Eclipse im Weltall

JAXenter: Können Sie kurz umreißen, um welche Experimente bzw. Projekte es sich handelt, in denen Eclipse verwendet wird?

Tamar Cohen: Ich wünschte, das könnte ich! NASA ist eine riesige Behörde, und Eclipse wird in vielen Experimenten, Projekten und Produkten verwendet. Aber in unserer Gruppe, der Intelligent Robotics Group, verwenden wir Eclipse ausgiebig für das Situationsbewusstsein (Situational Awareness) ferngesteuerter Rover und Roboter. Wir haben eine 3-D-Umgebung, die auf Ardor3D aufsetzt und die wir in Eclipse rendern. In dieser Sicht und in Standard-SWT-Sichten zeigen wir übertragene Messdaten der Fahrzeuge an. Manchmal verwenden wir Eclipse dazu, unsere Rover zu steuern. Einige in meiner Gruppe unterstützen die wissenschaftlichen Operationen von Curiosity: Mit Eclipse können sie zu jeder gegebenen Zeit Position und Schatten darstellen. In meinem Vortrag [auf der EclipseCon North America, Anm. d. Red.] erzeugen wir mit Eclipse Workbenches, die Crewmitglieder der ISS in zwei Experimenten benutzen: eine, um SPHERES [1] zu steuern und eine, um den K10 Rover hier im NASA Ames [Research Center] zu steuern.

JAXenter: Welche Eclipse-Technologien werden denn im Einzelnen verwendet?

Tamar Cohen: Wir verwenden das Eclipse Modeling Framework, das hat uns schon eine Menge Mühe erspart. Wir haben auch ein System entwickelt, das auf dem Eclipse Databinding Framework basiert, zur Generierung von datengebundenen SWT-Widgets. Mylyn WikiText verwenden wir für die Dokumentation, Buckminster für unsere Build-Systeme, SWT und JFace für das UI.

JAXenter: Die Intelligent Robotics Group ist Open-Source-Technologien sehr zugewandt. Trotzdem wird manchmal behauptet, Open-Source-Software sei proprietärer qualitativ unterlegen. Was war bisher Ihre Erfahrung?

Tamar Cohen: Bei der IRG werden Open-Source-Projekte sowohl entwickelt als auch verwendet. Unserer Erfahrung nach eignet sich Open-Source-Software besonders zur individuellen Fehlerdiagnose und zum Debuggen, wenn bei uns Probleme auftreten. Außerdem haben wir mit den Leuten, die einen dabei unterstützen, gute Erfahrungen gemacht. Sie reagieren immer sehr schnell, entweder über Newsgroups oder bei direkter Kontaktaufnahme zum Urheber einer Open-Source-Software. Bei kommerzieller Software ist uns dagegen aufgefallen, dass die entsprechenden Firmen weniger schnell reagieren. Und da wir den Code für die lizenzierte Software nicht haben, kann es sein, dass wir auf Stolpersteine stoßen, die sich nicht umgehen lassen.

JAXenter: Was sieht aus Ihrer Sicht die Zukunft von Eclipse-basierten Anwendungen im Weltall aus?

Tamar Cohen: Nun, als Softwareentwicklerin mit der festen Überzeugung, dass die Eclipse-Plattform ideal für die Entwicklung von RCP-Anwendungen geeignet ist, fände ich es großartig, wenn Eclipse auch in ein paar richtigen Missionen zum Einsatz käme!

JAXenter: Vielen Dank für dieses Gespräch!

Das Interview wurde in englischer Sprache geführt. Die Übersetzung ins Deutsche erfolgte durch die Redaktion des Eclipse Magazins.

Mit ihrem Ausbildungshintergrund in Softwareentwicklung und Bildender Kunst befasst sich Tamar Cohen bei der NASA Ames Intelligent Robotics Group damit, die Lücke zwischen Robotern und Menschen zu schließen. Sie entwirft und implementiert Situational-Awareness-Software für die Fernsteuerung von Robotern und Datensysteme für Bodendaten. Tamar ist seit 20 Jahren in der Industrie tätig und hat in dieser Zeit unter anderem interaktive 3-D-Spiele, Internetkollaborationssoftware, Software Development Kits für Spieleentwicklung und Eclipse-Plug-ins entwickelt. Ihren B. S. in Informatik absolvierte sie an der Cornell University, ihren M. A. in Kunst und Visueller Informationstechnologie an der George Mason University.
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.