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Neues aus dem Land der Sonnenfinsternis

Eclipse Weekly: Das ist in Sirius für Eclipse Oxygen & Eclipse Photon geplant

Dominik Mohilo

© Shutterstock.com / solarseven

Eclipse Weekly wird 50 – Zeit zu feiern! Da wir aber natürlich vom Genuß alkoholischer Prickelwässerchen dringend abraten, haben wir diesmal etwas ganz Besonderes für unsere Leser: Mélanie Bats, Softwareentwicklerin bei Obeo und offizielle Committerin bei Eclipse Sirius, hat uns ein Interview gegeben. Wir haben mit ihr über die Pläne des Sirius-Projektes für Eclipse Oxygen sowie Eclipse Photon gesprochen und darüber, welches Projekt sie am vielversprechendsten findet.

JAXenter: Hallo Mélanie und danke, dass du dir die Zeit genommen hast. In wenigen Wochen erscheint das aktuelle Simultaneous Release, Eclipse Oxygen. Natürlich ist jedes Release auf seine eigene Art und Weise spannend. Was macht Eclipse Oxygen deiner Meinung nach zu etwas Besonderem?

Mélanie Bats

Mélanie Bats: Für mich persönlich markiert das Release von Eclipse Oxygen ein weiteres grandioses Jahr als Eclipse Sirius Committerin, in dem wir alle hart gearbeitet haben, um viele tolle neue Features für Sirius 5 fertig machen zu können. Dieses Jahr lag unser Fokus auf dem Verbessern der User Experience sowohl für Endnutzer von auf Sirius basierenden Tools als auch für deren Entwickler.

Aber Eclipse Oxygen hat sehr viel mehr zu bieten, als nur die neuen Features von Sirius und steht für mich auch stellvertretend für die Ankunft von Java 9 im Juli. Es ist wirklich toll zu sehen, dass die Plattform Eclipse sich immer weiter entwickelt und deren Committer die Unterstützung für Java 9 bereits am Tag der Veröffentlichung der neuen Sprachversion zur Verfügung stellen werden. Ich bin außerdem auf JUnit 5 gespannt, das im November final veröffentlicht werden soll.

Natürlich bringt das Simultaneous Release von Eclipse Oxygen im Juni auch zahlreiche Verbesserungen für die Eclipse IDE selbst, die Cédric Brun von Obeo auf der Devoxx France in seinem Talk What’s new in Eclipse Oxygen dargestellt hat. Der Talk basierte übrigens auf den Slides von Mikaël Barbero, Senior Platform Developer der Eclipse Foundation.

JAXenter: Welche Änderungen wird es in Eclipse Sirius für das kommende Release geben?

Mélanie Bats: Für Sirius 5 haben wir über einhundert Issues gefixt, unter anderem haben wir am Decorator Management und dem High-Resolution-Export gearbeitet und – wie bereits erwähnt – die Nutzerfreundlichkeit verbessert. Unser Ziel war es, für die Endnutzer einen besseren Workflow zu erschaffen. Das Resultat dieser Arbeit ist ein neuer Editor, der es Nutzern erlaubt, alle Konzepte ihrer Modeling-Projekte an einer Stelle zu bearbeiten. Das schließt das Bearbeiten der semantischen Modelle, der nutzbaren Viewpoints und aller Darstellungen (Diagramme, Bäume, Tabellen und Matrizen) ein.

Die Arbeit zur Verbesserung der UX startete bereits im letzten Jahr mit Sirius 4.0, als wir die neue Möglichkeit zur Definition der Properties View einführten. Durch diese Tab-basierte Ansicht wird es einfacher zu organisieren und priorisieren, wie die Features einer Domäne angezeigt werden müssen. Im neuen Sirius 5.0 gibt es außerdem die Möglichkeit, Dialoge aus der Properties View bzw. den graphischen Editoren heraus zu definieren. In den Sirius-Tools können also nun zum Beispiel bestimmte Wizards verwendet werden, um neuen Nutzern bei der Konfiguration von Modellierungselementen während ihrer Erstellung zu helfen.

