So if you’re waiting for the Eclipse Foundation to say it, that won’t happen. We can help with getting articles placed, etc. but we cannot write the content.

Dieses Statement kommt nicht ganz unerwartet, immerhin hat sich die Foundation schon immer auf die Fahnen geschrieben, Spendengelder nicht in Marketing, sondern in die Weiterentwicklung und Verbesserung – also an die Community – weiterzugeben. Ob dies der richtige Kurs ist und ob er mit weiter sinkenden Nutzerzahlen verändert wird, bleibt abzuwarten.

Doch gänzlich hoffnungslos klingt die Aussage des Vorsitzenden der Foundation nicht, er bringt lediglich auf den Punkt, worum es bei Eclipse schon immer ging: um die Community. Dass diese mächtiger als das (professionelle) Marketing sein kann, zeigt beispielsweise Eclipse Che. Gründer Tyler Jewell gibt an, dass bei dem derzeit sehr gehypten Projekt wöchentlich zwischen 10 und 15 Stunden ausschließlich für Content Marketing eingeplant werden. Die Ergebnisse sprechen für sich. Auch wenn die Mitarbeiter des Projektes natürlich keine Marketing-Experten sind, scheinen sie das grundsätzliche Prinzip aber durchaus zu ihrem Vorteil nutzen zu können. Dies ergibt natürlich auch für die viel größeren Communities, die im Eclipse-Universum beheimatet sind, Sinn.

Fazit

Eclipse und IntelliJ werden ihren Kampf um die User-Gunst unvermindert fortsetzen. Ob jemand am Ende die Nase vorne haben wird und wer das sein wird, ist und bleibt bis auf weiteres ungewiss. Sicher ist, dass die Eclipse Community wieder einmal wird beweisen müssen, warum ein gewachsenes Open-Source-Konstrukt gigantischen Ausmaßes, das Eclipse ohne Frage darstellt, gegen den produktorientierten Ansatz von JetBrains in der Lage ist, sich zu bewähren. Dass dies der Fall ist, hat man in den Jahren 2001 bis 2009 gesehen, in denen der Eclipse-Ansatz voll aufging und die Entwicklungsumgebung und das dazugehörige Ökosystem zum marktbeherrschenden Tool machte. Ian Bull fasst die letzten anderthalb Jahrzehnte gut zusammen:

Eclipse shipped, on-time, every-time, for 15 years. Eclipse Delivered.

Nun wird es Zeit, mit frischem Wind, geschicktem Content Marketing der Community und der Unterstützung der Foundation sicherzustellen, dass Eclipse auch die nächsten 15 Jahre pünktlich und konstant liefern kann und wird. Vielleicht ist die Gründung der UX Guidelines Working Group ein Schritt in die richtige Richtung.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
Kommentare
  1. Stephan W2017-01-29 16:22:02

    IntelliJ ist absolut überlgen...warum? Es ist nicht so verbuggt wie Eclipse!
    In Eclipse befinden sich teils so grobe Bugs, das es beinahe unmöglich ist es unter Linux zu benutzen.

    Kleine Beispiele:
    Carriage Return wird nicht unterstützt, stattdessen wird jede Ausgabe untereinander platziert
    CustomizePerspective Menu stürtzt direkt unter Linux ab...alt bekannte Bug
    Keine in line Debugger Funktionen...

    Wenn man einfach mal die Bugs betrachtet....da kann nur IntelliJ gewinnen.

  2. Sigi2017-04-15 16:02:58

    Eigentlich ein spannendes Thema aber der Artikel bringt keinerlei Mehrwert.

    Es wird nicht wirklich auf die einzelnen IDEs eingegangen. Hat der Author denn sich wenigstens die Muehe gemacht, mal die beiden IDEs zu nutzen?

    Erwartet haette ich:
    - Wie einfach zu installieren
    - Wie einfach up to date zu halten
    - Preis
    - Wichtigsten Sprachen ausprobiert
    - Featurematrix
    - ...

  3. 2017-05-19 19:32:01

    Finde IntelliJ besser. Meiner Meinung nach zählt nur die Produktivität welche die IDEs ermöglichen. Ich kann mit IntelliJ viel schneller und besser Code schreiben. Jeder sollte für sich selber entscheiden ob man 500 Euro pro Jahr sparen möchte oder 2-3 Wochen gesparte Zeit mit der Familie verbringen will.

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