Eclipse Kura: Das Internet der Dinge auf OSGi

Hartmut Schlosser

Einer Studie von ABI Research zufolge werden im Jahr 2020 30 Milliarden Endgeräte in der Lage sein, autonom miteinander zu kommunizieren. Angesprochen ist hier der boomende Sektor der Machine-to-Machine-(M2M)-Kommunikation: Immer mehr Endgeräte werden heute miteinander vernetzt, um einen Austausch von Informationen zu ermöglichen. Da hier zunehmend das Internet und seine verschiedenen Zugangsnetze eingesetzt werden, spricht man gerne auch vom „Internet of Things“ (oder auch „Internet of Everything“): Nicht mehr Menschen kommunizieren, sondern „Dinge“, Hardware-Artefakte, beispielsweise zur automatischen Fernwartung von Industrieanlagen oder der Wegeverfolgung von Paketsendungen.

Eine relativ neue, aber umso dynamischere Gruppe von M2M-Technologien hat sich in den letzten Monaten bei der Eclipse Foundation angesiedelt. Unter dem Banner der M2M Industry Working Group sind Projekte wie Koneki (M2M Entwickler-Tools), Paho (Protokoll-Implementierungen) und Mihini (M2M Runtime) entstanden, die, wennschon noch nicht unbedingt Mainstream, doch einen breiten Anwendungsbereich von M2M-Szenarien abdecken.

Und still stehen die Mühlen nicht, im M2M-Portfolio der Eclipse Foundation. Jetzt wurde ein weiteres M2M-Projekt unter dem Namen „Kura“ vorgeschlagen. Worum geht es beim Kura-Projekt?

Das (offene) Internet der Dinge

Der M2M-Bereich steht derzeit vor der Frage, wie offen die Enabler-Technologien für M2M-Anwendungen sein können. Die Eclipse-Position ist hier eindeutig. Im Gespräch mit JAXenter stellt Mike Milinkovich, Direktor der Eclipse Foundation, die riesigen Potenziale der M2M-Marktes heraus, die am besten genutzt werden können, wenn die Grundlagentechnologien nicht proprietär, sondern für alle zugänglich entwickelt werden:

Der M2M-Bereich ist ein Wachstumssegment der Industrie; das Internet der Dinge wird riesige Ausmaße annehmen. Ich bin persönlich sehr zufrieden, die M2M-Projekte bei Eclipse zu wissen, da ich davon überzeugt bin, dass das Internet der Dinge genau dann ein Erfolg werden wird, wenn es offen ist. Je besser wir sicherstellen, dass die Protokolle, die Frameworks und die Entwicklertools zum Bauen von M2M-Anwendungen im Sinne von Open Source quelloffen entwickelt werden, desto mehr werden alle profitieren. Mike Milinkovich

Der Offenheit der M2M-Technologien stehen dabei nicht einmal so sehr die kommerziellen Interessen von Unternehmen entgegen, sondern die Hardware-Gegebenheiten der Vielzahl an unterschiedlichen Endgeräten. Traditionell entwickelt man M2M-Projekte nämlich im Sinne von eingebetteten Systemen für ganz bestimmte Hardware, mit ganz bestimmter Software und ganz spezifischen Netzwerk-Voraussetzungen. Entsprechend gering fällt dann die Übertragbarkeit auf andere Hardware aus, sodass M2M-Projekte in der Vergangenheit meist in der Sackgasse der proprietären Systeme und Protokolle strandeten.

Eine Lösung verspricht hier das Service-Gateway-Modell. Service Gateways fungieren in M2M Deployments als Aggregatoren bzw. Controller und erlauben es, von den Hardware-Gegebenheiten zu abstrahieren. Als Resultat sind Entwickler in der Lage, moderne Software Stacks, standardisierte Enterprise-Technologien und quasi beliebige Programmiersprachen für M2M-Anwendungen einzusetzen. Zudem wird die Integration in bestehende Software-Landschaften vereinfacht und die Anwendbarkeit auf alternativen Hardware-Systemen gewährleistet, was letztlich die Kosten erheblich reduziert.

Eclipse Kura: M2M & OSGi

In diesem Kontext soll nun das Eclipse Kura-Projekt einen OSGi-basierten Container für M2M-Anwendungen in Service Gateways bereit stellen. Dabei sollen die Java SE 6 und OSGi-Plattformen um APIs und Services ergänzt werden, die auf die Bedürfnisse von M2M-Anwendungen zugeschnitten sind, beispielsweise I/O Access, Data Services, Netzwerkkonfiguration und Telemetrie. Mehr noch, soll zudem eine Eclipse-basierte Entwicklungsumgebung entstehen, in der M2M-Anwendungen in Emulatoren entwickelt, dann in ein Target Gateway deployt und schließlich auf Endgeräte im Feld übertragen werden können.

Der Quellcode für Kura stammt vom Unternehmen Eurotech, das Mitglied der M2M Working Group ist und Teile seines Everyware Software Frameworks nach Eclipse verfrachtet. So wurde die UI Client View des Frameworks bereits dem Eclipse Paho-Projekt zugeschlagen. Für das neue Eclipse Kura soll neben Implementierungen der Services und des Build-Systems auch ein spezieller Kura-Build geliefert werden, der auf den RaspberryPi und ähnliche Hardware-Plattformen abgestimmt ist.

Der initiale Codebeitrag soll im vierten Quartal 2013 abgeschlossen sein. Davor gilt es, den Kura-Quellcode den IP-Richtlinien von Eclipse anzupassen.

Das M2M-Portfolio der Eclipse Foundation wächst. Neben Kura wurden in den letzten Wochen weitere M2M-Projekte eingereicht: beispielsweise Eclipse SCADA, Ponte und Concierge. Dass hier einer der derzeit innovativsten Eclipse-Teilbereiche entstanden ist, dem die Eclipse Foundation viel zutraut, zeigt auch die laufende Diskussion, den M2M-Technologien, die bislang im recht unspezifischen Eclipse Technology Project angesiedelt sind, ein eigenes Top-Level-Projekt zu spendieren. Angebracht wäre es in jedem Fall.

Wenn Sie Interesse haben, sich ein wenig in den M2M-Umbrella der Eclipse Foundation zu vertiefen, schauen Sie sich doch die neuen Projekt-Proposals an und stöbern Sie in der Charta der Eclipse M2M Industry Working Group. Auf JAXenter haben wir für Sie die Infografik „Eclipse im M2M-Universum“ zusammengestellt, die einen guten Überblick liefert und die Sie sich kostenlos herunterladen können.

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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