Der UML Designer von Obeo / Quelle: Eclipse Foundation

Außerdem haben wir den Definierungsprozess der Properties View vereinfacht, indem wir einen neuen Erweiterungsmechanismus implementierten. Dank der Verwendung von Kompositions- und Erweiterungsmechanismen teilen sich die Dialoge und die Properties View nun einige allgemeine Teile ihrer Definition. Dadurch wird eine konsistente User Experience mit dem gleichen „Look and Feel“ gewährleistet. Gemeinsam mit Stéphane Begaudeau werde ich am 21. Juni auf der EclipseCon in Frankreich einen Talk zum Thema All about UX in Sirius halten. Save the date!

JAXenter: Mit was können die Nutzer im dritten und vierten Quartal dieses Jahres in Eclipse Sirius rechnen?

Mélanie Bats: Mit Eclipse Oxygen.1 wird auch Sirius 5.1 erscheinen. Dann wird der für Sirius 5 noch experimentelle Session Editor finalisiert sein, zu dem wir uns über Feedback übrigens sehr freuen würden. Zudem arbeiten wir ständig an der Performance, sodass hoffentlicht bald die Anzahl an dargestellten Figuren (Representations) keine Rolle mehr in Bezug auf die Geschwindigkeit spielt. Die Arbeit daran startete mit der Veröffentlichung des DRepresentationDescriptor. Diese interne Änderung kann als erster Schritt auf dem Weg zu einer besseren Skalierbarkeit angesehen werden, welcher uns bis zum Ende dieses Jahres beschäftigen wird.

JAXenter: Wo wir gerade von Sommer-Releases sprechen: Java 9 und Java EE 8 werden aller Voraussicht nach ebenfalls im Sommer erscheinen. Was bedeutet das für Eclipse Sirius?

Mélanie Bats: Aus der Perspektive von Eclipse Sirius ist Java 9 kein großes Ding, denn wir haben Sirius bereits auf der Java 9 Runtime getestet und alles sieht soweit stabil aus. Tatsächlich haben wir gerade für Sirius 5.0 die Mindestanforderung auf Java 8 gesetzt, obwohl eine recht große Anzahl von großen Unternehmen Sirius nutzt und diese ja generell eher konservativ sind, was das angeht. Für uns als Entwickler ist das Ganze aber natürlich Klasse, denn wir können endlich funktionale Programmierung in unserem Code verwenden. Ein weiterer Vorteil von Java 8 ist die Möglichkeit, APIs ohne API Break zu aktualisieren. Dies funktioniert durch die Definition von Default Methods in Interfaces.

Am Simultaneous Release nehmen wieder über 80 Projekte teil. Welches ist deiner Meinung nach – von Eclipse Sirius abgesehen – das vielversprechendste?

Mélanie Bats: Das vielversprechendste Projekt des Simultaneous Releases ist meiner Meinung nach das Language Server Protocol (LSP). Bevor ich vom LSP hörte, war mir nicht klar, wie schwer es für Sprachentwickler sein kann, guten Support und ein ausgefeiltes Tooling für die die eigene Sprache in den verschiedenen IDEs zu bekommen. Sven Efftinge von TypeFox hielt auf der Eclipse Converge eine sehr detaillierte Einführung zum Thema LSP. Er erklärte in diesem Zuge den Ursprung, den Status des Projektes und dessen Potential für die Eclipse Community.

