Keine Panik!

Eclipse Che: Der Untergang der klassischen Eclipse IDE?

Dominik Mohilo

©Shutterstock.com/s.chanakanon

Tyler Jewell, Leiter des Projektes Eclipse Che, kann stolz auf sich und sein Team von Entwicklern sein. Selten hat ein Eclipse-Projekt jüngeren Datums so viel Resonanz erhalten. Doch eine Frage schwelte bislang unbeantwortet im Raum: Ist Eclipse Che angetreten, um die traditionelle Eclipse IDE abzulösen?

Was ist Eclipse Che?

Viele Entwickler sind offenbar von der neuen IDE-Plattform Eclipse Che angetan, sogar bei IT-Gigant Microsoft, dessen General Manager Developer Division, Shanku Niyogi, auf der EclipseCon NA 2016 die Kompatibilität der Visual Studio Team Services (VSTS) und Azure mit Eclipse Che bekannt gab. Im gleichen Atemzug wurde Microsofts Beitritt zur Eclipse Foundation als Solution Member angekündigt – und dies alles im Rahmen Jewells Keynote zu Eclipse Che. Sicher kein Zufall.

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Che erhielt in den Medien ein positives Echo, was allerdings auch an dessen Ausrichtung liegt: Eclipse Che ist für Web- und Cloud-Entwickler gedacht, die mobile Workspaces und die Nutzung der Container-Technologie für sich beanspruchen. Ein vollkommenes Rund-um-Paket also, das bereits von namhaften Firmen wie IBM, Red Hat und SAP (nicht zu vergessen Microsoft) genutzt wird.

Ursprünglich wurde Che von Codenvy, einer Software-Firma, die Entwickler Workspaces anbietet, als ein Software Development Kit (SDK) designt. Heute ist Eclipse Che vor allem eine Browser-basierte IDE (RESTful APIs kommen hierbei für die Kommunikation zum Einsatz), die es Entwicklern ermöglicht, mobil, plattformunabhängig und teamorientiert zu arbeiten.

Überblick der Eclipse Che Architektur. / Quelle: https://eclipse-che.readme.io/docs/

Überblick der Eclipse Che Architektur. / Quelle: https://eclipse-che.readme.io/docs/

Durch die Bereitstellung eines SDKs für die Entwicklung neuer Extensions ist Che auch eine Plattform für die Entwicklung von Plug-ins. Es ist also möglich, Che zu nutzen, um für Che selbst neue Funktionen zu entwicklen, das Aussehen der (Browser-)IDE zu verändern und vieles mehr. Che ist kompatibel zu vielen Programmiersprachen und Infrastrukturen wie Java, Maven, Ant, Git, Angular.JS und JavaScript.

Eclipse Che kann allerdings auch ganz einfach als Desktop IDE genutzt werden. Der Workspace Server, der sonst auf einem Application-Server wie Tomcat aufsetzt und dafür sorgt, dass die IDE im Browser geladen werden kann, wird von Che dann als Embedded Service verwendet. Und spätestens hier kommt dann die Frage auf, in welchem (Konkurrenz-)Verhältnis Che zur traditionellen Desktop Eclipse IDE steht.

Echte Gefahr oder belebender Konkurrent?

Ein klärendes Wort dazu gibt es nun von Mike Milinkovich, Executive Director der Eclipse Foundation. Wie Milinkovich in einem Blogpost feststellt, wirft die Entwicklung von Eclipse Che (insbesondere in der Desktop-Variante) und die positive Resonanz die Frage auf, welchen Einfluss diese Entwicklung auf die Eclipse IDE bzw. das Java Development Tooling (JDT) von Eclipse hat. Diese traditionelle, bereits seit 15 Jahren eingesetzte Entwicklungsumgebung wird von vielen nach wie vor gerne genutzt. Einige Entwickler scheinen zu befürchten, dass Eclipse Che die Eclipse IDE komplett ersetzen könne. Hierfür gibt Milinkovich allerdings Entwarnung. Che sei ein eigenes Projekt mit einem anderen Team.

Remember, this is open source where the community is the capacity. There is obviously some overlap between both, but they have distinct goals, advantages and benefits, so the Eclipse IDE platform remains relevant and actively developed.

– Mike Milinkovich, Executive Director der Eclipse Foundation

Es gebe, so Milinkovich, zwar Überschneidungen zwischen beiden Projekten, doch die Ziele, Vorteile und der Nutzen seien unterschiedlich. Die Eclipse-IDE-Plattform werde also selbstverständlich weiterentwickelt und bleibe relevant für Entwickler.

Bei der Frage, ob eine Entwicklungsumgebung die andere ablösen kann, ist es immer wichtig zu bedenken, dass in Open-Source-Communities die Community die Entscheidung trifft. Solange also Projekte von engagierten Nutzern getragen und weiterentwickelt werden, ist ein Aussterben eher unwahrscheinlich.

Der Leitspruch „Konkurrenz belebt das Geschäft“ ist Milinkovich zufolge auch auf die Entwicklung der verschiedenen IDEs im Eclipse-Universum anzuwenden. Immerhin kann der Konkurrenzkampf auch Innovation hervorbringen. Hinzu kommt, dass sich die Eclipse IDE und Eclipse Che nicht nur überlappen, sondern teilweise auch ganz gut im Verbund funktionieren: Es gibt viele Projekte, die innerhalb der Eclipse Foundation ein Zuhause gefunden haben, deren Entwicklung sich zwischen Eclipse Che und der „klassischen“ IDE bewegt.

Orion, RCP, CHE, IDE, etc.

Die Befürchtung, dass eine der beiden Plattformen von der anderen abgelöst werden könnte, wird noch weiter entkräftet, wenn man die Eclipse RCP und Eclipse Orion in seine Überlegungen miteinbezieht. Diese Plattformen sind schon lange weit verbreitet und so erfüllt jede ihren Zweck, ohne die Existenzberechtigung der anderen zu beeinträchtigen. „Das richtige Werkzeug für den richtigen Job“ könnte das Motto lauten.

These platforms are partially competing, and we’re fine with that.

Mike Milinkovich, Executive Director der Eclipse Foundation

Die Unterschiede zwischen Eclipse Che und der Eclipse IDE sind, wenn man es sich genau ansieht, signifikant. Zwar zielt der Nutzen der beiden Plattformen im Hinblick auf die Entwicklung in die gleiche Richtung, doch das „Wie“ unterscheidet sich deutlich: Während Che Mobilität und eine, besonders für Entwicklerteams an unterschiedlichen Orten und mit unterschiedlichen Arbeitsgeräten, interessante Cloud-basierte Lösung bereit hält, ist die Eclipse IDE eher eine stark in das System integrierte, lokal besser anpassbare Workstation.

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Die Zeiten für Entwickler, die sich im Eclipse-Universum bewegen, sind reichhaltig. Durch Plattformen wie Orion, Che, RCP und die klassische Eclipse IDE können Entwickler auf ein sehr breites Spektrum an vorgefertigten, individualisierbaren und für genau ihr Metier passenden Entwicklungsumgebungen zurückgreifen. Für jeden Entwickler gibt es mittlerweile die passende IDE oder das passende Package. Überschneidungen und Konkurrenz sind in einer so großen Open-Source-Community wie der von Eclipse normal. Don’t Panic – wie Douglas Adams sagen würde.

Aufmacherbild: Colorful paper background von Shutterstock / Urheberrecht: s.chanakanon

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Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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