Kolumne

Lagebericht Eclipse-IDE: Die Politik und das Eclipse-Projekt

Lars Vogel

Alle Augen richten sich momentan auf die Eclipse Foundation. Wichtige Schlüsselprojekte der Java-Community – allen voran Java EE – wurden in den letzten Wochen an Eclipse übergeben. Zeit für eine Bestandsaufnahme.

Java EE und OpenJ9 werden Eclipse-Projekte

Eine der größten Neuigkeiten der vergangenen Wochen ist wohl, dass Oracle sich weiter dem Eclipse-Projekt annähert. Das Unternehmen stand ja für die Art und Weise, wie es Java EE in den letzten Jahren verwaltete schwer unter Kritik, da sich das Projekt kaum noch weiterentwickelt hatte. Leider hat Oracle in der Vergangenheit ein Händchen dafür gezeigt, eine erfolgreiche Technologie zu kaufen und diese dann langsam, aber sicher sterben zu lassen. Hudson und OpenOffice sind hierfür sicherlich Paradebeispiele. Aber auch die mangelnde Weiterentwicklung von Technologien wie JavaFX haben gezeigt, dass man leider wenig Vertrauen in Open-Source-Projekte aus dem Hause Oracle haben kann.

Java EE schien als wichtiger Standard der Webwelt von Java ein ähnliches Schicksal vorbestimmt zu sein: Es mutete an, als ob Oracle es darauf anlegen würde, es langsam verfaulen zu lassen, bis es endgültig irrelevant geworden wäre. Mit den Java EE Guardians [1] wurde schließlich eine Gruppe freier Java-EE-Enthusiasten gebildet, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, um die Freiheit und Weiterentwicklung von Java EE zu kämpfen. Firmen wie Red Hat und IBM, deren Geschäft mit dem Erfolg von Java EE zusammenhängt, haben sich in diesem Zuge ebenfalls für den Standard eingesetzt.

Nun endlich kam der Befreiungsschlag: Oracle übergibt die Java-EE-Entwicklung in enger Abstimmung mit Red Hat und IBM an die Eclipse Foundation [2]. Sowohl Red Hat als auch IBM tragen ihrerseits schon viel Verantwortung im Eclipse-Projekt, z. B. im Eclipse-MicroProfile-Projekt [3]. Hier wurde im Umfeld von Java EE gezeigt, wie innovativ und schnell eine offene Community sein kann. Jetzt sind die Hoffnungen natürlich groß, dass der Java-EE-Standard sich unter dem neuen Dach ähnlich innovativ und schnell entwickeln wird.

Kurz nach der obigen Ankündigung von Oracle hat IBM seine Java-Laufzeit OpenJ9 ebenfalls der Eclipse Foundation übergeben [4]. Damit wird das Eclipse-Projekt langsam das Go-to-Projekt für alle relevanten Java-Standards. Eigentlich fehlt nur noch die Übergabe von OpenJDK an das Eclipse-Projekt, um Java wirklich von sämtlichen Ketten zu befreien.

Das Eclipse-Webprojekt

Ein weiterer Befreiungsschlag, wenn auch ein etwas kleinerer, passiert gerade im Web-Tools-Projekt, das für die Eclipse IDE das Tooling für die moderne Webentwicklung (JavaScript, Java EE, CSS, XML, JSON etc.) bereitstellt. Die Firma Red Hat übernimmt in Person von Robert Stryker die Gesamtprojektleitung von Carl Anderson von IBM. Nachdem Red Hat schon das JavaScript-Projekt vor einer Weile übernommen und modernisiert hatte, besteht Hoffnung, dass sich in diesem Bereich die Innovationsgeschwindigkeit ebenfalls erhöht. Zurzeit sind Rob und der Release Engineer Nick Bold von Red Hat allerdings noch mit der Vereinfachung des Projekt-Set-ups beschäftigt [5]. Es ist zu erwarten, dass nach dieser Vereinfachung die Projektentwicklung beschleunigt werden kann.

Die Projektstruktur im Eclipse-Platform-Projekt

Im Top-Level-Eclipse-Projekt ist es jüngst zu einem organisatorischen Umbruch gekommen: Nachdem das Projekt lange Zeit in sehr viele Unterprojekte aufgegliedert war, wurde die Projektstruktur jetzt erheblich vereinfacht. So gibt es ab sofort nur noch drei Hauptprojekte: Plattform, Java Development Tools (JDT) und PHP Development Tools (PDT). Das macht es viel leichter für Committer, „mal schnell“ einen Patch in ein Repo einzubauen. Damit sollten die Fälle reduziert werden, bei denen Eclipse Committer oft monatelang auf die Reaktion von anderen Committern warten mussten. Zudem können sich damit neue Entwickler schneller ihr Recht auf die Mitarbeit an einem Projekt verdienen, da sie ihre Beiträge jetzt nicht mehr über verschiedene Projekte verteilen müssen.

Wie der Screenshot in Abbildung 1 zeigt, sehen die Statistiken des Eclipse-Projekts [6] bereits jetzt schon sehr gut aus. Obwohl Red Hat, IBM und die vogella GmbH noch sehr viel dieser Arbeit machen, wächst der Anteil der freien Beiträge stetig an, wie es sich für ein echtes Open-Source-Projekt gehört.

Eclipse Lagebericht - Abb. 1: In der Git Repository View kann man seine Repositories verwalten

Abb. 1: In der Git Repository View kann man seine Repositories verwalten

Fazit: Politik gut, alles gut

An der politischen Front sieht es im Eclipse-Projekt aktuell recht gut aus. Oracle scheint sich für die Eclipse Foundation erwärmt zu haben und bringt seine Technologien immer stärker in das Open-Source-Projekt ein. Für die Zukunft ist zu hoffen, dass Oracle auch OpenJDK einer Foundation übergibt, aktuell wäre sicherlich die Eclipse Foundation die logische Wahl. Es ist natürlich auch zu hoffen, dass die Eclipse IDE davon profitieren wird, wenn Java EE bei www.eclipse.org gehostet wird. Jedenfalls sollte es Ehrensache sein, dass die Eclipse IDE natürlich das beste Tooling für Java EE liefert. Die Umstrukturierungen im Web-Tools-Projekt sind auf jeden Fall schon mal ein guter Anfang.

Geschrieben von
Lars Vogel
Lars Vogel
Lars Vogel ist Geschäftsführer der vogella GmbH, die Kunden im Bereich Eclipse, Android und anderen Themen unterstützt. Als Project-Management-Committee-Mitglied, Eclipse-Projektleiter und Committer hilft er dem Eclipse-Projekt. E-Mail: lars.vogel@vogella.com
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