Gezielte Entwicklung

Eclipse Foundation legt Proposal für neue Finanzierungsstrategie vor

Michael Thomas

Im August kündigte die Eclipse Foundation an, künftig direkt in die Weiterentwicklung von Eclipse-Projekten zu investieren. Die genaue Ausgestaltung des neuen Finanzierungsprogramms stand allerdings noch aus. Bis jetzt.

Vergangenen Monat gab der Direktor der Eclipse Foundation Mike Milinkovich bekannt, dass die Foundation im Rahmen einer neuen Finanzierungsstrategie nun direkt in Eclipse-Projekte investieren wolle: Eclipse-Anwender und Unternehmen, die selbst nicht die Zeit und Ressourcen aufbringen können, um sich aktiv an der Verbesserung von Eclipse-Projekten zu beteiligen, sollten Spenden allokieren können, die von der Foundation gezielt für die Weiterentwicklung von Eclipse-Projekten eingesetzt werden. Wie genau das neue Finanzierungsprogramm aussehen soll, kann nun im Rahmen eines entsprechenden Proposals auf der Eclipse-Website begutachtet werden.

Grundzüge

Das Proposal sieht vor, dass das Friends-Enabled Eclipse IDE/Platform Enhancements Program (FEEP) künftig für die Verwaltung und Zuweisung der im Rahmen des Friends of Eclipse-Programms eingesammelten Gelder zuständig ist, um eine „sinnvolle Weiterentwicklung“ der Eclipse-IDE bzw. -Plattform zu gewährleisten.

Zu diesem Zweck soll die Foundation in einem ersten Schritt mit den Schlüssel-Stakeholdern der Community in Verbindung treten, um die Probleme mit der höchsten Priorität zu ermitteln, diese Prioritäten anschließend in umsetzbare Entwicklungsaufgaben zu konvertieren und schlussendlich die für deren Umsetzung notwendigen Ressourcen freizugeben. Die Ressourcen werden aus Spenden von sowohl Einzelpersonen als auch Unternehmen gebildet. Im Falle gezielter Spenden soll ein Unternehmen eine Liste mit von ihm priorisierten Zielen einreichen können.

Das FEEP soll dabei ausschließlich von Seiten der Eclipse Foundation verwaltet werden. Sowohl die Höhe der Zuwendungen als auch die Prioritäten der Entwicklungsanstrengungen werden offengelegt. Die Eclipse Management Organization (EMO) bestimmt einen FEEP Program Manager (FEEP-PM), der in ihrem Namen für die Verwaltung des Prozesses verantwortlich zeichnet.

Entwicklungszklen

Die FEEP-Zyklen, die zunächst einem halbjährliche Turnus folgen, sollen sich jeweils in 5 Schritte gliedern:

  1. Input über die Prioritäten sammeln
    Der FEEP-PM konsultiert alle interessierten Parteien. Auf Grundlage dieses Inputs werden die Entwicklungsanstrengungen definiert, wobei u. a. Schätzungen der benötigten Zeit und Kosten vorgenommen werden, aber auch das zu erwartende Ergebnis festgeschrieben wird.
  2. Budget und Entwicklungsbemühungen festlegen
    Der FEEP-PM entwirft einen Budgetplan. Dieser wird zusammen mit der Liste der priorisierten Entwicklungsziele einem Review von Seiten der EMO unterzogen. Im Anschluss erstellt die EMO eine Liste der Approved Development Efforts. Bevor die Arbeitsaufträge vergeben werden, müssen die betreffenden Projekte bzw. PMC ihre Unterstützung garantieren.
  3. Einholen von Angeboten
    Der FEEP-PM veröffentlicht die Approved Development Efforts auf der Website der Foundation. Während der zweiwöchigen Angebotsphase können potentielle Auftragnehmer zusätzliche Informationen einholen und vertrauliche Angebote für ausgewählte oder alle Approved Development Efforts einreichen. Name und Wert jedes Development Efforts sind hingegen öffentlich.
  4. Aufträge für die Entwicklungsprojekte verleihen
    In Zusammenarbeit mit der EMO bewertet der FEEP-PM die eingegangenen Angebote. Die erfolgreichen Gebote werden anhand von Kriterien wie dem Preis, der zu erwartenden Qualität, der Qualifikation der Entwickler etc. ermittelt. Die Namen der Gewinner und der Wert des Auftrags werden öffentlich gemacht.
  5. Abschluss der Entwicklungsanstrengungen
    Der Auftragnehmer liefert seine Arbeit ab: Dazu gehört die Bereitstellung des Quellcodes, eines Testrahmens und einer Dokumentation. Wenn nicht anders festgelegt, so erfolgt die Bezahlung der Arbeit nur dann, wenn der Development Effort auch wirklich abgeschlossen ist und alle Leistungen vom FEEP-PM abgesegnet wurden. Der Abnahmeprozess soll voraussichtlich 14 Tage umfassen.

Der gesamte Prozess soll dabei von Anfang bis Ende den Leitgedanken der Transparenz und Offenheit folgen. Das Proposal sieht zudem vor, dass sämtliche im Rahmen des neuen Modells realisierten Features bereits vorhandene Entwicklungsbemühungen ergänzen. Last but not least erhoffen sich die Macher, einen Multiplikatoreffekt zu erzielen, der die Beteiligung der Community noch weiter fördert.

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Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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