Eclipse Development Process vor einer Umstrukturierung?

Eclipse-Richtlinien auf dem Prüfstand: „Es ist Zeit für eine Revision“

Moritz Hoffmann

(c) shutterstock.com / solarseven

Mit dem Eclipse Development Process (EDP) will die Eclipse Foundation sicher stellen, dass alle Projekte im Rahmen eines offenen, transparenten und effizienten Prozesses fortentwickelt werden. Als Teil dieses Prozesses fördert die Eclipse Foundation einen umfassenden Austausch zwischen den Entwicklungsteams und allen anderen Mitgliedern. Eclipse-Evangelist Wayne Beaton hat nun in einem aktuellen Blogpost eine Revision des zentralen Entwicklungsplans angeregt.

Genauerer Zweck des jährlichen Eclipse Development Process Report ist es, die Beteiligung der Foundation-Mitglieder, der Eclipse Management Organization (EMO) und anderer Teile des Eclipse-Ökosystems an den verschiedenen Projekten in den Bereichen Leadership, Einflussnahme und Zusammenarbeit zu organisieren. Dazu gehört u.a. eine Definition der Projektstrukturen, der Beziehungen zwischen den Projekten und den Committern sowie der angestrebten Ziele für einzelne Aktivitäten.

Wayne Beaton, der als Direktor der Committer-Community und Lead vieler Eclipse-Projekte immer wieder führend an dem Report beteiligt war, hat nun konkrete Vorschläge unterbreitet, wie eine von ihm angestrebte umfassende Revision aussehen könnte.

After many years and many revisions, it’s past time for a complete (or near complete) rewrite. That’s an exhausting thought, frankly, but it’s my hope that we’ll be able to do just that.

Kontinuierliche Beteiligung ausdrücklich erwünscht

Zum einen zieht er den Release-Prozess selbst in Zweifel, insbesondere die sogenannte Release-Review, in deren Verlauf die neue Version eines Projekts zwar schon fertig vorliegt, aber erst eine Woche später öffentlich zur Verfügung gestellt wird. Vom Mehrwert dieser Formalie, so Beaton, ist er nicht länger überzeugt, insofern mit der zuletzt abfallenden Beteiligung der Community der früher obligatorische Conference Call keiner einwöchigen Vorbereitungszeit mehr bedarf und auch die mühsame Sammlung von Review-Material zunehmend überflüssig wird.

Further, I’m of the mind that anybody who is interested in an open source project is either already following the progress of the project or should be.

Allen Open-Source-Enthusiasten empfiehlt er grundsätzlich, nicht auf die nächste Review zu warten. Alles was nötig sei, um Projekte weiter voranzubringen bestehe in folgender Formel:

Get IP Team approval of the IP Log;
Get Project Management Committee (PMC) Approval of the release;
and Ship it.

Für das nächste Release selbst schlägt er zunächst eine andere Verfahrensweise vor, die am sogenannten „umbrella bug“ 463857 modellartig entwickelt werden könnte. Beaton ruft dabei explizit zur Beteiligung in Form von Kommentaren und Blocker Bugs auf:

Let’s use this bug as a parent for bugs describing changes we’d like to include in the 2015 revision of the EDP. Let’s see what we come up with for changes and decide the right course of action.

Die Prozesse bei Eclipse sind flexibel

Beatons Vorschlag dürfte auch ganz im Sinne des langjährigen Eclipse-Begleiters und Open-Source-Anbieters Red Hat sein, der erst kürzlich vom Solution Member zum strategischen Mitglied der Eclipse Foundation aufgestiegen ist. So äußerte sich auch Max Rydahl Andersen, Consulting Engineer bei Red Hat, im Interview mit dem Eclipse-Magazin folgendermaßen:

Aus historischer Sicht hat die Foundation viele Prozesse und Governance-Regeln etabliert, die auf der Industrie vor zehn bis fünfzehn Jahren beruhen. Sicherlich ist die Foundation nicht dabei stehen geblieben und hat diese Regeln über die Jahre hinweg immer wieder angepasst. Doch vor allem im Bereich Governance und Entwicklungsprozesse finden wir, dass es Zeit für eine größer angelegte Überarbeitung ist, um die Foundation wettbewerbsfähiger und dynamischer zu machen.

Teilweise geht es darum, den Leuten bewusst zu machen, dass die Prozesse bei Eclipse eigentlich ziemlich flexibel sind. Es gibt zwar einen übergreifenden Prozess und gewisse Guidelines, aber diese sind darauf ausgerichtet, sich den Bedürfnissen der Community und dem spezifischen Projekt anzupassen. Andererseits wollen wir uns ansehen, wie die jeweiligen Prozesse bei Eclipse tatsächlich ausgeführt werden und klären, ob wir das ganze nicht ein wenig beschleunigen können. Ein Vorschlag wäre, einen Teil der Arbeit, die Urheberrechtssituation von Drittpartei-Abhängigkeiten zu klären, an die Committer zu übergeben, sodass sich um Eclipse Releases herum weniger bei einer Handvoll Leuten anstaut.

Das vollständige Interview wird im nächsten Eclipse-Magazin 5.15 nachzulesen sein, das Ende Juli 2015 erscheint. Bis dahin bleibt abzuwarten, wie die Community und die Verantwortlichen der Eclipse Foundation auf Beatons Vorschlag reagieren. Im Thread zum Bug 415620 ist der Diskussionsprozess bereits in vollem Gange.

Aufmacherbild:  The Moon covering the Sun in a partial eclipse. von Shutterstock.com
Urheberrecht: solarseven

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Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann hat an der Goethe Universität Soziologie sowie Buch- und Medienpraxis studiert. Er lebt seit acht Jahren in Frankfurt am Main und arbeitet in der Redaktion von Software und Support Media.
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