Nach der Veröffentlichung als Open-Source-Projekt durch Microsoft hat das LSP ziemlich schnell Fahrt aufgenommen und ist nun de facto der neue Trend für Spracheditoren. Es dauerte nur wenige Monate, bis Red Hat, Codenvy und viele andere anfingen, das LSP in Produkte wie Eclipse, VS Code, Eclipse Che, Emacs und sogar den Gnome Builder zu implementieren. Nur Open Source kann solche Synergien und eine solche Zusammenarbeit hervorbringen. Im Kontext von Eclipse wird es drei neue Projekte geben, die mit Eclipse Oxygen released werden:

  • LSP4E: Dieses Projekt stellt die Integration von Language Servern nach dem LSP in die Eclipse IDE zur Verfügung.
  • LSP4J: Dieses Projekt stellt eine wiederverwendbare Java-Implementierung des LSPs zur Verfügung. Mit ihm werden sowohl Typen als auch die Kommunikation (inkl. Serialisierung zu und Deserialisierung von JSON) verfügbar.
  • Generic editor: Dieses Projekt sorgt für die einfache Unterstützung neuer Sprachen. Mit dem nächsten Release wird das LSP es möglich machen, einen gleichwertigen JavaScript-Support in Eclipse und VS Code zu erhalten.

Als DSL-Entwicklerin sehe ich wirklich großes Potential für das LSP. Man stelle sich vor, man entwickelt eine eigene domänenspezifische Sprache und kann ganz einfach Support dafür in den verschiedenen Editoren bekommen. Dank Xtext Core ist das nun möglich.

Aber das ist nur der Anfang. Es gibt noch einige Probleme mit der Erweiterbarkeit zu lösen, ein Marketplace muss erstellt werden, und die Features für das Debugging müssen noch unterstützt werden. Das LSP ist derzeit noch rein für textuelle Editoren verfügbar, aber ich glaube fest daran, dass es eines Tages auch für graphische Editoren nutzbar werden wird.


Der Arduino Designer von Obeo / Quelle: Eclipse Foundation

JAXenter: Der Nachfolger von Oxygen wird Eclipse Photon sein. Was habt ihr für dieses Release geplant?

Mélanie Bats: Für nächstes Jahr haben wir einiges vor. Natürlich werden wir zunächst einmal an der Performance arbeiten, um zu finalisieren, was wir seit Sirius 4.0 gestartet haben. Wir planen allerdings auch, die UX durch die Einführung einer auf dem Activity Explorer von Amalgam basierenden Ansicht des Dashboards noch weiter zu verbessern, unseres soll allerdings dynamisch interpretiert sein. Wir denken aktuell auch darüber nach, einige kleinere Bahaviors zu mainstreamen, die wir in unsere Open Source Designer implementiert haben, etwa die Rotatable Ports aus dem UML Designer.

Aber eigentlich ist es eher so, dass die Nutzer unsere Roadmap erstellen. Daher der Aufruf an alle, die Eclipse Sirius nutzen: Sagt uns was ihr braucht, was ihr wollt und was euch fehlt, dann kümmern wir uns darum!

JAXenter: Vielen Dank, Mélanie, für das interessante Gespräch!

Mélanie Bats Arbeitet als Softwareentwicklerin bei Obeo. Bei ihrer täglichen Arbeit als Eclipse Committerin liegt ihr Fokus auf der Entwicklung von Sirius und EEF, zweier Frameworks zur einfachen Erstellung von graphischen Designern. Sie leitet außerdem die Entwicklung von Modellierungstools, die auf Sirius basieren, etwa die des UML Designers. In ihrer Freizeit interessiert sie sich für Dinge, die mit Arduino zu tun haben und hilft bei der Entwicklung von einigen Eclipse Plug-ins für das Cross-Compiling. Außerdem ist sie Freie-Software-Aktivistin und hat bereits Freie-Software-Events in der Toulouser Region besucht und organisiert. Auf Twitter ist Mélanie unter dem Handle @melaniebats zu finden.

Kaum eine Community ist aktiver und innovativer als die der Eclipse IDE. JAXenter hat das Ohr am Puls der Entwicklungsumgebung und berichtet wöchentlich über die neuesten Entwicklungen und die spannendsten Geschichten rund um Eclipse.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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